Jenseits der Mauer des Horrors

betr.: 102. Geburtstag von Robert Bloch 

„Robert Bloch hatte das Herz eines kleinen Jungen. Es stand in einem Glas auf seinem Schreibtisch.“ (populäres Gerücht)

Als Teenager war Robert Bloch ein Brieffreund von H. P. Lovecraft*. Später war er befreundet mit Buster Keaton, Boris Karloff und Fritz Lang. Er war der Autor hunderter Horror-Kurzgeschichten und von vierundzwanzig Romanen. Stephen King nannte ihn den „Dealer mit dem besten Stoff“. Bloch versorgte Hollywood in den sechziger Jahren mit Drehbüchern für TV-Serien wie „Alfred Hitchcock präsentiert“ oder „Raumschiff Enterprise“ und gehörte zu den Drehbuchautoren von William Castle. Für uns heute ist er vor allem der Autor von „Psycho“.

Ein Junge, der Geschichten liebt

Robert Bloch kam am 5. April 1917 als Sohn des Bankangestellten Raphael Bloch und der Lehrerin und Sozialarbeiterin Stella Loeb Bloch in Chicago zur Welt. Seine Großeltern stammten väterlicherseits aus Darmstadt, mütterlicherseits aus Elsass-Lothringen. Der extrovertierte Schüler wurde zwei Klassen hochgestuft, was seine schmächtige Erscheinung noch besser zur Geltung und ihn um das letzte Ansehen seine Mitschüler brachte. Weiterlesen

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Die schönsten Comics, die ich kenne (27): „Medizinische Missverständnisse“

„Zio Paperone e la ‚triàca veneziana'“, erstmals in „Topolino“ Nr. 802 / 11.4.1971, Story: Abramo und Giampaolo Barosso, Zeichnungen: Massimo De Vita, deutsch in „Micky Maus“ 8 – 11/1974 sowie im „Donald Duck Sonderheft“ Nr. 103 / 1989, übersetzt von Dr. Erika Fuchs und (um eine Szene gekürzt und von 3 auf 4 Zeilen ummontiert, mit geänderter Pointe) als „Das Allheilmittel“ in LTB 33 „Ein Milliardär hat’s schwer“ vom 14.4.1975, übersetzt von Gudrun Penndorf.

Onkel Dagobert ist entsetzt, als man ihm nach einem Gesundheitscheck eine Unmenge Medikamente verschreibt. Der Arzt erzählt ihm von einem antiken Allheilmittel – und Dagobert hört die Kasse klingeln. Er besucht Onkel Primus, den Gelehrten der Familie, der tatsächlich das Rezept für dieses Wundermittel in seinen Unterlagen findet. Doch Dagoberts Freude währt nur kurz: die Liste verlangt nach haarsträubenden Zutaten wie Drachenblut, Wolfsmilch und zerstoßenen Schusternägeln. Er lässt seine Neffen Gustav und Donald in einen Wettbewerb treten: wer die geheimnisvollen Zutaten als erster auftreibt, dem winkt eine Belohnung. Weiterlesen

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Die Hinterlegten

betr.: Iffland-Ring für Jens Harzer (SPIEGEL 14 / 2019)

Sie werden das wissen: der verstorbene Bruno Ganz hat den Iffland-Ring an Jens Harzer weitergegeben. Der hat nun – wie jeder Träger dieser Auszeichnung – drei Monate Zeit, einen Nachfolger zu bestimmen und in einem offiziell hinterlegten, geheimen Brief zu vermerken. Bruno Ganz hat den Ring 23 Jahre lang besessen, also seit jenem Jahr, in dem er mit Jens Harzer auf der Bühne zusammentraf: in „Ithaka“ von Botho Strauß, ihrer einzigen gemeinsamen Arbeit.

Als dies in den letzten Tagen die Runde machte, lief die ganze weihevolle Zwickmühle dieser Prozedur wie ein Einakter vor meinem inneren Auge ab: Bruno Ganz empfängt die Ehrung, damals in den seligen 90ern, und muss sich zügig festzulegen. Einerseits ist das einleuchtend – denn es könnte ihm ja etwas zustoßen, und dann bliebe das Schmuckstück unvergeben. Andererseits würde man sich für den Ritterschlag zum „bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters“ doch gern ein wenig Zeit lassen. Weiterlesen

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Die Marvels wie sie wirklich waren: Spider-Man (2)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier wiederzugeben.

