Bob und Margaret – Von Zahn bis Fuß

betr.: 25 Jahrestag der US-Premiere von „Bob’s Birthday“ auf dem „Chicago International Film Festival“

Heute sind wir rundum mit Mittelklasse-Sitcoms versorgt – mit wiederholten und noch laufenden, gefilmten und gezeichneten, gesendeten und gestreamten. Die Pointen sitzen (wenn auch nicht so gut, dass das pausenlose Dosengelächter angemessen wäre). Kein Wunder, dass niemand „Bob und Margaret“ vermisst, eine Cartoon-Sitcom auf der Basis des Oscar-Gewinners „Bob’s Birthday“. In diesem 12minütigen Trickfilm, der in seiner limited Animation den Erfolgsserien von Seth MacFarlane voranging, „feiert“ der spießige Zahnarzt Bob den deprimierendsten Tag im Leben eines jeden Mannes: seinen Vierzigsten. Der Erfolg des Films führte dazu, dass der Spaß in Serie gehen durfte. Das kanadische Autoren-Ehepaar David Fine und Allison Snowden siedelte sein Traumpaar in Süd-London an und fing die britische Atmosphäre (jedenfalls aus unserer kontinentalen Perspektive) wunderbar ein.

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„Bob And Margaret“ hält sich bereits strikt an die bis heute ehernen Gesetze der Verlierer-Comedy: Bob Fish ist Zahnarzt, Margaret Fußpflegerin – zwei Tätigkeiten, die tief zu den am wenigsten appetitlichen Stellen des menschlichen Körpers hinabführen (Die Träger dieser Stellen sind freilich noch weitaus unangenehmer.) Die Helden erwarten nichts vom Leben und werden dennoch ständig frustriert. Weiterlesen

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Richard Kummerfeldt – An den Rändern der Traumfabrik (10)

Fortsetzung vom 28.9.2019

Diesen Bericht seiner späten Aktivitäten als freier Filmmusikproduzent verfasste Richard Kummerfeldt im Exil in Südamerika für ein (deutsches?) Fachmagazin. Es gewährt Einblicke in die letzten Jahre der Tonträgerindustrie vor deren Verschlafen der digitalen Revolution, in die Welt der käuflichen Filmmusik, die Seele des Sammlers (heute „Nerd“), die Finessen des sich wandelnden Urheberrechts und erzählt von der Arbeit mit schwierigen Bürohengsten und Künstlerpersönlichkeiten in den 90er Jahren.

Eine Lücke im Urheberrecht

Mit Ingo hatte ich vor dem anstehenden WEA-Termin kurz über die Strategie gesprochen. Eigentlich einfach: sich dumm stellen, Bedauern zum Ausdruck bringen und eine mögliche Straflizenz akzeptieren. Bloß keine Klage riskieren! Einen Prozess hätte Ingo mit Pauken und Trompeten verloren, und das Ganze hätte auch Auswirkungen auf den Verlag gehabt, wäre im „Musikmarkt“* breitgetreten worden und Ingo (und vielleicht auch ich) wären zu personae non grata erklärt worden. Die Anwältin – ihr Name war übrigens Christina Haralambidis, eine griechische Schönheit – zeigte sich weniger rabiat, als ihr Schreiben an Ingo vermuten ließ, und wir kamen vergleichsweise glimpflich aus der Nummer raus. Ingo musste eine Straf-Lizenz von etwa 10 Mark je verkaufter CD zahlen, der Rest sollte vernichtet und die Überbleibsel bei der WEA abgegeben werden. Das war´s dann. Weiterlesen

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Trost für die Nicht-Perfekten

betr.: Schönheit

Die Nr. 8 des „S-Magazin“* ist dem Thema „Body Positivity“ gewidmet und rechtfertigt das gleich zu Beginn des Editorials mit dem Hinweis, Schönheit zu definieren sei altmodisch, denn sie bilde und wandele sich. Die französische Künstlerin, die da zitiert wird, geht sich wenige Zeilen später gleich selber in die Falle, indem sie erklärt, mit ihrer Arbeit „das Nicht-Perfekte“ feiern zu wollen – was schlechterdings nur geht, nachdem man es zuvor vom „Perfekten“ unterschieden hat. Weiterlesen

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Die wiedergefundene Textstelle: „Parole Chicago“

betr.: 63. Geburtstag von Christoph Waltz

Ab September 1979 liefen 13 Folgen der Krimi-Comedy „Parole Chicago“ – die Bezeichnung „Schmunzelkrimi“ wäre zu herzlos, denn es handelte sich um eine wirklich brillante Persiflage. Die Autoren transportierten die Vorlage von Henry Slesar ins Berlin der Weimarer Republik, blendete aber deren politische Aspekte völlig aus. Was heute unweigerlich den Groll der nicht-zusehenden Besserwisser erregten würde, bekam der Komödie sehr gut. Das Kolorit wurde unangestrengt aber akkurat heraufbeschworen.

