Zeitalter der Comic-Kunst (2): The Golden Age

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier wiederzugeben.

Das Pre-Golden Age (1933 – Mai 1938)

1933 erschien das erste Comic Book, das mehr oder weniger zum „Golden Age“ gezählt wird: „Funnies On Parade“. Ähnliche Titel wie „Famous Funnies“, „New Fun Comics“ und „More Fun Comics“ folgten, bis im März 1937 die Nummer 1 der „Detective Comics“ erschien. In dieser Reihe sollte später ein gewisser „Dunkler Ritter“ namens „Batman“ für Furore sorgen.

Das Golden Age (Juni 1938 – 1945)

Den wirklichen Beginn des „Goldenen Comic-Zeitalters“ läutete ein aus dem Weltraum stammender menschenähnlicher Superheld mit seiner Landung auf der Erde ein. Die Vorkriegszeit schien reif für den Helden aller Helden: „Superman“, der sein wichtigstes Vorbild in der Pulp-Reihe „Doc Savage“ hatte. Jerry Siegel und sein Schulfreund Joe Shuster waren vier Jahre lang mit Ihrer Idee hausieren gegangen, ehe „Superman“ in „Action Comics“ # 1 vom Juni 1938 abgedruckt wurde (und die beiden urheberrechtlich übel ausgebootet wurden). Weiterlesen

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Das Ächzen des Geheimagenten

betr.: 121. Geburtstag des Ornithologen James Bond

Apropos James Bond – zuletzt lag es an der Pandemie, dass der Starttermin des neuen Bond verschoben wurde; im Grunde müsste dieser heiß erwartete Film längst zum dritten Mal im Fernsehen laufen. Zuvor hatte sich seine Premiere schon mehrmals aus anderen Gründen verzögert, die weniger hoher Gewalt unterlagen: Pannen bei der Produktion, künstlerische Differenzen, ausgewechselte Mitarbeiter. Schon zuvor hatte der Mythos des Agenten 007 Federn gelassen – der Charakter sei nicht mehr zeitgemäß, und da helfe es auch nichts, dass Daniel Craig ihn mit „Casino Royale“ ihn so beeindruckend neu erfunden hatte.

Überhaupt ist bei all dem Pech fast in Vergessenheit geraten, wie lautstark Craig sich schon seit Jahren über seine Rolle beklagt. Er schleppt sie wie eine Bürde mit sich herum und vermittelt den Eindruck, es wäre ein Fluch, mit diesem begehrten Job gestraft zu sein. Gewiss, auch Sean Connery hatte frühzeitig keine Lust mehr darauf – und das sah man ihm schon bei seinem vierten Auftritt deutlich an. Doch bei ihm war es eher eine „Ich habe Besseres zu tun“-Attitüde, die sich mit der Coolness des Konzeptes letztlich vertrug. Zumal ihm mit Roger Moore ein liebenswerter Witzbold nachfolgte, der uns das Agentenleben von seiner flottesten Seite zeigte.
Beim „Realismus“ eines Daniel Craig spürt man förmlich, wie ungemütlich und gesundheitsschädlich seine Einsätze sind. Aller Trickfilmerei zum Trotz ist es offensichtlich verdammt hart, ein harter Hund zu sein. Wenn der Schauspieler dann in Interviews darüber klagt, schon wieder trainieren und Diät halten zu müssen, um einen dieser Filme zu machen, kann sich gerade der männliche Fan nicht mehr so recht freuen, wenn ihm endlich das Ergebnis präsentiert wird.
Das Dilemma von Daniel Craig ist auch das seiner Zeit: die Leichtigkeit, die einst die vornehmste Pflicht des Popcorn-Kinos darstellte, ist nicht mehr angesagt. Es hat aber auch mit den Stars zu tun. Irgendwann wollte dann ein gewisser Robert De Niro dafür beklatscht werden, wie wacker er für seinen neuen Film zu- und wieder abgenommen hat. Das ist inzwischen gut 40 Jahre her. Das Ethos eines Filmstars hätte es noch zu Connerys Bond-Zeiten niemals zugelassen, dem Publikum privat etwas vorzustöhnen.