Die erstaunliche Spinne (Spider-Man) (Fortsetzung vom 26.3.2019)
von Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/

Nuff Titelseite 03_Spider-Man

Die Williams-Version: „Die Spinne“ Nr. 1

Inhalt der deutschen Nummer 1: Noch vor der eigentlichen Story gab’s für die Williams-Leser auf dem Innenumschlag – wie bei allen Erstausgaben vom Januar 1974 – ein extra für die deutschen Fans verfasstes Vorwort von Stan Lee.
Auf Seite 1 verwendete man als Überschrift den Williams-„Die Spinne“-Schriftzug mitsamt seinem Netzhintergrund. Der kleine Spider-Man daneben wurde vergrößert nach rechts versetzt. Gelettert wurde noch nicht von Hand, man verwendete einen Maschinensatz, der einer Handschrift sehr ähnlich war, sozusagen ein „Pseudo-Lettering“, vergleichbar mit dem in den „Andy Morgan“- und „Bruno Brazil“-Alben des Bastei Verlags verwendeten Schriftsatz. Die Kolorierung unterscheidet sich deutlich von der Farbgebung des „Amazing Fantasy“ # 15-Nachdrucks bei Marvel Deutschland, vor allem bei der Kleidung. Das von Williams verwendete Papier war ziemlich grob, dafür war der Umschlag, ähnlich wie bei den späten Hit Comics, von guter Qualität, auch wenn die Umschläge der Hit Comics etwas dicker und somit stabiler gewesen waren. Die Seitenzahlen wurden neu gesetzt, einmal innerhalb der Panels von Hand, jeweils im letzten Panel am äußeren Heftrand, und zusätzlich noch einmal unterhalb der gezeichneten Seiten. Die „Macher“ Stan Lee und Steve Ditko verewigten sich auf der ersten Seite, was im Panini-Nachdruck, ebenso wie die laufende US-Nummer der Geschichte „V-789“, nicht mehr vorkommt.* Weiterlesen

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London Pride

betr.: Das Hörbuch „Rebecca“ von Jens Wawrczeck

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Es mag uns heute ein wenig flapsig vorkommen, aber die Karriere des Jahrhundertschauspielers Laurence Olivier nahm auch in seiner Heimat erst richtig Fahrt auf, als er beim Film groß rauskam: seine Hauptrolle in „Wuthering Heights“ machte ihn 1939 nicht nur in Hollywood schlagartig berühmt – und weckte das Interesse des Produzenten David O. Selznick; auch in seiner Heimat, am Londoner West End erhöhte sich sein Marktwert.
Selznick gab Olivier einen Siebenjahresvertrag, und sogleich wurde er in ein Projekt involviert, in dem er sich unter der Regie eines anderen frisch eingebürgerten Engländers wiederfand: in Alfred Hitchcocks „Rebecca“. Oliviers Gattin Vivien Leigh, die gerade in „Vom Winde verweht“ gewirkt hatte, war als Darstellerin der namenlosen Heldin und Ich-Erzählerin in „Rebecca“ im Gespräch, der größeren und wichtigeren der beiden Hauptrollen. Selznick ließ sie vorsprechen, aber das hatte nicht viel zu sagen, denn er war entschlossen, aus der Suche nach seiner Heldin eine ähnlich publicityträchtige Aktion zu machen, wie er es schon bei „Vom Winde verweht“ getan hatte Weiterlesen

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Literarische Emigration – Wie übersetzt man „knig und knag“?

betr.: 105. Todestag von Christian Morgenstern

Im Zusammenhang mit Dr. Erika Fuchs und ihrer Übertragung wichtiger Disney-Eigennamen in unsere Popkultur sind uns Vokabeln wie Uncle Scrooge = Onkel Dagobert oder Duckburg = Entenhausen geläufig. Am Beispiel von Christian Morgenstern (der seinerseits den „Peer Gynt“ ins Deutsche übersetzt hatte) wollen uns einmal die umgekehrte Richtung anschauen. 1953 erschien im Insel-Verlag eine englische Übersetzung von dessen „Galgenliedern“, die A. E. W. Eitzen zu „The Gallows Songs“ umdichtete.
Ehe Eitzen an die Lyrik herangehen konnte, musste oder wollte er sich anglophone Namen für die Figuren, Örtlichkeiten und Verschiedenes ausdenken: Weiterlesen

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Mumienhorror in Washington

betr.:  Die sechste Staffel von „House Of Cards“ liegt auf DVD vor.

Es wird zur Zeit gern vergessen, aber die plötzliche Eliminierung von Hauptdarsteller Kevin Spacey aus der somit finalen Staffel von „House Of Cards“ ist nicht die erste derartige Notlage für die Autoren einer Serie oder eines Films. Es wimmelt von historischen Beispielen, in denen Verantwortliche und Autoren auf plötzlich verstorbene oder wegen zu hoher Gagenforderungen geschasste Darsteller reagieren mussten. Auch Skandale hat es schon zuvor gegeben. Anfang der 90er hörte eine sehr beliebte Serie einfach auf, nachdem die Figuren in der letzten Folge eine Vielzahl von schrecklichen Unfällen erlitten. (Der Produzent rächte sich damit an seinen geldgierigen Schauspielern.) Das war irritierend, aber wenigstens ein Ärgernis mit Unterhaltungswert.