„Parole Chicago“ war ein Produkt für den ARD-Vorabend, ein Format also, dass sich an die heimgekehrten Schulkinder richtete, das erwachsene Publikum aber nicht aussperrte, finanziert von der Deutschen Fernsehwerbung, die damals ausschließlich in diesem Zeitfenster zwischen 18 und 20 Uhr stattfinden konnte.

Die festen Nebenrollen waren mit köstlichen (und arg unterrepräsentierten) Komödianten wie Monika John und Joachim Wichmann besetzt, und in der Hauptrolle glänzte der heute größte internationale Filmbösewicht Christoph Waltz – hier noch als notorisch ungeschickter Lehrling des Verbrechens.
Jede der 13 Folgen begann mit einem neu formulierten aber inhaltlich identischen Prolog, in dem uns der zwanzigjährige Ede (Waltz) seine neue Freundin und seinen abgrundtief bösen Cousin vorstellt. Auch für Waltz‘ ganz und gar unberlinerischen Zungenschlag findet sich hier eine Erklärung … Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (168): „Stehaufmännchen“ (xii)

Fortsetzung vom 25.9.2019

Das Buch „Stehaufmännchen“ wird als Theateraufführung erzählt. Ursprünglich hätte die Rahmenhandlung den Paläoanthropologen Prof. Dr. Hanebüchen in einer Talkshow gezeigt, der – je nach Arbeitsstadium – von einer schlichten Daily-Talkerin befragt (und unterfordert) wird oder von der (real existierenden) Berliner Drag-Queen Jurassica Parka. Ausnahmsweise gab es zuerst ein Manuskript.

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Jurassica: Entschuldigung, meine süßen Puppis, wir reden hier während des Einspielers so einfach weiter, und das ist ja so spannend mit den alten Knochen. Wer hätte das gedacht? Ich freu mich schon auf ’ne neue Hüfte irgendwann! Ja, und Sie meinen, das ist nun ganz unmöglich, dass ein Homo Robustus sich in einen Homo Erectus verliebt? Weiterlesen

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Die Marvels wie sie wirklich waren: Dr. Strange / Doktor Strange – Der Magier (1)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier wiederzugeben. 

Dr. Strange – Die Welt des Dr. Seltsam
von  Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/

Introseite Dr. Strange Nr. 1
Introseite aus „Dr. Strange“ Nr. 1 des Williams Verlags (Oktober 1975).

Der hochnäsige, geldgeile Chirurg Dr. Stephen Strange kümmert sich nicht um die Schicksale anderer. Seine vielgelobten Fähigkeiten im Operationssaal gibt es nur gegen Bezahlung im Voraus, ein wahrer Egomane. Doch schon bald soll auch er seinen Dämpfer abbekommen. Bei zu schneller Fahrt auf nasser Straße verliert er die Kontrolle über seinen Wagen. Er überlebt zwar den Unfall, doch die Nerven in seinen Händen sind zerstört. Er wird nie wieder operieren können. Die Möglichkeit, als Assistenzarzt zu arbeiten ist ihm zuwider, und er verliert sich in Selbstmitleid. Als Penner zieht er durch die dunklen Straßen nahe des Hafens („… ein vertrauter Anblick in nebligen Dock-Anlagen“). Dort schnappt er eine Legende auf und fasst neue Hoffnung. Der „Uralte“ soll imstande sein, schwerste Krankheiten zu heilen. Weiterlesen

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Die schönsten Filme, die ich kenne (97): „Paper Moon“

betr.:  77. Geburtstag von Madeline Kahn*

In der Zeit der Großen Depression boten die Art-Deco-Musicals der Warner Bros. und der RKO eine Gegenwelt zur traurigen Realität. Das andere Genre der Stunde war der Gangsterfilm, der den Verhältnissen zwar schon deutlich näherkam, aber auch er bot mit seinen Barmädchen und Nadelstreif-Ganoven soliden Eskapismus. Erst Ende der 30er Jahre wagten etwa die Literaturverfilmungen „Früchte des Zorns“ oder „Von Mäusen und Menschen“ ein realistischeres Bild des allgemeinen Elends.
Der 1973 in Schwarzweiß realisierte „Paper Moon“ ist neben des Beitrags von Laurel & Hardy „One Good Turn“ sicherlich der heiterste Blick auf diese Zeit.