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Zeitalter der Comic-Kunst (1): The Platinum Age

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier wiederzugeben.

The Marvel Age Of Comics

Um die verschiedenen Phasen der amerikanischen „Comic-Zeitalter“ zu verstehen, ist eine Übersicht unerlässlich. Meistens wird vom sogenannten „Golden Age“ oder „Silver Age“ gesprochen, doch was steckt dahinter?

Das Platinum Age (1897-1932)

Mit „The Yellow Kid in McFadden’s Flats“ von Richard F. Outcault erschien 1897 das bis heute älteste und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erste Comic Book in den USA. Herausgegeben wurde der Sammelband zuvor erschienener Zeitungsstrips der „New York World“ vom Verlag Dillingham Co. Trotz seines Alters ist „Yellow Kid“ aber weder das teuerste noch begehrteste Comic Book, obwohl das gelbgekleidete Kind durch den gleichnamigen Comic-Award unvergessen bleibt. In den Jahren bis 1932 folgten u.a. Titel wie „Buster Brown And His Resolutions“ (1903) ebenfalls von Richard F. Outcalt und die heute bekannten „Katzenjammer Kids“ (1903) von Rudolph Dirks, sowie Winsor McCays „Little Nemo“ (1906). Das erste „Mickey Mouse Book“ erschien 1930 bei Bilbo & Lang und war gleichzeitig der erste Comic-Titel, den Disney in Lizenz vergab. Ein weltbekannter spinatfutternder Seemann namens Popeye aus der Feder von Elzie C. Segar kam 1931, drei Jahre nach seinem ersten Auftauchen in „Thimble Theatre“ (einem Ersatzzeitungsstrip für die bis 1919 laufenden „Minute Movies“ von Ed Wheelan), in Comic Book-Form auf den Markt. Schnell hatte sich die Figur zum eigentlichen Helden einer bereits seit Jahren bestehenden Truppe aus Ham Gravy, Olive Oil und deren Bruder Castor gemausert, so dass der Titel schließlich „Thimble Theatre starring Popeye“ lauten musste (Sonnet Publications 1931). Zwei weitere Comic-Titel läuteten das Ende des Platinum Age ein: „Detective Dan“ und „Adventures Of Detective Ace King“, beide erschienen ab 1933 bei Humor Publ. Co. und waren die ersten über Zeitungskiosks vertriebenen Comics.

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Geliebte Stimmen (7): Marianne Wischmann

Die besten Vorbilder für Charge und Trickstimme

Zu dieser Serie siehe https://blog.montyarnold.de/2020/12/08/17126/

Über die Schauspielkarriere der jungen Marianne Wischmann (1921-2009) in Hamburg und München weiß ich nur Stichworte. Das einzige Mal, das ich ihr zusehen konnte, war Anfang  1978 in einer der allerersten Folgen von „SOKO 5113“ als Edel-Gangsterin. (Diese Serie ging erst vor wenigen Tagen unter dem geänderten Titel „Soko München“ zuende.)
Um sich die Qualität vor Ohren zu führen, für die Marianne Wischmann von meiner Generation geliebt wird, muss man sich an ihre populärsten Rollen erinnern: „Miss Piggy“ in „Die Muppet Show“ (1977-82) und die Nachbarin „Raquel Ochmonek“ in „Alf“ (1988-91). Sie klang wie der Inbegriff der resoluten Gouvernante (an weiblichen Vorgesetzten-Rollen mangelte es noch in jener Zeit) und war umso komischer, je strenger sie ihre Figuren anlegte.
Ihre Ausflüge in die Leichte Muse werden im Wischmann-Eintrag des „Lexikons der Synchronsprecher“ ganz unten als „Kabinettstückchen“ abgetan, waren aber so wirkungsvoll und unvergesslich, dass ich immer einen Augenblick brauche, um sie als ernste Schauspielerin am Mikrofon angemessen zu schätzen, etwa in ihrem Auftritt in „Die Strohpuppe“ (1963) als Stimme von Gina Lollobrigida.*
Ich habe Eberhard Storeck einmal gefragt, wie die Dame denn so gewesen sei. Er sagte mit einem deutlichen Unterton der Anerkennung: „Sie war eine Männer-Verschlingerin!“ Wie wir von ihrer Rolle als glückloser Ameisenbär „blaue Elise“ in „Der rosarote Panther“ (1973-75) wissen, war sie auch in der Verhinderung dieses Ansinnens einfach umwerfend.
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* … oder diese hier: https://blog.montyarnold.de/2020/07/13/beruechtigt-als-hoerbuch/

