Literarische Emigration – Wie übersetzt man „knig und knag“?

betr.: 105. Todestag von Christian Morgenstern

Im Zusammenhang mit Dr. Erika Fuchs und ihrer Übertragung wichtiger Disney-Eigennamen in unsere Popkultur sind uns Vokabeln wie Uncle Scrooge = Onkel Dagobert oder Duckburg = Entenhausen geläufig. Am Beispiel von Christian Morgenstern (der seinerseits den „Peer Gynt“ ins Deutsche übersetzt hatte) wollen uns einmal die umgekehrte Richtung anschauen. 1953 erschien im Insel-Verlag eine englische Übersetzung von dessen „Galgenliedern“, die A. E. W. Eitzen zu „The Gallows Songs“ umdichtete.
Ehe Eitzen an die Lyrik herangehen konnte, musste oder wollte er sich anglophone Namen für die Figuren, Örtlichkeiten und Verschiedenes ausdenken: Weiterlesen

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Mumienhorror in Washington

betr.:  Die sechste Staffel von „House Of Cards“ liegt auf DVD vor.

Es wird zur Zeit gern vergessen, aber die plötzliche Eliminierung von Hauptdarsteller Kevin Spacey aus der somit finalen Staffel von „House Of Cards“ ist nicht die erste derartige Notlage für die Autoren einer Serie oder eines Films. Es wimmelt von historischen Beispielen, in denen Verantwortliche und Autoren auf plötzlich verstorbene oder wegen zu hoher Gagenforderungen geschasste Darsteller reagieren mussten. Auch Skandale hat es schon zuvor gegeben. Anfang der 90er hörte eine sehr beliebte Serie einfach auf, nachdem die Figuren in der letzten Folge eine Vielzahl von schrecklichen Unfällen erlitten. (Der Produzent rächte sich damit an seinen geldgierigen Schauspielern.) Das war irritierend, aber wenigstens ein Ärgernis mit Unterhaltungswert.

„House Of Cards“ erspart uns solche Kalamitäten: müder, fahriger und uninspirierter habe ich noch nie eine Produktion auf den personellen Einbruch der Wirklichkeit regieren sehen. Es gibt nur noch die berüchtigten „Bilder von sprechenden Menschen“, vor denen Hitchcock immer gewarnt hat: Weiterlesen

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Der fluchbeladene Liebling

betr.: 80. Jahrestag der Frankreich-Premiere von „Son Of Frankenstein“* / Colin Clive

“Son Of Frankenstein” war 1939 der dritte Beitrag der Universal zu der klassischen Filmreihe, die aus dem Sensationserfolg „Frankenstein“ von 1931 erwachsen war. Das Monster, das ihn zum Star gemacht hatte (und umgekehrt), spielte Boris Karloff hier ein letztes Mal, aber er sollte noch in weiteren Filmen mitwirken, die diese Figur ausbeuteten und sie auf der Bühne noch erfolgreich parodieren. Nicht mehr mit von der Partie war der quasi titelgebende Mitwirkende selbst: der Schauspieler Colin Clive alias Dr. Frankenstein.
Er war im Jahr vor Beginn der Dreharbeiten gestorben, am Morgen des 25. Juni 1937 im „Cedars Of Lebanon Hospital“, früh dahingerafft von Tuberkulose und jahrelanger Alkoholsucht. In der Stunde seines Todes, der Erlösung von einem langen Martyrium, war nur das Pflegepersonal an seiner Seite.
Colin Clive hatte sich in der Army eine Beinverletzung zugezogen, die nie mehr richtig verheilt war, und seine gesamte Laufbahn als Schauspieler in England, New York und Hollywood in der Angst vor einer Amputation erlebt.