Am Grab einer Ex-Geliebten bekommt der Trickbetrüger Moses (Ryan O’Neal) deren Tochter aufs Auge gedrückt – und mit Bestimmtheit wissen wir nur, dass es im wirklichen Leben auch seine eigene (Tatum O’Neal) ist. Weiterlesen

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Richard Kummerfeldt – An den Rändern der Traumfabrik (9)

Fortsetzung vom 20.9.2019

Diesen Bericht seiner späten Aktivitäten als freier Filmmusikproduzent verfasste Richard Kummerfeldt im Exil in Südamerika für ein (deutsches?) Fachmagazin. Es gewährt Einblicke in die letzten Jahre der Tonträgerindustrie vor deren Verschlafen der digitalen Revolution, in die Welt der käuflichen Filmmusik, die Seele des Sammlers (heute „Nerd“), die Finessen des sich wandelnden Urheberrechts und erzählt von der Arbeit mit schwierigen Bürohengsten und Künstlerpersönlichkeiten in den 90er Jahren.

When Tarantula took to the hills

Das Jahr verlief mittelmäßig. Ich realisierte die möglichen VÖs und hatte wirklich wenig Lust, mich an anderen Projekten zu versuchen. Cordani wurde bedient, die Deutsche Bank erhielt ihren monatlichen Scheck und ich konnte meine marode Wohnung modernisieren. Eva war zufrieden und ich auch. Was will man mehr?

Aber 1992 sollte ich noch einmal zur MIDEM nach Cannes fahren. Außer den üblichen Sauf- und Fressgelagen passierte dort nichts wirklich Aufregendes. Bis auf eine peinliche Begebenheit. Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich Dir auch diese Geschichte erzählen soll, war ich doch lediglich eine Randfigur. Aber es ist die schlichte Wahrheit, und so ist es passiert:
Bevor ich mich auf den Weg nach Hamburg machte, besuchte mich Ingo Curth von Tarantula in meinem kleinen Programmkino in der Domstadt Speyer. Er bot mir eine Zusammenarbeit in seinem neu gegründeten Versandhandel an. Er wollte auch Tonträger veröffentlichen, und der Auftakt sollte nichts Geringeres als Jerry Goldsmith´s Musik zu „Das Omen“ sein. Doch wo und wie anfangen? Auf dem US-Label war nur diese eine Filmmusik erschienen, und es gab keine Adresse, keine Telefonnummer, es gab einfach NICHTS. Der Weg über Varèse* war versperrt, und einen Joe Haensch kannte ich noch nicht. Und Ingo nervte. Was also tun? Weiterlesen

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Je kürzer desto besser!

betr.: 80. Geburtstag von John Cleese

In seiner Biographie schreibt John Cleese immer wieder und sehr ausgiebig über das Handwerk des Komikers an sich.
Warum es auch in der Comedy (wie überall sonst) so wichtig ist, es häufig zu machen, bemerkte er, als er zum ersten Mal Abend für Abend mit dem selben Stück auf der Bühne stand. Da kann man experimentieren und herausfinden, was funktioniert und wo noch Reparaturen nötig sind.  Irgendwann ist das Problem behoben, und man ist wieder etwas schlauer. Diese Arbeitsweise ist den meisten Laien nicht möglich.
Wer komisch sein will, sollte halbwegs ausgeglichen sein, denn „jede Art von Anspannung schickt den Ball in die falsche Richtung“.
Besonders schwer ist es, hinter das richtige Timing zu kommen – hier helfen keine Rezepte, man muss es sich erspüren und erarbeiten. Immerhin war „Timing“ das einzige, wofür sich John Cleese ein wirkliches Talent attestiert.
„Nach einem Gag bleibt dir nur der Bruchteil einer Sekunde, um zu entscheiden, ob du weitermachen oder auf den Lacher warten solltest. Macht man zu früh weiter, würgt man den Lacher ab – und muss die Zeile wiederholen, was ziemlich unelegant ist und dich aus dem Tritt bringt; wenn man wartet, und es kommt kein Lacher, kriegt das Publikum mit, dass gerade eine Fehlzündung stattgefunden hat.“
Apropos Timing: eine durchschnittliche Show wird nicht nur etwas besser, wenn man sie um die Hälfte kürzt, sondern viel besser. (Das lässt sich auch über das dramatische Fach sagen!) „Von Mal zu Mal stellte ich fest, dass es sehr viel mehr bewirkt als erwartet, wenn man eine Rede, einen Satz oder auch nur ein paar Wörter streicht.“
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* Mehr dazu unter https://blog.montyarnold.de/2018/12/27/12158/

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold
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