Käfer im August

betr.: Erderwärmung

Dieses Gedicht stammt aus meinem Soloprogramm „Orpheus in der Einbauküche“ (1991) und wurde von Florian Nock* vertont. Beim Proben stellte sich eher zufällig heraus, dass sich die Nummer als Parodie auf Herbert Grönemeyer am hübschesten in die Geschichte einfügt.

Käfer im August

Es ist ein Ödland aus Beton, auf dem sie alle liegen.
Die Beinchen hilflos ausgestreckt und schutzlos vor dem Feuerball,
der über dem am Himmel steht und rastlos auf sie niederbrennt.
Wie Käfer liegen sie umher und wissen nicht, wie lange schon.
Das Pflaster heiß, der Panzer schwer –
es könnten beinah Menschen sein.
Es macht keinen Unterschied.

Da strampeln sie im Abendrot, der eine müd, der nächste tot,
so liegen sie von früh bis spät, alleine, wenn’s zuende geht.
Der eine bemüht sich, der andre ist starr,
der eine ist jung, der andere alt,
der eine hat Träume, der nächste nicht –
es macht keinen Unterschied.

Da zappeln sie im Sonnenlicht, sie zappeln und finden den Boden nicht,
an den sie festgebunden sind, vor Hunger taub, vor Hitze blind.
Der eine ist ein Taugenichts, der andere ein Mann von Welt,
der nächste ist ein großer Kopf, der vierte kennt ein Schumann-Lied,
Da kennen sich zwei, da hassen sich zwei,
da meiden sie sich, da lieben sie sich –
es macht keinen Unterschied!

Doch plötzlich hat einer den Boden berührt,
er rappelt sich auf und gewinnt!
Und Hoffnung keimt auf in den andern umher,
der eine ist frei, doch er sieht sie nicht mehr.
Er jubelt nur kraftlos „Juheißa“ und flieht –
es macht keinen Unterschied.

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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2018/10/29/die-frau-mit-den-vier-elefanten/

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

Duck und Doof_Col

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Die Schaulustigen

betr.: Helene Fischer – ihr Erfolg, ihre Trennung, ihr Publikum / NZZ-Artikel „Vorturnerin der Enthaltsamkeit“ am 12. Januar 2019

Als ich vor einem Jahr als Juror eines Theaterpreises durch die Lande reiste, verhärtete sich eine irritierende Beobachtung, die ich zuvor schon bei diversen Theater-, Musical- und Kabarettveranstaltungen gemacht hatte: mindestens einmal im Laufe des Abends wurde – unabhängig von Anspruch, Sujet und Alter des Stücks – auf das Phänomen Helene Fischer angespielt. Entweder wurde irgendwann der Slogan „A-tem-los!“ eingeworfen, oder man mokierte sich über den Erfolg dieser Künstlerin / dieses Schlagers. Zuverlässig setzte es dann Beifall – im zweiteren Fall besonders lauten und gleichwohl unaufrichtigen, denn der verhöhnte Erfolg musste ja vorher erst einmal zustandegekommen sein.
Die Meldung vom Beziehungsende der Helene Fischer nach zehn Jahren wurde selbst an den Küsten der seriösen Berichterstattung angespült, und die Feuilletons kamen ins Grübeln. Weniger über Fischers Beziehung zu Florian Silbereisen als vielmehr über die zu ihrem Publikum. Weiterlesen

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Nahkampf der Neo-Spießer

betr.: gestrige Aufführung von Ralf Königs Comic „Porn Story“ im BKA Berlin

In „Porn Story“ geht es nicht um Sex, sondern um den Umgang damit. Und um die moralische Aufladung seines Ausbleibens nach vielen Ehejahren, besser: um seine Verlagerung vom Ehebett auf die verstohlene Videovorführung. Der Titel verweist auf die Rezeption von Sexfilmchen in unserem Lande seit der Super-8-Zeit über die VHS- und DVD-Ära bis in die Gegenwart der Online-Pornographie. Als Rowohlt-Buch verzichtet dieser Comic auf die bei Ralf König obligatorische Darstellung von schwulem Sex, und auch der Hetero-Sex findet nur in den besagten heimlich konsumierten Filmen statt. Um deren Absurdität optimal herauszustellen, sind die Dialoge und Filmtitel Originalzitate und ihre zeichnerische Umsetzung von Ralfs berühmtem Kollegen Nicolas Mahler („Alte Meister“) beigesteuert worden.

