Die schönsten Filme, die ich kenne (103): „Der Prinz im Fahrstuhlschacht“

Der stumme Zweiakter „Double Whoopee“ wird zwar von William K. Everson zu den besten Stummfilmen mit Laurel und Hardy gerechnet, aber er gehört eher zu den vergessenen Werken im deren umfangreichem Schaffen. Noch lange nachdem er im Mai 1929 herausgekommen war,  war er überaus populär, weil die 17jährige Jean Harlow hier (für damalige Verhältnisse) leicht bekleidet zu sehen ist, nachdem ihr die Helden die Abendrobe ruiniert haben.
Rückblickend verfügt der Film über zahlreiche weitere Vorzüge.

Diese Aufmachung von Jean Harlow galt in den Wilden 19-Zwanzigern als gewagt und will dem Rezeptionisten gar den Atem verschlagen haben. (Image Entertainment / The Nostalgia Archive)

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Geschichte des Komiker-Handwerks (31)

Fortsetzung vom 17.7.2020

Obwohl sich dieses klassische Karrieremodell grundsätzlich auf unsere deutschen Verhältnisse übertragen lässt, sind einige Unterschiede erwähnenswert.
Zunächst einmal hat es die sinnige Tradition der TV-Verantwortlichen, die sich nach Feierabend in eine Show zu setzen, um nach Talenten Ausschau zu halten, bei uns bis etwa zur Jahrtausendwende kaum gegeben. In der öffentlich-rechtlichen Ära war es sogar absolut unüblich.
Dafür ist die folgende Geschichte beispielhaft.
In Mainz befindet sich sowohl das ZDF als auch das “Unterhaus“, das jahrzehntelang Deutschlands renommierteste Kabarett-Bühne war, eine Spielstätte für große und kommende Namen. In seinen zwölf Jahren als Unterhaltungschef des Senders wurde Wolfgang Penk nur ein einziges Mal im „Unterhaus“ gesichtet. Nicht etwa, um sich eine komplette Show anzusehen, sondern um einen bereits prominenten Kollegen zu einem möglichen Format zu befragen. (So erzählte es mir der langjährige Prinzipal der Bühne.)

Ein weiterer Unterschied zu den amerikanischen Verhältnissen liegt im historischen Moment. Der Begriff „Comedy“ und das Berufsbild des Stand-Up etablierten sich bei uns erst Anfang der 90er Jahre. Comedy und Fernsehen haben einander gegen- und wechselseitig sehr stark beeinflusst, doch dazu später mehr.

Auszug aus dem Essay „Humor Omnia Vincit“

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Orchestrated Right – Die besten Arrangements, die ich kenne (5)

„Night Song“
Text: Lee Adams, Musik: Charles Strouse
Arrangement: Ralph Burns

Erfolg ist bekanntlich eine ungerechte Sache. Meistens trifft er die Falschen, und wenn es mal versehentlich den Richtigen erwischt, dann aus den falschen Gründen. So wird der Musical-Komponist Frank Loesser nicht für sein großartiges Abschiedswerk „How To Succeed In Business Without Really Trying“ geschätzt, sondern wegen seiner im Vergleich lediglich sehr anständigen „Guys And Dolls“. Wer den Namen Jerry Herman kennt, der tut das wegen der quasi-toleranten Klamotte „La Cage Aux Folles“ und nicht wegen des Meisterstücks „Mack And Mabel“.
Besonders übel hat es Charles Strouse getroffen. Als sein größter Wurf gilt die Schnulze „Annie“ und nicht das Boxerdrama „Golden Boy“.

Sammy Davis, Jr. spielte und sang 1964 die Hauptrolle. Auch das übrige Ensemble war schwarz, und das Repertoire verhandelt diesen Aspekt kraft- und fantasievoll, ohne ins Jesuitentheater abzurutschen.
Der „Night Song“, der gleich zu Beginn von Davis als musikalisches Selbstgespräch vorgetragen wird, ist der beste von vielen Gründen, die restlose Vergessenheit zu betrauern, in der dieser fabelhafte Score versunken ist.

