Wo nie ein Taktstock zuvor gewesen ist – Der Filmkomponist Bernard Herrmann (14)

betr.: 59. Jahrestag des Starts der Serie „The Twilight Zone“ / Musik für „The Twilight Zone“ (3/3)

Fortsetzung vom 19.9.2018

In den Sommern 1962 und ’63 arbeitete Bernard Herrmann an seinen letzten drei Beiträgen für „The Twilight Zone“.
„Little Girl Lost“ (Folge 91 vom 16. März 1962) handelt von einem Mädchen, das im Haus seiner Eltern in eine andere Dimension hineinstolpert. Eine fieberhafte Rettungsaktion beginnt …
Der Plot wurde etwas später unter dem Titel „Poltergeist“ zu einer erfolgreichen Filmreihe verarbeitet. Von der Musik war Buck Houghton so angetan, dass Herrmann diesmal sogar einen Credit im Vorspann bekam.

In „Living Doll“ (Folge 126 vom 1. November 1963) ist ein Familienvater eifersüchtig auf die Puppe seiner Tochter. Er will sie loswerden, doch das Biest wehrt sich …  Weiterlesen

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The Nature Of The Beast

betr.: 78. Geburtstag von Richard Corben*

Unbeirrbar hält die deutsche Wikipedia am 1. November als dem Geburtstag des bahnbrechenden Comic-Künstlers Richard Corben fest. So ist unsere erheblich kleinere Verlautbarung eben vier Wochen früher damit dran, den Meister pünktlich hochleben zu lassen. Hier und heute nur der Hinweis, dass Corben im nächsten Januar dem „Festival International de la Bande Dessinée d’Angoulême“ als Jury-Präsident gegenwärtig sein wird.

Aussergewöhnliche Welt des Richard Corben
So kennen wir es. (Volksverlag 1980)

„Die aussergewöhnliche Welt des Richard Corben“ erschien einst im „Volksverlag“ – nur einer von vielen Verlagen, die Corben hierzulande publiziert haben, aber sicherlich der wichtigste und verdienstvollste. Es sollte 33 Jahre dauern, bis ich und der Rest des deutschen Publikums die Pointe des Gemäldes auf der Titelseite verstehen konnten. Weiterlesen

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Wo nie ein Taktstock zuvor gewesen ist – Der Filmkomponist Bernard Herrmann (13)

betr.: Musik für die Serie „The Twilight Zone“ (2/3)

Fortsetzung vom 19.9.2018

Nach dem Pilotfilm betreute Bernard Herrmann noch sechs weitere Episoden der „Twilight Zone“, verteilt über die gesamte Laufzeit der Serie.

In „The Lonely“ (Folge 7 vom 13. November 1959) muss ein Sträfling seine Zeit auf einem menschenleeren Asteroiden absitzen. Eines Tages wird ihm ein weiblicher Androide als Gesellschaft zugeteilt, mit dem er eine Liebesbeziehung beginnt. Doch das Ende ist gewissermaßen programmiert …
Herrmanns Musik etabliert schon zu Beginn sowohl das fantastische Element der Story als auch die Liebesgeschichte. Der mechanischen Braut wird ein 4-Ton-Trompetenmotiv gewidmet, das Liebesthema „The Stars“ verweist auf das große Vorbild Charles Ives.

„Walking Distance“ (Folge 5 vom 6. November 1959) gilt – inhaltlich wie musikalisch – als Highlight der Serie:  ein gestresster Geschäftsmann nutzt eine Autopanne, um einen Spaziergang in seinen nahegelegenen Geburtsort zu machen. Er findet diese Kleinstadt so wieder, wie er sie gekannt hat und trifft sich selbst als Zwölfjährigen …       Weiterlesen