„House Of Cards“ erspart uns solche Kalamitäten: müder, fahriger und uninspirierter habe ich noch nie eine Produktion auf den personellen Einbruch der Wirklichkeit regieren sehen. Es gibt nur noch die berüchtigten „Bilder von sprechenden Menschen“, vor denen Hitchcock immer gewarnt hat: Weiterlesen

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Der fluchbeladene Liebling

betr.: 80. Jahrestag der Frankreich-Premiere von „Son Of Frankenstein“* / Colin Clive

“Son Of Frankenstein” war 1939 der dritte Beitrag der Universal zu der klassischen Filmreihe, die aus dem Sensationserfolg „Frankenstein“ von 1931 erwachsen war. Das Monster, das ihn zum Star gemacht hatte (und umgekehrt), spielte Boris Karloff hier ein letztes Mal, aber er sollte noch in weiteren Filmen mitwirken, die diese Figur ausbeuteten und sie auf der Bühne noch erfolgreich parodieren. Nicht mehr mit von der Partie war der quasi titelgebende Mitwirkende selbst: der Schauspieler Colin Clive alias Dr. Frankenstein.
Er war im Jahr vor Beginn der Dreharbeiten gestorben, am Morgen des 25. Juni 1937 im „Cedars Of Lebanon Hospital“, früh dahingerafft von Tuberkulose und jahrelanger Alkoholsucht. In der Stunde seines Todes, der Erlösung von einem langen Martyrium, war nur das Pflegepersonal an seiner Seite.
Colin Clive hatte sich in der Army eine Beinverletzung zugezogen, die nie mehr richtig verheilt war, und seine gesamte Laufbahn als Schauspieler in England, New York und Hollywood in der Angst vor einer Amputation erlebt.

Cilves Begräbnisfeier am Venice Boulevard wurde von Beobachtern mit einer Gala-Filmpremiere verglichen: 300 Trauergäste – Starlets, Schauspieler und Agenten, Regisseure und Produzenten – besuchten die „Colonial Mansions“, die mit ihrem Prunk den Landsitz Tara aus „Vom Winde verweht“ vorwegnahmen.
Clive wurde im „Rosedale Krematorium“ eingeäschert, doch niemand fühlte sich danach für ihn zuständig – auch seine entfremdete Ehefrau in England nicht, die einen Kranz geschickt hatte. So verschwanden die sterblichen Überreste des Schauspielers vermutlich im Keller des Beerdigungsinstituts, das 1969 aufgelöst wurde. Zu diesem Zeitpunkt lagerten dort einige hundert vergessene Urnen. Sie wurden in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Sollte sich die Asche von Colin Clive unter ihnen befunden haben, hätte das seinem berühmtesten Part – dem „gottlosen“, „verrufenen“, „verhassten“ Wissenschaftler – bestens entsprochen.

Colin Clive Kaminbild
Fast so verfemt wie seine Traumrolle, aber immerhin unvergessen: Colin Clive über dem Kamin in „Son Of Frankenstein“. (Screenshot aus der DVD-Box „Frankenstein: Monster Classics (Complete Collection)“, Universal Pictures Home Entertainment)

In „Son Of Frankenstein“ immerhin wird der Verblichene in Handlung und Dekoration intensiv heraufbeschworen: Weiterlesen

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Der Song des Tages: „A Boozehound Named Barney“

betr.: 78. Geburtstag von Alf Clausen

Absurd aber wahr: heute hat es weder mit der Qualität noch mit der Relevanz oder der Beliebtheit einer TV-Serie zu tun, ob sie tatsächlich im Fernsehen ausgestrahlt wird oder ob sie sich ihr Publikum auf neueren Medien suchen muss. Insofern sind „The Simpsons“ einmal mehr etwas Besonderes: die Serie ist überaus hochwertig – obwohl im 28. Jahr ihres Bestehens viel von ihrer Frechheit naturgemäß in untadelige Routine übergegangen ist -, und sie läuft fast ebensolange ununterbrochen in unserem linearen TV-Programm, seit Jahren fast täglich.

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Einer der Gründe für diesen Erfolg und derjenige, der am wenigsten bewusst wahrgenommen wird, ist die Leistung ihres Generalmusikdirektors. Bis vor zwei Jahren war das Alf Clausen, der alle Hände voll zu tun hatte. Der parodistische Ansatz des Formates bezog sich nämlich nicht nur auf amerikanische Neurosen, Filmklassiker und prominente Gäste, sondern auch auf praktisch jede Art von Musik: Weiterlesen

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Die schönsten Hörspiele, die ich kenne (7): „Die Strafe“

„Die Strafe“, Hörspiel nach der Erzählung „Zum Tode verurteilt“ von Guy de Maupassant – mit Wolfgang Brunecker, Marylu Poolman, Wolfgang Sörgel, Christa Lehmann, Werner Schoch u.a., Bearbeitung: Jochen Hauser, Regie: Walter Niklaus, Rundfunk der DDR 1975 (53 min.)

Im kleinen Fürstentum Monapossa wird ein etwas tumber junger Mann zum Tode verurteilt, der aus einem nichtigen Grund seine Frau erschlagen hat. Als den Behörden klar wird, wie teuer es wäre, aus dem benachbarten Frankreich eine Guillotine kommen zu lassen, wird der Delinquent zu lebenslänglicher Haft begnadigt, doch das geht auf die Dauer noch mehr ins Geld. So zieht man den Bewacher ab und öffnet die Zellentür, um dem Burschen freien Abzug zu ermöglichen. Doch er bleibt. Weiterlesen

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