Cilves Begräbnisfeier am Venice Boulevard wurde von Beobachtern mit einer Gala-Filmpremiere verglichen: 300 Trauergäste – Starlets, Schauspieler und Agenten, Regisseure und Produzenten – besuchten die „Colonial Mansions“, die mit ihrem Prunk den Landsitz Tara aus „Vom Winde verweht“ vorwegnahmen.
Clive wurde im „Rosedale Krematorium“ eingeäschert, doch niemand fühlte sich danach für ihn zuständig – auch seine entfremdete Ehefrau in England nicht, die einen Kranz geschickt hatte. So verschwanden die sterblichen Überreste des Schauspielers vermutlich im Keller des Beerdigungsinstituts, das 1969 aufgelöst wurde. Zu diesem Zeitpunkt lagerten dort einige hundert vergessene Urnen. Sie wurden in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Sollte sich die Asche von Colin Clive unter ihnen befunden haben, hätte das seinem berühmtesten Part – dem „gottlosen“, „verrufenen“, „verhassten“ Wissenschaftler – bestens entsprochen.

Colin Clive Kaminbild
Fast so verfemt wie seine Traumrolle, aber immerhin unvergessen: Colin Clive über dem Kamin in „Son Of Frankenstein“. (Screenshot aus der DVD-Box „Frankenstein: Monster Classics (Complete Collection)“, Universal Pictures Home Entertainment)

In „Son Of Frankenstein“ immerhin wird der Verblichene in Handlung und Dekoration intensiv heraufbeschworen: Weiterlesen

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Der Song des Tages: „A Boozehound Named Barney“

betr.: 78. Geburtstag von Alf Clausen

Absurd aber wahr: heute hat es weder mit der Qualität noch mit der Relevanz oder der Beliebtheit einer TV-Serie zu tun, ob sie tatsächlich im Fernsehen ausgestrahlt wird oder ob sie sich ihr Publikum auf neueren Medien suchen muss. Insofern sind „The Simpsons“ einmal mehr etwas Besonderes: die Serie ist überaus hochwertig – obwohl im 28. Jahr ihres Bestehens viel von ihrer Frechheit naturgemäß in untadelige Routine übergegangen ist -, und sie läuft fast ebensolange ununterbrochen in unserem linearen TV-Programm, seit Jahren fast täglich.

Simpsons CD Covers_F

Einer der Gründe für diesen Erfolg und derjenige, der am wenigsten bewusst wahrgenommen wird, ist die Leistung ihres Generalmusikdirektors. Bis vor zwei Jahren war das Alf Clausen, der alle Hände voll zu tun hatte. Der parodistische Ansatz des Formates bezog sich nämlich nicht nur auf amerikanische Neurosen, Filmklassiker und prominente Gäste, sondern auch auf praktisch jede Art von Musik: Weiterlesen

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Die schönsten Hörspiele, die ich kenne (7): „Die Strafe“

„Die Strafe“, Hörspiel nach der Erzählung „Zum Tode verurteilt“ von Guy de Maupassant – mit Wolfgang Brunecker, Marylu Poolman, Wolfgang Sörgel, Christa Lehmann, Werner Schoch u.a., Bearbeitung: Jochen Hauser, Regie: Walter Niklaus, Rundfunk der DDR 1975 (53 min.)

Im kleinen Fürstentum Monapossa wird ein etwas tumber junger Mann zum Tode verurteilt, der aus einem nichtigen Grund seine Frau erschlagen hat. Als den Behörden klar wird, wie teuer es wäre, aus dem benachbarten Frankreich eine Guillotine kommen zu lassen, wird der Delinquent zu lebenslänglicher Haft begnadigt, doch das geht auf die Dauer noch mehr ins Geld. So zieht man den Bewacher ab und öffnet die Zellentür, um dem Burschen freien Abzug zu ermöglichen. Doch er bleibt. Weiterlesen

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Die Marvels wie sie wirklich waren: Spider-Man (1)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier wiederzugeben.

Die erstaunliche Spinne (Spider-Man)
von Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/

Die Spinne Nr. 1

Die Spinne #1_Williams
Cover der deutschen Nr. 1 von „Spider-Man“ alias „Die Spinne“, erschienen im Januar 1974. Das Motiv besteht aus Titelbildelementen der US-Ausgaben „Amazing Spider-Man“ # 98 und „Fantastic Four“ # 99.