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Der Song des Tages: „Babette“

betr.: 76. Geburtstag von Madeline Kahn

Madeline Kahn hat ihr Können* in einer Reihe von Filmauftritten verewigt, doch ein Gutteil ihrer Glanzleistungen fand auf der Bühne statt, in einem Medium also, das zu ihren kurzen Lebzeiten noch vollkommen flüchtig war. Am Broadway hat sie zum Beispiel in Cy Colemans nostalgischem Musical „On The 20th Century“ die Hauptrolle gespielt. Immerhin und glücklicherweise war es üblich, jedes Broadway-Musical (selbst auf die Gefahr eines Misserfolgs hin) als Cast-Recording für die Nachwelt zu konservieren und auf Schallplatte zu pressen. Etwa drei Tage nach der Premiere wiederholte das Ensemble die wichtigsten Gesangsnummern noch einmal im Studio. Mitunter haben sich diese Platten sogar gut verkauft, wenn die Show niemand sehen wollte.

Auf diese Weise ist „Babette“ uns erhalten geblieben, ein Charakterchanson von Madeleine Kahn, fast mehr ein Theatermonolog als ein Lied – die Librettisten und Songtexter Betty Comden und Adolph Green haben mal wieder ganze Arbeit geleistet.

Babette startDer Spaß beansprucht 20 Seiten im Klavierauszug, was einer Länge von 4 ¼ Minuten entspricht. Es ist eine wundervolle Zeit, obwohl der Song zum Mitsingen nicht geeignet ist.

„Babette“ ist die Zusage der Diva Lily Garland, in einer W.-Somerset-Maugham-Komödie von Max aufzutreten, dem ehemaligen Büroangestellten ihres lausigen Produzenten Oscar. Zuvor hat Lily abgelehnt, für diesen die neutestamentarische Dirne Maria Magdalena zu spielen. Das alles und noch eines mehr findet an Bord des „20th Century“ statt, eines Luxus- und Hochgeschwindigkeitszuges, der in den 30er Jahren als Inbegriff der gehobenen Reisekultur galt und von New York nach Chicago nur 16 Stunden brauchte. Neben „Dames At Sea“ ist „On The 20th Century“ bis heute das musikalisch stilechteste Broadway-Nostalgiemusical ab 1968.
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* Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2018/07/22/keine-vorkenntnisse-noetig-die-wirkung-der-gelungenen-parodie-2/.

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Basteln Sie mit Stan und Ollie

betr.: „Großes Kino“, ein Stummfilmkonzert der „Symphoniker Hamburg“ in der „Laeiszhalle“

Das heutige Stummfilmkonzert bot ein filmisch fugenloses, musikalisch zweischneidiges Vergnügen.
Der Abend begann mit den Laurel & Hardy-Zweiaktern „Big Business“ und „Liberty“. Jens Troester, im Hauptberuf klassischer Dirigent, hat die Musik geschrieben, und sie wirkt, als sei er ans Werk gegangen, ohne sich die Filme zuvor überhaupt anzuschauen. Zu Beginn von „Big Business“ (einem Film über Christbaum-Vertreter im sonnigen Kalifornien) betreibt er zünftiges „Mickymousing“, d.h. er illustriert jede mimische oder gestische Kleinigkeit und bläst die noch recht harmlosen Reibereien der ersten Minuten zu großen Angelegenheiten auf (was ihn und den geneigten Zuseher gleichermaßen anstrengt). Als Kenner des Films (und es Konzeptes von Laurel & Hardy) fragt man sich, was da noch kommen soll. Weiterlesen

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Ein Hoch auf die Exfrau!

betr.: 79. Geburtstag von John Cleese

Wer sich mit dem Treiben der Komikertruppe Monty Python näher beschäftigt hat, der hat es schon lange mitbekommen: John Cleese ist nicht nur die Verkörperung des britischen, sondern auch des trockenen Humors. Er ist allem Anschein nach auch als Mensch vollständig frei von jeglicher Gefühligkeit, der Sarkasmus liegt ihm im Blut. Wenn er zur Tat schreitet, legt er noch mal eine Schippe drauf.
Komiker und Komödianten neigen im Alter allgemein zur Rührseligkeit. Sogar der hochdisziplinierte Loriot hat zuletzt wiederholt über die Verwüstungen der körperlichen Vergänglichkeit geflucht – wenn auch nur in Statements und nicht in seinem Werk, das war ja bereits abgeschlossen. Weiterlesen