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Jan Hofer hat aufgeräumt

betr.: der WDR 5-Rückblick auf das Liedgut der und zur  Pandemie

Das TV-Silvesterprogramm war diesmal derartig live und zum Abschalten (wo waren die ganzen schönen alten Filme?), dass ich aufs Radio umgeschaltet habe. Das erwies sich als einer dieser Kollateralnutzen, die sich in der Krise gelegentlich auftun.
WDR 5 sendete kurz vor Mitternacht die mit Abstand witzigste Medien-Stunde des Jahres: eine Aufbereitung des Themas „Chansons zu Corona“. Das Kernstück der Sendung war eine Hitparade aus Liedern, die vor einem Jahr – aus inhaltlichen wie logistischen Gründen – gar nicht gegangen wären. Die lange versunkene Kunst des Novelty-Songs ist endlich wieder da, und sie vereint sagenhafte drei der vier klassischen deutschen Chanson-Gattungen: volkstümlich / lyrisch / politisch! Außerdem wird viel parodiert und gecovert. Seit 50 Jahren – den goldenen Zeiten der Blödelbarden – hat deutsches Liedgut nicht mehr solchen Spaß gemacht (im Gegenteil!). Meine kulturpessimistische Seele wird entschädigt für viele pflichtbewusste Stunden am Lautsprecher mit der „Liederbestenliste“ und ein Dutzend „Spiegel“-Interviews, in denen heulsusige Comedians versuchten, gleichzeitig wacker weiterzujuxen und zwischendurch den Pegel ihrer persönlichen Betroffenheit nicht unter die angenommene Schicklichkeitserwartung rutschen zu lassen.

In dieser aufbewahrenswerten Stunde der Reihe „Unterhaltung spezial“ dürfen wir uns die rhetorische Frage stellen, was eigentlich komischer ist: Original oder Umtextung (z.B. des Liedes von der „Biene Maja“ oder der „Bohemian Rhapsody“). Zu Beginn liefert uns Michael Lohse eine solide Kultur- und Sittengeschichte des zuendegehenden Plage Year und nimmt damit schon einen Gutteil der Magisterarbeiten vorweg, die er zu diesem Thema auf uns zukommen sieht. Ganz im Sinne von Michel Houellebecqs Ausspruch vom vergangenen Frühjahr, diese Pandemie sei gleichzeitig hochdramatisch und stinklangweilig.

Nur in einem Punkt bin ich anderer Ansicht als der WDR-Corona-DJ: sein Platz 8 wären mein Platz 1, 4 und 3: das Mannheimer Liedermacherduo Mackefisch mit „Wohnzimmer“. In den besagten Magisterarbeiten müsste dieser Songtext eigentlich komplett auftauchen, in dem es zu den unzähligen Live-Schalten in prominente Stuben so schön heißt:
Zeig mir deinen ganzen Mist,
und ich sag dir, wer du bist
oder wer du gerne wärst …
Zeit, dass du das klärst.
Übrigens: die Musik dazu ist ein echter Ohrwurm.

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Die wiedergefundene Textstelle: „Überfahrt“ (54)

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Geliebte Stimmen (8): Harald Baerow