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Die wiedergefundene Textstelle: „Überfahrt“ (33)

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Orchestrated Right – Die besten Arrangements, die ich kenne (4)

„You’re The Top“
Text und Musik: Cole Porter
Arrangement: Artie Butler

Ein Cole-Porter-Song – ich erzähle Ihnen nichts Neues – ist nicht kaputtzukriegen. Er überlebt sogar die Wiedergabe in einer Fernsehrevue, er besteht als Karaoke-Aufführung, in einer deutschen Daily Soap und sogar als Klingelton. Entsprechend groß und einschüchternd ist die Zahl der Interpretationen der wichtigsten Titel, die Riege der Stars, die es sich seit 80 Jahren nicht nehmen lassen, Cole Porter zu singen.
„You’re The Top“ ist besonders gut vertreten, und als er 1972 (da war er immerhin 36 Jahre alt) abermals in einem Komödienvorspann präsentiert wurde, da wäre der Interpretin Barbra Streisand niemand böse gewesen, wenn sie ihn einfach ein weiteres Mal auf ihrem üblichen Niveau gesungen hätte.
Doch sie sang ihn ganz besonders gut. Das lag zum einen an seinem flotten Tempo, das die Streisand daran hinderte, ihn sich melodisch so erbarmungslos einzuverleiben, wie sie das bei langsameren Standards sonst gerne tut. Es lag weiterhin an der Begleitung von Artie Butler, der auch den dazugehörigen Soundtrack komponierte.

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Geschichte des Komiker-Handwerks (30)

Fortsetzung vom 8.7.2020

Fernsehen, Karriere, Fernsehkarriere in der Comedy

Gut 50 Jahre lang – von den 60er Jahren bis in die YouTube-Ära – war das Fernsehen für die Karriere eines amerikanischen Comedians sowohl wichtigstes Karriere-Sprungbrett als auch Erfüllungsort derselben. Eine solche Laufbahn begann in kleinen Clubs, in denen sich Material und Handwerk entwickeln konnten. Durch diese Programme tingelten die weniger Ambitionierten mit einem einzigen oder wenigen zehnminütigen Sets, ohne ein abendfüllendes Programm bereitzuhalten. Präsentierte sich ein junger Stand-Up zu früh in einem großen Club oder auf dem „College Comedy-Concert Circuit“ (dazu später mehr), konnte er gnadenlos absaufen. In jenen besseren Adressen stieg die Wahrscheinlichkeit, von einem Produzenten oder TV-Talentsucher entdeckt zu werden. Vor deren Augen konnte ein schlechter erster Eindruck verheerend sein.

Die wichtigste TV-Sendung, in die man als US-Comedian eingeladen werden konnte, war „The Tonight Show“, die ab 1962 mit Johnny Carson in eine besonders glanzvolle Phase eintrat.
Wer dort gut ankam, dem öffneten sich die renommiertesten Clubs, und die Gage erhöhte sich beträchtlich. Geradezu ein Ritterschlag war es, Carson in der Show zu vertreten. Joan Rivers, Robert Klein, George Carlin und Bill Cosby gehörten zu den derart Geadelten. Letzterer ist ein auch hierzulande populäres Beispiel für einen Comedy-Star, dessen Ruhm sich in einer eigenen Show festigen und verlängern konnte. So sah gewissermaßen der ganz große Hauptgewinn aus – solange es nicht (wie in Cosbys Fall) anschließend noch zu einer Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs kam.