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Das „Wetten dass..?“-Thema – Eine Spurensuche

betr.: 31. Jahrestag der ersten „Wetten dass..?“-Moderation von Thomas Gottschalk

Die Erkennungsmelodie von „Wetten dass..?“, so wie sie 1981 geklungen hat, als Frank Elstner die erste Folge der letzten „großen Samstagabendshow“ präsentierte (und gleich um eine Stunde überzog) war ein Ohrwurm, ein richtiger Hit, fast so unvergesslich und unverkennbar wie „Wer hat an der Uhr gedreht?“. Der Komponist war Barry Trop, der Arrangeur und Produzent Harold Faltermeier. Einer der beiden Herren (vermutlich Arrangeur Faltermeier) hat sich dabei von einem Vorbild leiten lassen. Der unwiderstehliche Drive der Aufnahme lebt von einem Groove, den wir exakt genau so ein Jahr zuvor in „Xanadu“ gehört haben, einem skurrilen Spätwerk des klassischen Musical-Stars Gene Kelly. (Vermutlich ist es ein alter Drumcomputer, der die ploppenden Soundeffekte erzeugt …) Im letzten Akt führt Kelly auf Rollschuhen ein ebenfalls rollendes Tanz-Ensemble an, und dazu läuft „Drum Dreams“ von Jeff Lynne und seinem „Electric Light Orchestra“. Der Titel ist auf der B-Seite der zweiten aus „Xanadu“ ausgekoppelten Single „I’m Alive“ zu hören und fehlt sowohl auf der Soundtrack-LP als auch auf der Wiederveröffenlichung auf CD. („ELO“ liebte es, seine Fans mit B-Seiten zu necken, die nicht auf dem Album zu finden waren.)

Leider hat Harold Faltermeier seine Version von „El Gato“ – wie der Titel mit bürgerlichem Namen heißt – nicht veröffentlicht, sondern nur eine andere Version auf Single produziert. Diese Aufnahme von Pepe Lienhard ist in Tempo und Arrangement grundverschieden, und die besondere Magie der Fernseh-Ouvertüre bleibt (ohne das klangliche Vorbild aus „Xanadu“) aus.

El Gato
Die Special Edition für Nicht-Fernseher: „El Gato“ auf dem Schallplattenmarkt. Sie stammte von Pepe Lienhard, der 30 Jahre lang das Begleitorchester von Udo Jürgens anführte. Weiterlesen

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Ricardo Rinaldi – Ein Weltbürger in Fuxholzen

betr.: 48. Jahrestag der Veröffentlichung des Comics „Die beste Versicherung ist der Colt“, Teil 1/2 aus der Serie „Tom und Biberherz“ von Ricardo Rinaldi

Wer in den 70er Jahren Kind war, erinnert sich vermutlich der feschen Zeichnungen von Ricardo Rinaldi: die Süßigkeiten der Firma Storck waren in winzige Comics und Cartoons um den fetten, pinkfarbenen Bären Schleck und seine Freunde eingewickelt. Ich sammelte diese kleinen Kunstwerke mit Begeisterung und zerstörte sie allesamt, als ich eines Tages auf die Idee kam, sie zu bügeln. Da sie mit einer dünnen Wachsschicht überzogen waren, klumpten sie unter der Hitze des Bügeleisens zu einem wertlosen, grauen Brettchen zusammen. (Was aus meinen Schleck-Daumenkinos geworden ist, weiß ich nicht mehr …)

