Opus 1

Cauchemars Kinderstunde
Cauch1Fortsetzung folgt

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Filmszenen zum Davonlaufen (1): Einführende Worte

betr.: Michael Haneke / Steven Spielberg

Missglückte Filmszenen kommen in zwei Ausführungen daher. Da gibt es diese ergötzlichen Fehlleistungen, die geeignet sind, ein ansonsten geglücktes, ja makelloses Filmvergnügen zu beschädigen oder gar völlig zu versauen; vergleichbar dem törichten Fleck, der ein komplettes Gemälde ruiniert. Je nach Genre und Ambition kann solch ein Moment in der Wahrnehmung des Publikums auch zum Höhepunkt mutieren.*
Und dann gibt es die andere Sorte: den allerschlimmsten vieler schlimmen Momente. Diese sind nur der coup de grâce für ein ohnehin aussichtsloses Unterfangen, ihre unmittelbare Greifbarkeit ein erlösendes Signal für den Zuschauer, der ansonsten noch vergeblich gehofft hätte, das betreffende Machwerk möge sich zum Besseren wenden. Man kann kapitulieren, den Abend verloren geben und beispielsweise lachen, wenn schon keine Rührung erzeugt wird.
Der feine Unterschied zwischen diesen beiden Varianten ist überaus lustvoll. Weiterlesen

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Erleuchtung im Regen

betr.: „Hauptsache die Chemie stimmt“ von Bryan Cranston (Fischer Verlag)

Selbstredend ist niemand so doof, einen Schauspieler ernsthaft mit seiner Figur zu verwechseln (woll’n wir’s hoffen), aber in diesem Falle springen ein paar Gemeinsamkeiten ins Auge: sowohl Bryan Cranston als auch der von ihm verkörperte spätberufene Drogenkoch Walter White aus „Breaking Bad“* mussten jahrzehntelang hart und vergeblich vor sich hinrackern, um erst mit 50 reich und berühmt zu werden. Das hat im Falle des Schauspielers nicht nur Nachteile. Vielleicht geht es ihm ein bisschen wie Telly Savalas, der einst im (nicht ganz so reifen) Mannesalter als „Kojak“ Karriere machte und erklärte, zu diesem späten Zeitpunkt könne einem der plötzliche Ruhm nicht mehr gefährlich werden.
Am Charakter Walter White hat mich von Anfang an gefesselt, wie dieser konservative, pingelige Nerd mit seinen unscheinbaren Skills und Sekundärtugenden alle auf die Matte legt, all die jüngeren / cooleren / fieseren Latinos / Gangster / Halbstarken.
Selbstverständlich darf die Bewunderung für ihn nicht weiter gehen, als bis zu jener Folge der Serie, die Cranston gleich zu Beginn seines Buches beschreibt. So als sei hier wirklich Schluss mit lustig, distanziert er sich im Vorwege von dem Verbrechen seiner Figur, ein schlafendes Junkie-Mädchen nicht vor dem Ersticken gerettet zu haben – als drohte hier wirklich die eingangs genannte Verwechslung des Darstellers mit der Rolle.
Das war abscheulich, aber auch danach brach die allgemeine Faszination für sein Treiben nicht ab, sonst hätte die Serie ja an diesem Punkt zuende sein müssen.** Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (94): Die blaue Mappe (xxxi)

Der Inhalt dieser Mappe (2001-02) besteht aus Vorstudien zu „Sie dürfen sich jetzt küssen“ (2003) und „Dschinn Dschinn“ (2005 und 2006), welcher zunächst als „Konrad und Paul“-Band geplant war.