Die besten Vorbilder für Charge und Trickstimme

Zu dieser Serie siehe https://blog.montyarnold.de/2020/12/08/17126/

Ingo Baerow kam 1931 in Frankfurt / Oder zur Welt und ließ sich zunächst zum Großhandelskaufmann ausbilden. Nach dem Schauspielstudium in Berlin gab er sein Debüt am Meininger Theater. Es folgten ein Engagement am Kleist Forum in seiner Heimatstadt und die Mitwirkung in Filmen und Fernsehspielen. 1955 spielte er an der Seite von Simone Signoret im DEFA-Film „Mutter Courage und ihre Kinder“ – der Film blieb unvollendet, und so war es auch Ingo Baerow selbst. Nach einer Vielzahl zumeist kleinerer Rollen gelang ihm 1961 die Flucht in die Bundesrepublik. Hier arbeitete er weiter als Schauspieler und wurde unter dem Namen Harald Baerow in München zum Synchronsprecher. Doch die Rollen blieben winzig, und seine Unzufriedenheit wuchs. Er betätigte sich – wie auch sein erfolgreicherer Kollege Horst Gentzen – als Antiquitätenhändler.
Eberhard Storeck gab ihm noch am meisten zu tun: als Sergeant Dudu in den „Inspektor Clouseau“-Cartoons in der Trickserie „Der rosarote Panther“ (1973-76) und bei „Mr. Magoo“ (1974-76) als Hausboy Charlie – eine hinreißende Rolle, die die Flammenritter der Cancel Culture heute gleichwohl zu Fackel und Mistgabel greifen ließe.

Zwei Suchbilder – wer findet Ingo alias Harald Baerow in „A Day at the Beach“ (UPA 1960) und „Plastered In Paris“ (DePatie-Freleng Enterprises 1966)?

Selbst in den Foren der Hörspielfans ist Baerow nur wegen seiner Mitwirkung auf einigen „Biene Maja“-Cassetten verzeichnet, wo er (anders als in der TV-Serie) z.B. die Stubenfliege Puck sprach.
Ende der 70er Jahre zog sich der als liebenswürdig beschriebene Künstler aus den Ateliers zurück, um fortan am Münchner Residenztheater als Souffleur zu wirken.

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Heimatland ist abgebrannt

betr.: „Homeland“ (2011-20) / „The Wire“ (2002-08)

Gerade habe ich „The Wire“ zuendegeschaut – abermals ein Ereignis, ich bin fast neidisch auf mich selbst! Die Corona-Krise wird so bald nicht enden, aber der Fundus wirklich guter Serien ist nicht unerschöpflich. Allmählich muss ich also ein wenig haushalten. Es wäre einfach unverantwortlich, sofort mit „Mad Men“ weiterzumachen.
Ich dachte mir, „Homeland“ könnte ein solider Kompromiss sein – auch, um meine Bedürfnisse nicht in den Himmel wachsen zu lassen. „Homeland“ habe ich bis 2017 verfolgt (bis Staffel 6 von 8) – nicht zuletzt wegen des großartigen Mandy Patinkin – aber geliebt habe ich es nicht. Inzwischen  ist die Zeit (sprich: die zuendegehende US-Präsidentschaft) über die Bedrohungsszenarien der ersten Folgen bereits ein Stückchen hinweggegangen, aber für einen Test Of Time ist es andererseits noch fast zu früh.

Als ich „Homeland“ gestern startete, hatte ich bald ganz andere Sorgen. Weiterlesen

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Geliebte Stimmen (4): Monika John

Die besten Vorbilder für Charge und Trickstimme

Zu dieser Serie siehe https://blog.montyarnold.de/2020/12/08/17126/

Die stumme Version des Kängurus Adelheid auf dem Heftchenmarkt. Die in der Anzeige genannten Gast-Cartoons fanden auch in der TV-Serie statt.

Monika John (*1935) ist eine der witzigsten weiblichen Stimmen ihrer Lebensspanne, und weil sie zum festen Ensemble von Eberhard Storeck* gehörte, entstand bei mir im Kindesalter der irrige Eindruck, die Branche wäre sich über ihre Qualitäten im Klaren. Das war leider ein Irrtum. John bekam fast nur Kleinstrollen und ist mir außerhalb des Kinderfunks der 70er Jahre allenfalls für Sekunden begegnet. Die Serie „Trickfilmzeit mit Adelheid“ (1974-76), in der sie ausnahmsweise die Titelrolle (ein grünes Känguru) sprach, ist sogar völlig verschwunden, also weder als Wiederholung noch auf DVD noch im Internet wieder aufgetaucht.
In der Vorabend-Serie „Parole Chicago“ (1979) habe ich Monika John dann erst-(und letzt-)malig auch als Schauspielerin erlebt, als Mutter von Christoph Waltz – eine wirklich hinreißende Performance. Weiterlesen

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