Ricardo Rinaldis Kunst ist glücklicherweise nicht komplett aus meinem Regal verschwunden, denn in der glanzvollsten Phase des langlebigen Magazins „Fix und Foxi“ – um das Jahr 1970 herum – gehörte er zum Team, zeichnete die Geschichten der Titelhelden, außerdem die Westernserie „Tom und Biberherz“ und schuf sogar eine eigene Reihe: „Die Pichelsteiner“. Rinaldi gab den kleinstädtischen Füchsen – rothaarig wie er selbst – und ihrem Ensemble etwas Cooles, Weltläufiges. Den hochmögenden Taugenichts Lupo, den heimlichen Star der Heftreihe, hat er sogar besser verstanden als jeder andere Kauka-Künstler.
„Man sollte erst Funnies zeichnen, wenn man perfekt realistisch zeichnen kann!“ lautete einer seiner ehernen Grundsätze.

FF 1974
Drei „Fix und Foxi“- Titelseiten von Ricardo Rinaldi aus dem meiner Meinung nach besten aller Jahrgänge 1974. (Kauka / Promedia Inc.)

Ricardo Rinaldi wuchs in Mailand auf und konnte sich bereits als Zehnjähriger Weiterlesen

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Zu Hellas Entzücken

betr.: Aufzeichnung des „Comic Talk“ mit Hella von Sinnen und Gästen

Je nach Zählweise fand soeben im Kölner „Theater 509“ im Kölner „Bürgerhaus Stollwerck“ der 10. bzw. 12. Comic-Talk statt, wie stets moderiert von Hella von Sinnen, die offen zugibt, erst recht spät zur Comic-Kennerin mutiert zu sein. Nach der unbefangenen Lektüre „Lustiger Taschenbücher“, die damals zum Standardprogramm so vieler Kindheiten gehörte, verschwand die Neunte Kunst wieder aus Hellas Leben, bis sie vor einigen Jahren durch einschlägige Moderationstätigkeiten wieder an sie herangeführt wurde. Unterdessen sind die Comichefte aus unserem Blätterwald verschwunden. An ihre Stelle sind längere Geschichten für ein reiferes Publikum getreten, die Graphic Novels. Und die haben in Hella von Sinnen eine begeisterte Leserin und Botschafterin gefunden.
Klassiker wie der kürzlich im Talk behandelte „Valerian und Veronique“ oder der diesmal mit „Schatten auf dem Grab“ präsentierte Richard Corben* sind also noch Neuentdeckungen für sie, ebenso „Spirou und Fantasio“, die nun erstmals ein deutsches Abenteuer erleben.

Hella+RalfBremst bekanntlich auch für Männer: Hella von Sinnen mit Zuschauer Ralf König. Weiterlesen

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Noch’n guter Vorsatz

Einige der seltsamen Angewohnheiten, die zusammengenommen wohl ein Gutteil unserer Verschrobenheit ausmachen, gehen auf gutgemeinte Maßnahmen zurück. Wir haben sie uns einst zugelegt, um uns zu optimieren, unsere Lebenstüchtigkeit aufzupeppen. Mehr oder weniger rasch haben wir bemerkt, dass die jeweilige Methode nichts nützt – wir haben nicht abgenommen, sind nicht hübscher, schlagfertiger, ökologischer und fitter geworden, haben den Nahost-Konflikt nicht begriffen, nicht mehr Sex gehabt, unseren Freundeskreis oder unser Vermögen nicht vergrößert.
Aber die Mittel und Wege, diese Fortschritte zu erreichen sind uns geblieben. Sie müssen uns in ihrer Sinnlosigkeit ans Herz gewachsen sein, obwohl sie hin und wieder sogar Zeit kosten. Sie haben sich zu Ritualen gewandelt. Und Rituale haben etwas Tröstliches.
Wir denken, es schadet ja nichts. Und das ist gar nicht immer richtig. Es ist sogar sehr oft so, dass dummen Ratschläge und allzugute Vorsätze mehr schaden als sie nichts nützen!
Ich habe mir nun vorgenommen, von Zeit zu Zeit mit einer dieser Unsinnigkeiten zu brechen. Ich fange heute damit an. Und zwar mit dir!
Auf Wiederhören!

Cadwiller Olden, „Der Minutendieb“

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