Endlich! Nach acht Jahren und 98 innerhalb der Hit-Comics des bsv erschienen Originalausgaben, erfährt der deutsche Leser wie Peter Parker zu Spider-Man wurde. Zwar gab es hier und da diverse Rückblicke auf vergangene Ereignisse, doch die Origin Story hatte der Bildschriftenverlag nie abgedruckt. Auf insgesamt elf Seiten erzählen Stan Lee und Steve Ditko wie es sich zutrug.* Storyline (diese Origin liegt auch Sam Raimis erstem „Spider-Man“-Film zugrunde, der sich erstaunlich nahe an der Comicvorlage orientiert): Peter Parker, Streber und Außenseiter, wird beim Besuch einer Physikausstellung der Midtown Highschool von einer kurz zuvor radioaktiv verstrahlten Spinne gebissen. Das Tier hatte sich an seinem seidenen Faden genau in der Sekunde von der Decke heruntergelassen, als bei einem kontrollierten Experiment kurzzeitig Strahlung frei wurde. Im Todeskampf überträgt die Spinne ihre Kräfte und Fähigkeiten auf den Schüler, in dessen Blut sich das radioaktive Spinnengift verteilt. Weiterlesen

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

Non-Maigret

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Die Aufrechten (2)

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Die Outtakes von Ralf König (147): Studie „Heteros“

Hetero-Sofa

Das Buch „Der bewegte Mann“ erzeugte seinen Witz und hatte seinen Erfolg mit der Umkehrung des Normalitätsbegriffs: gemeinsam mit den schwulen Helden bestaunte die Leserschaft die skurrile Welt der Heteros. (In der Verfilmung wurde diese Perspektive wieder „korrigiert“.) Auf einer solchen Expedition befinden sich Konrad und Paul (o.) mit schöner Regelmäßigkeit. Tiefer hinein in die Terra incognita bewegt sich diese Skizze:
Nutte-1 Weiterlesen

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Die wiedergefundene Textstelle: Ein Filmhistoriker als Magier der Leinwand

betr.: 50. Todestag von Ernst Deutsch

Wir Hamburger kennen Ernst Deutsch als den Namensgeber eines unserer wichtigsten Privattheater. Es wurde vom damaligen Prinzipal Friedrich Schütter nach ihm benannt, um seinen Erfolg als „Nathan der Weise“ auf dieser Bühne zu würdigen. Zum ersten Mal ist mir sein koboldhaftes Gesicht im Klassiker und Kultfilm „Der dritte Mann“ aufgefallen.
In der Emigration in Hollywood hatte Ernst Deutsch hin und wieder Nazis gespielt, eine Ironie, die er mit einigen deutsch-jüdischen Schauspielern jener Jahre teilt. Sein letzter amerikanischer Film war im Jahre 1945 das Schauermelodram „Isle Of The Dead“ an der Seite des großen Boris Karloff.
Mit diesem Film beschäftigt sich William K. Everson in seinem Standardwerk „Klassiker des Horrorfilms“, und er beschreibt den dritten Grund neben Deutsch und Karloff, diesen Film bei Gelegenheit wiederzusehen:

Die Handlung dreht sich um eine Reisegruppe, die auf eine vom Krieg heimgesuchte, verseuchte griechische Insel verschlagen wird. Unter anderem gibt es da Katherine Emery, eine Frau mittleren Alters, die unter kataleptischen Anfällen leidet und eine panische Angst davor hat, während eines solchen Anfalls lebendig begraben zu werden. Der Zuschauer ist sich natürlich darüber im klaren, dass ebendiese Situation unausweichlich eintreten wird, und die Spannung steigt noch durch die permanente Angst der Frau und ihre Bitten, man möge sich vor ihrer Beerdigung vergewissern, dass sie auch wirklich tot ist. Gegen Ende des Films stirbt sie scheinbar tatsächlich, man untersucht sie – mit negativem Ergebnis -, und sie wird beerdigt.
Das Publikum ist längst so weit gebracht worden, Weiterlesen

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