„Porn Story“ mehr als drei Jahre nach der Lektüre noch einmal live wiederzuerleben, diesmal als Lesung mit Dias, rückte die Geschichte um einen Porno-Nutzer und ansonsten braven Ehemann aus dem Werk seines Autors und Zeichners heraus und in sein multimediales Programmumfeld hinein. Warum, so fragte ich mich Weiterlesen

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Schiffbruch mit Edgar Allan Poe

betr.: heutige Ausstrahlung von Teil 1 des Hörspiels „POEsPYM“ (Deutschlandradio Kultur 2008) nach „Die Geschichte des Arthur Gordon Pym aus Nantucket“ auf Deutschlandfunk Kultur

„Es ist nicht Aufgabe der Literatur, die Realität abzubilden.“     Edgar Allan Poe

Die Jugendfreunde Gordon Pym und August Barnard träumten von Kindheit an, einmal gemeinsam auf hohe See zu fahren. Augusts Vater ist Kapitän auf dem Walfänger Grampus. Als August ihn nun auf einer Walfangfahrt begleiten soll, darf Pym nicht mit. Er versteckt sich also heimlich im Bauch des Walfängers unter einer Falltür. In der Dunkelheit unter Deck, zwischen den ausdünstenden Tranfässern und ohne genügend Wasser und Nahrung, verliert Pym fast den Verstand. Erst nach elf Tagen kann August ihn befreien – eine Meuterei hatte auch ihn gefangen gesetzt und fast das Leben gekostet. Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (139): Romeo und Julia

Romeo und JuliaDiese Variation eines berühmten Themas entstand vor „Jago“, Ralfs großem Shakespeare-Abenteuer. Es ist in diesem Falle nicht die Nachtigall, sondern der „Sommernachtstraum“, den wir rechts oben trapsen sehen …
Fortsetzung folgtCopyright by Ralf König

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Fröhlich in die Kiste

betr.: 115. Geburtstag von Cary Grant

1966 drehte Cray Grant nach berauschender Karriere seinen letzten Film, „nicht eigentlich und vorsätzlich als Abschiedsvorstellung gedacht, sondern einfach ein Film, nach dem sich kein weiterer Grant-Film mehr ergibt“ (so sein Biograph Donald Deschner). Es heißt, der Star habe aufgehört, weil dieses der erste Film gewesen sein, in dem er das Mädchen nicht bekommen habe. Das klingt ironisch überspitzt, doch es sei nun einmal furchtbar enttäuschend, einen alten Schauspieler zu sehen, den man als jungen Mann in Erinnerung hat: „Ich weiß das, denn ich habe Schauspieler gesehen, die das gemacht haben. Man sagt sich: Oh weh, was für ein Jammer.“ Das sagte Cary Grant zwanzig Jahre später einem Interviewer des kurzlebigen Kinomagazins „Cinema plus“.
Gekonnt und voller Charme pariert er die üblichen koketten Fragen nach seinem langjährigen Status als Sex-Symbol, seinem mit 82 noch immer „blendenden“ Aussehen, der Institution der Ehe, dem nahenden Ende u. ä. Man möchte ihm glauben, dass er auch ohne Minderwertigkeitskomplexe kein guter Redner sei. Ich musste daran denken, wie er Weiterlesen

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Die schönsten Comics, die ich kenne (25): „Hucky der Polizist“

„Hucky der Polizist“ von Hanna-Barbera Productions (1959, 1965, 1967), erschienen in „Geschichten und Spiele mit Hucky und Yogi Bär“, Delphin Verlag 1972

Hucky hat einen neuen Job: er arbeitet als Streifenpolizist in einer Stadt, die verdächtig nach New York aussieht. Er freut sich über diese Aufgabe, verleiht sie dem schmächtigen Köter doch eine gewisse Coolness und Würde. Sein erster Fall ist ein aus dem Zoo entlaufener Drei-Meter-Gorilla, verbogene Laternenmasten und eingetretene Briefkästen weisen den Weg zu ihm. Der Affe ist verspielt und gutmütig. Dennoch scheitert Hucky bei dem Versuch, ihn einzuschüchtern und in den Zoo zurückzubringen. Auf einer Wolkenkratzer-Baustelle (einem klassischen Schauplatz für die Heroen des Cartoons wie des Slapstick) muss Hucky erkennen, dass seine Karriere als Auge des Gesetzes schon wieder beendet ist …

Geschichten und Spiele mit Hucky und Yogi Bär_FEin geliebtes Buch aus Kindertagen – oder, was davon übrig ist …

Der größte Teil des ureigenen Hanna-Barbera-Trickfilm-Kosmos ist bei uns nicht oder nur sehr flüchtig präsentiert worden, Weiterlesen

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold
Hund unter

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Wer den Kneipenpfennig nicht ehrt …

betr.: Der Film „Meine Welt ist die Musik – Der Komponist Christian Bruhn“ (2017)

Christian Bruhn ist für mich, was er für alle Halbstarken der 70er Jahre ist: ein „Vater unsterblicher Melodien“. Vor allem für TV-Serien. Doch nicht nur das – sein längst verstummtes Instrumental „Flying Dutchman“ war mein aller-allererster Ohrwurm, und der Soundtrack zu „Timm Thaler“ meine erste eigene Langspielplatte.* Ich wollte unbedingt das Lied vom „Kli-Kla-Klawitter“-Bus auswendig können; ich lernte es durch wöchentliches Wiederhören in Rekordzeit. Wenige Jahre später – der technische Fortschritt hatte Einzug gehalten – kniete ich vor dem Fernseher, um die Titelmelodie von „Captain Future“ mit dem Plastikmikro auf Cassette mitzuschneiden. Im Grunde ging es uns doch allen so oder ähnlich.
Doch es gibt noch eine persönliche Christian-Bruhn-Erinnerung, die ich (bisher) nicht mit Millionen Menschen des deutschen Sprachraums teile. Weiterlesen

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