„Aquarius – Prinz Namor, der Held von Atlantis“ – die deutsche Chronologie von MARVELs „Sub-Mariner“

betr.: 77. Geburtstag von MARVELs „Sub-Mariner“ / deutsche Checkliste (1966-76)

Während im Kino immer größere Superhelden-Ensembles aufeinanderclashen, blickt der St. George Herald zurück. Wie „Frankenstein“* ist auch der Sub-Mariner ist ein schwarzes Schaf unter den Marvel-Helden. Und wie „Captain America“ wirkte auch er schon zur Zeit des Ersten Weltkriegs, als „Marvel“ noch „Timely“ hieß.
Wie man mir erzählte, hat die hollywoodianische Marvelproduktion bis 2022 all ihre sog. „Blockbuster“ bereits realsozialisch durchgeplant, und der Sub-Mariner** wird darin nicht in Erscheinung treten. Grund genug, an ihn zu erinnern und darauf hinzuweisen, was dem Publikum auf diese Weise entgeht.

Der 1939 von Bill Everett (William Blake Everett) geschaffene Unterwassermensch Prinz Namor aus Atlantis war ursprünglich kein Superheld, und bleibt auch später bei Marvel ein zwiespältiger Charakter. Als Sohn der Prinzessin eines antarktischen Unterseevolkes und eines amerikanischen Polarforschers hatte er schon früh allen Grund, die Oberflächenmenschen zu hassen: durch Befreiung ihrer Schiffe aus dem Eis mit Dynamit töteten sie unwissentlich einen Teil seines Volkes. Namors Mischlingsnatur läßt ihn jedoch immer wieder Solidarität mit den Luftatmern empfinden. Seltsamerweise führt seine menschliche Hautfarbe nie zu Vorbehalten und Anfeindungen durch die blauhäutigen Atlanter (Atlantis scheint tatsächlich eine hoch entwickelte Kultur gewesen zu sein!), wenn er auch seinen Herrschaftsanspruch im Laufe der Geschichte immer wieder aus anderen Gründen verteidigen und zurückerobern muss.
Nachdem Namor in der Nr. 4 der „Fantastischen Vier“ als wiedererweckter Klassiker zu sehen war – in einem der ersten Marvel-Comics überhaupt -, dauerte es noch gut drei Jahre, in denen er  diverse Gastauftritte in anderen Reihen (und immer wieder bei den Fantastischen Vier) absolvierte und das Interesse der Leserschaft an seiner Person nährte. Ab August 1965 wurden seine Erlebnisse ab dieser ersten Begegnung mit den Fantastischen Vier in einer eigenen Serie weitererzählt. Zunächst mußte er sich allerdings ein Magazin mit dem „unglaublichen Hulk“ teilen: „Tales To Astonish“.
Ein Namor-Abenteuer hatte bis zu 12 Seiten, und seine und die Geschichte des Hulk liefen parallel und überschnitten sich mitunter. Kurz nach einem längeren gemeinsamen Special mit dem Hulk – in dem sich beiden aber keineswegs gut verstanden – erhielt er sein eigenes Magazin mit nunmehr zwanzigseitigen Abenteuern. Die erste Ausgabe des „Sub-Mariner“ erschien im Juni 1968.

fb-anzeige-namorZum ersten Mal im eigenen Heft – aber schon mittendrin in einer Saga, die bis in die Jahre des Zweiten Weltkriegs zurückreicht, als MARVEL noch „Timely“ hieß. In dieser „Nummer 1″ vom Juni 1968 erfahren wir die Hintergründe von Prinz Namors Gastauftritt in „Die Fantastischen Vier“ #4 vom Mai 1962, gezeichnet von John Buscema. (Deutsch bei Williams 1974)
– Copyright by MARVEL COMICS GROUP

Bei uns waren die „Aquarius“-Geschichten seit 1966 sporadisch und in wildem Wechsel mit anderen Marvel-Serien in den „HIT Comics“ des BSV (Bildschriftenverlag, Aachen) zu lesen. Diese wurden Anfang 1973 eingestellt. Ein Jahr darauf begann der Hamburger Williams Verlag mit der möglichst systematischen Herausgabe der Marvel-Comics. Diese Hefte haben heute hohen Sammlerwert. Weiterlesen