Auszug aus dem Essay „Humor Omnia Vincit“

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Mir ist heut so nach Shyamalan, nach Shyamalan zumut!

betr.: „The Visit“, letzte Nacht im ZDF

Vor keinem Horrorfilmregisseur fürchte ich mich so sehr wie vor M. Night Shyamalan. Nicht, weil seine Filme so gruselig wären, sondern weil ich sie ärgerlich finde: prätentiös, glotzäugig und selbstbesoffen. Shyamalan ist der kaltblütige Schänder mehrerer Film- und Fernsehabende meines Lebens, die zu den schönsten hätten zählen können. Und was das Schlimmste ist: besonders zu Beginn seiner Karriere fanden sich zahllose nachsichtige Gemüter, die ihn emsig von Berufs wegen gelobt und gefeiert haben.
Gestern nacht sah ich erstmals und zufällig einen älteren Film von ihm: „The Visit“. Eine Überraschung! Ein nahezu makelloses Werk! Ein höllisches Vergnügen!

Die Teenager Tyler und Rebecca haben ihre Mutter überredet, ihre Großeltern besuchen zu dürfen, die sie sie nie kennengelernt haben, weil sich Mutter Loretta wegen ihrer frühen und übereilten Ehe mit ihnen überworfen hat. Diese Ehe ist inzwischen gescheitert, Vater hat eine Neue und ist über alle Berge. Obwohl die Kids wohlgeraten sind und Loretta gut alleine mit ihnen klarkommt, hat sie den Kontakt zu ihren Eltern seither eisern vermieden.
So fahren der extrovertierte Tyler und seine oberschlaue große Schwester aufs Land, um die Oldies zu besuchen, während Loretta mit ihrem neuen Lover eine Kreuzfahrt macht. Per Skype bleiben sie in Verbindung. Außerdem filmen die Kinder den gesamten Ausflug mit ihrem Smartphones und einer zusätzlichen Kamera; der gesamte Film ist als dokumentarische Montage aus diesen Aufnahmen erzählt (ein sogenannter Found-Footage-Film).
Tyler und Rebecca erleben verstörende Dinge. Sie beruhigen sich damit, dass das Greisenalter ein beschwerlicher und mitunter etwas peinlicher Lebensabschnitt ist. Doch dann begeht Tyler den Fehler, das seltsame Verhalten der Alten mit der Kamera erforschen zu wollen … Weiterlesen

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Orchestrated Right – Die besten Arrangements, die ich kenne (3)

„Im großen Wartesaal des Lebens“
Text und Musik: Günter Neumann
Arrangement: Werner Eisbrenner

Es gilt als ausgemacht, dass sich die deutsche Kulturnation von der Gleichschaltung durch die Nazis rein qualitativ nie wieder erholt hat. Die systematische Ermordung und Vertreibung ausgerechnet jüdischer, homosexueller und unangepasster Künstler fügte ganz besonders dem Musikleben schweren Schaden zu.
Unmittelbar nach Kriegsende und bevor „Opas Kino“ mit seinen Klamotten und Heimatfilmen diese These nach Kräften untermauerte, tut sich im Film ein kurzer Limbo auf, der etwas anderes  nahelegt: es waren durchaus noch ein paar sehr fähige Künstler übriggeblieben, doch die haben es vorgezogen, ihre Ambitionen wie ein beschämendes Geheimnis zu hüten.

Im Trümmerfilm „Berliner Ballade“*, einem Kabarett-Musical, singt Tatjana Sais im Off ein Chanson, während die heraufbeschworenen Metaphern im Bild aufscheinen. Der titelgebende „große Wartesaal des Lebens“ ist ebenso zu sehen wie die vielen Wartenden in unterschiedlichsten Lebenslagen: das durstige Baby, der Jäger auf der Pirsch, der Gefangene, die Streikenden … Dazu spielt ein Sinfonieorchester, deren Blechbläser so betörend und mitreißend jazzen, wie man es im deutschen Film nicht wieder gehört hat – weder vorher noch danach. Die Begleitung unterstreicht oder konterkariert das Gesungene und Abgebildete, das einander wiederum abwechselnd  unterstreicht oder konterkariert.
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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2017/06/19/die-schoensten-filme-die-ich-kenne-30-berliner-ballade/
und https://blog.montyarnold.de/2018/01/28/der-song-des-tages-3

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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