SCAN502_10 Weiterlesen

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Die schönsten Filme, die ich kenne (51): „Das Kuckucksei“

Der Autor und Schauspieler Harvey Fierstein (sprich Feierstiehn) ist im zeitgenössischen Musical so etwas wie der Delivery Boy für zahme Bilder aus der Welt der Subkultur, des Schrillen und Schrägen. Mit hellwacher Vorsicht sorgt er dafür, dass es dem bürgerlichen Publikum seiner von schwulen Paradiesvögeln bevölkerten Shows „La Cage Aux Folles“ und „Kinky Boots“ nicht allzu schrill und gar zu schräg wird, dass nichts von der bedrückenden Diskriminierung durchsickert, unter der diese Charaktere noch vor kaum 30 Jahren leben mussten. In „Hairspray“ wiederum wird die Rassenproblematik der amerikanischen 60er zu einem Sonntagsspaziergang der Marke „Nichts für ungut“, und die Minderwertigkeitsomplexe der molligen Heldin sowie ihre Sehnsucht im Fernsehen aufzutreten sind das entschieden größere Drama. Der letzte Rest von Subversion wurde „Hairspray“ (dem Musical, das auf einem zahmen Spätwerk von John Waters basiert) in der Verflimung ausgetrieben, als der echte Ex-Underground-Künstler und Warhol-Darsteller Fierstein, der die Mutterrolle auf der Bühne gespielt hatte, durch John Travolta ersetzt wurde. (Interessiert eigentlich noch irgendjemanden, warum John Waters für diese Rolle in seiner Urfassung nicht von vorneherein einfach eine Frau genommen hat?)

Natürlich ist Harvey Fierstein dieser Erfolg unbedingt zu gönnen, doch wer mit seinen früheren Arbeiten, mit seiner Stimme und Ausstrahlung vertraut ist, den muss drängende Trübsal anwehen angesichts all der Zuckerpampe, unter der er sich dafür hat begraben lassen – zumal er auch in seinen Anfängen nie ein Bürgerschreck gewesen ist. (Immerhin hat er es nun nicht mehr nötig, so niedere Arbeiten zu verrichten wie seine Kleinstrolle in „Independence Day“ …) Weiterlesen

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold
Im Wettbüro

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Der Song des Tages: „A Few Words in Defense Of Our Country“

betr.: 74. Geburtstag von Randy Newman

In den USA gilt Randy Newman zuallererst als Zyniker, als Spötter, der mit angemessenem Sarkasmus auf sein Land blickt. Hierzulande wird er in erster Linie als Musiker wahrgenommen. Das stimmt beides. Seit den frühen 80ern schreibt der Spross einer großen Filmmusikerfamilie Soundtracks, bereits seit den 60ern ist er Songschreiber – zunächst für andere, bald auch für den Singer-Songwriter Randy Newman. Sein erstes eigenes Album von 1968 ging noch völlig unter, dann ging es aufwärts.
Ein Musical-Komponist ist Newman seltsamerweise nicht – trotz seiner jüdischen Herkunft, obgleich er sich auf die dem Genre innewohnenden alten Musiktraditionen bestens versteht und obwohl der Rollen- bzw. Charaktersong seine bevorzugte Liedgattung ist. Unser Sprachgebrauch hält für so jemanden die Schublade des Chansons bereit, was es ganz gut trifft. Dazu passt die erwähnte Spottlust, die aus enttäuschter Liebe strömt (siehe unten). Dazu passt auch, dass man als Kabarettist nicht zwingend eine schöne Singstimme braucht, und eine solche hat Randy Newman auch nicht Weiterlesen

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Die schönsten Filme, die ich kenne (1) – Einführende Worte

Natürlich zählen auch Klassiker, Kultfilme und sogenannte Blockbuster zu den schönsten Filmen, die ich kenne, aber um die geht es hier nicht. Über „Citizen Kane“ sind vielleicht mehr Bücher geschrieben worden als über Napoleon – das finde ich lobenswert, habe diesen aber nichts hinzuzufügen. (Gewiss: wir leben in einer Zeit, in der sich die Resonanz der Meisterwerke des Kinos zunehmend auflöst, schon aufgrund der immer weiter wachsenden Menge des Materials. Und dieses muss sich die Aufmerksamkeit des Zusehers auch noch mit Katzenvideos teilen, mit Sportereignissen oder DVD-Boxen mit angesagten US-Serien.)
Diese Rubrik widmet sich also sehenswerten Filmen, über die bisher nichts oder zuwenig geschrieben wurde. Vorweg also in Kürze, worum es hier 
nicht gehen wird.