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Der Song des Tages: „Ach Jott, was sind die Männer dumm“

betr.: 76. Todestag von Walter Kollo

Die Berliner Operette (ich persönlich bevorzuge den Ausdruck Berlin-Operette) bildet gewissermaßen die Fortsetzung der Goldenen und Silbernen Operettenära – kontinentaleuropäisch betrachtet, denn in Großbritannien taten sich ja im frühen 20. Jahrhundert noch allerlei andere Dinge.
Walter Kollo gilt neben Jean Gilbert und Paul Lincke als Begründer dieser Stilrichtung. Kollo und Gilbert waren außerdem die leiblichen Väter wichtiger Vertreter der Leichten Muse.
Walter Kollo ist außerdem  – das ist gewissermaßen die Königsklasse – als Schöpfer zahlreicher Gassenhauer in Erinnerung, einer Berliner Mutation des Evergreens:  „Untern Linden“, „Solang noch Untern Linden“, „Es war in Schöneberg“, „Nach meine Beene is ja janz Berlin verrückt“ und ähnliche. Die greise Marlene Dietrich hatte in ihrem berühmten Interviewfilm von Maximilian Schell einen ihrer wenigen versöhnlichen Momente, als sie von der Langspielplatte sprach, die sie mit diesen „Alt-Berliner Liedern“ aufgenommen hatte. (Prompt wurde sie davon vollends überwältigt, und es ereignete sich ein zutiefst sentimentaler Moment.) Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (43): „Jago“ (xi)

In dieser Serie werden unveröffentlichte Zeichnungen von Ralf König vorgestellt: Skizzen, Vorstudien und Entwürfe, Outtakes, aber auch unvollendete Comics. „Jago“ von 1998 spielte mit allerlei Shakespeare-Motiven. Hier werden Passagen präsentiert, die im Buch ausgelassen oder noch einmal verändert worden sind. Fast immer handelt es sich bereits um Reinzeichnungen.

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Nun tritt der „Mohr“ auf, auf dessen Drama der Titel des Comics anspielt – hier noch ohne Rasterfolie. Die weiter unten abgebildeten Nachtszenen lassen in dieser farbigen Darstellung ein paar hübsche Effekte erkennen, die in der Druckfassung verloren gehen. Man beachte auch die wieder entfernte Sprechblase …
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Das Leben der anderen

betr.: 88. Jahrestag des Debüts der Comedian Harmonists / der Film „Comedian Harmonists – Sechs Lebensläufe“ / „Monty Python – Fast die ganze Wahrheit!“

Dass die Comedian Harmonists zum medialen Grundrauschen gehören, dass sie uns überhaupt ein Begriff sind, ist keine Selbstverständlichkeit und natürlich keineswegs die logische Folge ihrer Leistungen. Ein Wiederentdecker hat besonderen Anteil an ihrer heutigen Beliebtheit.* Das Nebenprodukt seiner Tat war die Neuerfindung des portraitierenden Dokumentarfilms. Weiterlesen

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Broadway’s Like That (27): Wahlkämpfe und Präsidentenportraits

6. Politik im Musical der 30er Jahre (5)

Präsidenten im Musical gab es später immer wieder. 1937 wurde in „I’d Rather Be Right“ von Richard Rodgers (Musik) und Lorenz Hart (Songtexte) Präsident Roosevelt auf die Bühne gebracht, in dessen Rolle sich Theaterveteran George M. Cohan ein spektakuläres Comeback verschaffte. Irving Berlin präsentierte 1962 in seinem letzten Broadway-Musical einen reichlich faden Zeitgenossen als „Mr. President“. Mit einem erstklassigen Wahlkampf konnte 1959 „Fiorello!“ aufwarten. Dieses Musical von Sheldon Harnick und Jerry Bock, die wenige Jahre später mit „Fiddler On The Roof“ Weltruhm gelangen sollten, hat Fiorello LaGuardia zum Protagonisten. Der historische LaGuardia löste 1933 als Bürgermeister von New York den Vergnügungssüchtigen Jimmy Walker mit seiner korrupten Tammany-Stadtregierung ab und steigerte seine Beliebtheit auch dadurch, dass er während eines Zeitungsstreiks die ausgefallene Comic-Seite im Radio vorlas. Hatte der Text von „Wintergreen For President“ damit geprahlt, dass dieser Kandidat besonders die Iren und Juden liebe, so nimmt Jerry Bock in Fiorellos Wahlkampf die Parolen auch gleich musikalisch auf. Weiterlesen

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Trump vor den Toren

betr.: „Anne Will“ vom 25.9.2016 / TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump heute nacht

