„Der Seewolf“ in Sicherheit

betr.:  ZDFneo zeigt die Spielfilmfassung des „Seewolf“ um 9.20 Uhr und um 22.15 Uhr.

Die ZDF-Adventsvierteiler der 60er und 70er Jahre gehören zu den TV-Antiquitäten, die schon durch Herkunft und Patina einen Anspruch auf den Begriff „Kult“ haben. Der prachtvollste von ihnen ist „Der Seewolf“ von 1971, der sechste Beitrag der Serien-Reihe. (Das zweiteilige Remake von 2009 dürften inzwischen sogar jene vergessen haben, die darin auftraten.) Künstlerisch hatte auch er ein Problem, das all diesen Produktionen zusetzte: das Ausfüllen von sechs Sendestunden führte zu einer Langsamkeit, die uns schon in der guten alten Zeit zuweilen auffiel. Die Drehbücher waren ausgestopft mit überflüssigen Szenen, textlicher Redundanz, Sprechpausen und endlos gedehnten Einstellungen, die jede Dramaturgie schlappmachen ließen. In Jack Londons „Seewolf“ baute Bearbeiter Walter Ulbrich außerdem ein paar andere Erzählungen des Autors ein. So kommen die Gegenspieler Van Weyden und „Seewolf“ Larsen zu einer Rückblende, die sie zu Jugendfreunden macht, die einander aus den Augen verloren hatten. Unvergessen sind die Szenen eines besonders langen Überlebenskampfes von Van Weyden in der Wildnis, in denen uns ein Hund als räudiger Wolf verkauft wird (die Erzählerstimme entschuldigt sich sogar dafür).

„Richtiger kann ich mir eine ‚Seewolf‘-Verfilmung nicht träumen! Es gab nicht einen einzigen Meter Langeweile!“ So zitiert der Trailer eine Kritikermeinung, die vermutlich nicht die TV-Fassung meint …

Es ist ein wenig schade um diese mit großer Sorgfalt produzierten Kuriositäten aus dem Archiv. Was sie unter anderen Bedingungen wert sein könnten, lässt sich am Beispiel ihres großen Spitzenreiters studieren. Wegen seines Erfolges wurde „Der Seewolf“ auf eine zweistündige Kinofassung heruntergeschnitten. Sie ist ein flottes nostalgisches Vergnügen.
Zwangsläufig erhalten geblieben ist der Showdown, in dem sich der kraftstrotzende Schurke Raimund Harmstorf als sieches Wrack ein letztes Mal aufbäumt. Was die Maske und Harmstorf selbst hier leisten, ist immer noch beeindruckend! 
Auch mein Lieblingssatz ist noch drin: „Noch lange nachdem nein Verstand wieder völlig intakt war, hasste ich jeden Menschen, den ich etwas essen sah.“  

Dieser Beitrag wurde unter Fernsehen, Film, Medienphilosophie abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.