Horrorfilme

Fürchterlich gerne hätte ich ausführlich von „Rosemaries Baby“ geschwärmt, dieser Film ist nicht nur unerhört fesch mit seinem Sixties-Look und seinen Technicolor-Farben, er liefert auch die Erklärung dafür, warum sich unsere Welt in einem so chaotischen Zustand befindet. Aber das tut ein Kabarett-Programm von Volker Pispers auch (obwohl es mich im Gegensatz zum wahrhaft beglückenden Entsetzen, das Polanski mit seinem Film verbreitet, einfach nur runterzieht). Weiterlesen

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Gute Kinderstube

betr.: 95. Geburtstag von Charles M. Schulz

„Unglücklicherweise haben wir Cartoonisten die Aufmerksamkeit des Publikums immer nur für sehr kurze Zeit“, klagte Charles M. Schulz, Vater der „Peanuts“. „Ich habe zwar jeden Tag ein sehr großes Publikum, aber immer nur für 16 Sekunden“. Ein Millionenpublikum, um genau zu sein.
Alles in allem dürfte Schulz mit dem Ergebnis zufrieden gewesen sein. Bis zum Februar 2000 (einen Tag nach seinem Tod) erschien jeden Tag ein solcher Comic-Strip – sonntags sogar ein 32sekündiger – insgesamt etwa 17.8000 davon, sämtlich von ihm persönlich geschrieben, gezeichnet und gelettert.
„Als die Peanuts 1950 zum ersten Mal erschienen, sahen sie ganz anders aus als heute. Damals war ein anderer Zeichenstil modern, und wahrscheinlich konnte ich es wohl noch nicht so gut. Heute schaue ich auf die Comics meiner Anfangszeit mit einer seltsamen Mischung aus Stolz und Scham zurück.“
Wenn wir, die wir nicht ganz so streng sein müssen, uns diese Strips anschauen, stellen wir fest, dass die Figuren in jenen frühen Zeiten der Entwicklung auch noch biologisch gealtert sind – wenn auch nicht alle im exakt gleichen Tempo. Als sie nach etwa zwei Jahren in ihrem Idealzustand steckenblieben, war auch das Konzept ausgereift: Schulkinder, die sich auf dem intellektuellen Niveau (einiger) Erwachsener befinden. (Damit ist zu diesem Thema freilich längst nicht alles gesagt …) Weiterlesen

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So gesehen eine Mogelpackung

betr.: Sebastian Krämers neues Programm „Im Glanz der Vergeblichkeit – Vergnügte Elegien“

Sebastian Krämer betont, für sein neues Programm das Genre der „vergnügten Elegien“ – siehe Untertitel – eigens erfunden zu haben und liebäugelt im Titel noch deutlicher mit der Freude am Verfehlen und Danebenhauen. Als Zuschauer ist man von alledem in seiner Show wie üblich weit entfernt. Das Kopfkino des Publikums flimmert und brummt am Stück wie selten.
Reine Koketterie ist der Titel trotzdem nicht. Über seine erste Begegnung mit den Chansons seines späteren Lehrers Christoph Stählin im Alter von elf Jahren erzählte Sebastian Krämer kürzlich: „Es war ganz oft so, dass die Begeisterung für etwas, das ich gelesen oder gehört hatte – ob nun bei Franz Kafka, bei Billy Joel, bei Franz Schubert –, von dem Impuls nicht zu trennen war, es selber genausogut zu machen. Scheitern kann man dann ja immer noch.“ Das mag der Ursprung dieser Vielzahl von Sinnesreizen sein, der man bei ihm ausgesetzt ist. Weiterlesen

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