Als USA-Kenner und –Bewohner Thomas Gottschalk in der gestrigen „Anne Will“-Ausgabe die Amerikaner als ein „Kind-Volk“ bezeichnete (wie schon Peter Sloterdijk in seinem Buch „Das Schelling-Projekt“), bekam er Schimpfe. Die sympathische Juristin, Politikwissenschaftlerin und Publizistin Constanze Stelzenmüller distanzierte sich alle zehn Minuten von dieser Formulierung und hielt sie so für den Rest der Sendung lebendig.
Irgendwann begann ich darüber nachzudenken, wir mir diese Formulierung eigentlich gefällt: Kinder sind vollwertige Mitglieder unserer Lebensgemeinschaft, die überdurchschnittlich einnehmend und charmant wirken können und die man hin und wieder vor sich selbst schützen möchte, weil sie die Folgen ihres Treibens mitunter nicht übersehen – und auch die Folgen ihres Treibens für Dritte nicht. (Im Grunde also: fein beobachtet, Herr Sloterdijk!) Auch, was man als Zuschauer sonst aus der Sendung lernte – diesmal regte sich kein Widerspruch in der Runde -, passt zum Kindchenschema: dass die Amerikaner sich bei Entscheidungen lieber von Emotionen leiten lassen als von Fakten. Das haben wir erwachsenen Deutschen hin und wieder auch schon getan, und es wird immer schlimmer damit. Einmal mehr befolgen wir den Rat unseres Herrn: „Kehret um, und werdet wie die Kinder!“  (bzw. wie die Amerikaner). Weiterlesen

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Der Song des Tages: „Talk To The Animals“

betr.: 69. Todestag von Hugh Lofting*

Der Song „Talk To The Animals“ aus dem Musical „Dr. Dolittle“ dürfte der letzte gewesen sein, den ein Gaststar in der „Muppet Show“ gesungen hat – es war Roger Moore. „Dr. Dolittle“ nach den Kinderbüchern von Hugh Lofting war ursprünglich ein Filmmusical, in dem Rex Harrison abermals einen verschrobenen Akademiker spielen konnte. War er in seiner berühmten Rolle als Henry Higgings in „My Fair Lady“ lediglich ein Frauenfeind gewesen, geriert er sich hier noch übler. Bevor er den berühmten Song (er bekam 1968 den Oscar) vorträgt, erklärt er uns, dass er Tierarzt geworden sei, weil er Menschen im Allgemeinen nicht besonders mag (siehe unten). Dann erklärt er uns, wie er es schaffte, die Sprache der Tiere zu erlernen: sein Schlüssel zum Weltruhm.
Harrisons Dialogpartner und Mitautor des Liedes war Anthony Newley (mit Leslie Bricusse), der es sich nicht nehmen ließ, ein Solo-Album zum Film vorzulegen; und so ist seine Version von „Talk To The Animals“ die bis heute meist gespielte. Weiterlesen

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Gottes Brot und Teufels Aufstrich (49)

Eine Graphic Novel von Monty Arnold

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Fortsetzung im nächsten Heft_L

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Die näheren Umstände

betr.: 46. Todestag von Bourvil

Wir kennen den einstmals berühmten französischen Schauspieler und  Chansonnier Bourvil heute nur von immer selteneren Auftritten auf unserer Mattscheibe, z.B. in seinen Filmen mit Louis de Funès, „Scharfe Sachen für Monsieur“ und “Die große Sause“.

Bei der Arbeit an „Das Superhirn“ wurde Bourvil von schlimmen Rückenschmerzen geplagt, so in der Szene zu Beginn des Films, als er bei dem Versuch, Jean-Paul Belmondo aus dem Gefängnis zu befreien, durch einen Tunnel kriecht. Sein Regisseur Gérard Oury schickte ihn zu einem befreundeten Mediziner. Am Premierenabend des Films enthüllte der Arzt Oury die Diagnose: die Kahler-Krankheit, eine Krebserkrankung des blutbildenden Systems. Er wusste, dass die beiden in einem Jahr ihren nächsten Film drehen wollten – „Die dummen Streiche der Reichen“, was ihn erneut mit de Funès zusammengebracht hätte. „Ich fürchte, in einem Jahr wird Bourvil das nicht mehr machen können“, sagte er. Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (42): „Jago“ (x)

In dieser Serie werden unveröffentlichte Zeichnungen von Ralf König vorgestellt: Skizzen, Vorstudien und Entwürfe, Outtakes, aber auch unvollendete Comics. „Jago“ von 1998 spielte mit allerlei Shakespeare-Motiven. Hier werden Passagen präsentiert, die im Buch ausgelassen oder noch einmal verändert worden sind. Fast immer handelt es sich bereits um Reinzeichnungen.

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