Zwillinge – seit der Geburt getrennt

betr.: „Herbst in der Hose“, das neue Buch von Ralf König, das morgen erscheint

Sondheim-König

Der aktuelle Facebook-Eintrag von Ralf König ist noch von der Heimsuchung geschwelt, sich monatelang mit dem Thema Älterwerden beschäftigt haben zu müssen, was er als „einfach kontraproduktiv“ bezeichnete. Auch die Ähnlichkeit mit dem in voller Blüte stehenden Künstler rechts besänftigt ihn nicht: „Ich möchte lieber aussehen wie Stephen Sondheim auf dem ersten Band seiner Songbook-Edition“, meint er dazu. (Und ich würde gerne komponieren wie Stephen Sondheim im dritten … ach, lassen wir das.)

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Fremdgehen mit Hitchcock

betr.: Jens Wawrceck liest „Klippen des Todes“, Vorlage für Alfred Hitchcocks „Young And Innocent“ als Hörbuch*

Ich erinnere mich noch an die ersten beiden Male, als ich „Jung und unschuldig“ im Fernsehen gesehen habe. Ich glaube, es war mein dritter Hitchcockfilm – nach „Der Fremde im Zug“ und „Die 39 Stufen“. Ich wusste also schon, dass Hitchcock ein Meister der Spannung war und war freudig auf das Schlimmste gefasst, als ich ihn im ZDF erblickte. Doch bald nach der gruseligen Eröffnungsszene an der Küste fürchtete ich, dass ich es hier mit einer Komödie zu tun haben könnte. Das hieß ja wohl: „keine Spannung“. Im Laufe des Films lernte ich etwas fürs Leben: Humor ist auch im Krimi ungemein wohltuend und der Spannung keinesfalls im Wege, ganz im Gegenteil. Die bedrohliche Kamerafahrt, die sich aus der Totalen der feiernden Menge ganz langsam dicht vors geschminkte Gesicht des Schlagzeugers vorarbeitet, das plötzliche Zucken seiner Augen – das war selbst auf unserer Glotze ganz großes Kino.

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Das Leben ging weiter, ich sah Hitchcockfilm um Hitchcockfilm – und eine ähnlich eindrucksvolle Punktlandung der Kamera in „Berüchtigt“. Ich las meine ersten Fachbücher und freute mich sehr über die Erfindung des Videorecorders. Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (75): Die blaue Mappe (xiv)

Der Inhalt dieser Mappe (2001-02) besteht aus Vorstudien zu „Sie dürfen sich jetzt küssen“ (2003) und „Dschinn Dschinn“ (2005 und 2006), welcher zunächst als „Konrad und Paul“-Band geplant war. Diese beiden Helden erleben übrigens ihr – möglicherweise letztes – Abenteuer in „Herbst in der Hose“, dem neuen Ralf König, der am Freitag erscheint.

schwaKu1 Weiterlesen

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Die schönsten Filme, die ich kenne (30): „Berliner Ballade“

Zunächst war der Film „Berliner Ballade“ „Eine Revue der Stunde Null“ namens „Schwarzer Jahrmarkt“, ein Kabarettprogramm des Kabarettisten Günter Neumann in Berlin.  Neumann, dessen Ensemble „Insulaner“ von den Historikern immer etwas geringer geschätzt wird als das andere große West-Berliner Kabarett „Die Stachelschweine“, wurde später zum ersten deutschem Musical-Übersetzer und zum Autor und Komponisten der langlebigen RIAS-Funkreihe „Die Insulaner“. Die Welt – und auch diese Stadt – hatten sich drei Jahre nach Kriegsende endgültig in Ost und West geteilt. Die Dreharbeiten begannen wenige Tage nach dem Beginn der Berlin-Blockade.

SchwarzerJahrmarkt„Es liegt eine Insel im Roten Meer, und die Insel heißt Berlin“ – zeitgenössisches Buchcover für Texte von Günter Neumann.

Der Film brauchte, im Gegensatz zum Kabarettprogramm, einen Roten Faden, und Neumann erfand hierfür den Helden Otto Normalverbraucher; dieser Name ging in den Sprachgebrauch über. Sein Darsteller, der Filmdebütant Gert Fröbe, war Weiterlesen

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Rohe Späße – Echte Opfer

betr.: Das Wort zum Montag

Ich bin gewissermaßen ohne „Schweinchen Dick“ aufgewachsen.  (“Und immer schön fröhlich bleiben!“) Das bedeutet, dass ich den kleinen Burschen in meinen ersten Tagen als TV-Zuschauerchen noch kurz erblicken durfte, doch gleich danach kam die Ächtung durch den Direktor des ausstrahlenden Senders wegen zu großer „Brutalität“.
Das erschien mir aus zwei Gründen absurd, aus einem positiven und einem negativen. Der positive: Schweinchen Dicks Kollegen aus dem Warner-Cartoon-Ensemble – so Daffy Duck oder der noch erheblich hinterlistigere Bugs Bunny – blieben im Programm, und bei „Tom und Jerry“ ging es auf dem gleichen Sendeplatz später noch doller zur Sache. Der weniger schöne Grund war meine Einschulung und der Beginn einer jahrelangen Turnversagerkarriere, gegen die sich diese Trickfilme wie eine Woche der Brüderlichkeit ausnahmen. Weiterlesen

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Die unterschätzte Schmusebacke

betr.: 74. Geburtstag von Barry Manilow

Barry Manilow ist ebensosehr ein Klischee wie ein Popstar, das ist Teil seines Erfolges und sozusagen im Preis mit drin. Sein Name steht für einen glatten, ondulierten Schmusepop, den zu schätzen als schwuchtelig und uncool gilt. International genießt er also zu unrecht einen ähnlich heiklen Status wie ihn Heino bei uns lange Zeit gerechterweise innehatte. Weiterlesen

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Broadway’s Like That (61): Der letzte Mohikaner

17. Die Konzepte des Mr. Sondheim (1)

In den 60er Jahren kam ein Format in Mode, mit dem in den 40er Jahren schon Kurt Weill experimentiert hatte und das nun „Konzeptmusical“ hieß: der Verzicht auf eine linear erzählte Geschichte und konkrete Dekorationen, die Auflösung von Konflikten in symbolischen Sequenzen. Aus England kamen ein paar Erfolge an den Broadway, und mit „Cabaret“ wurde dort bald ein Klassiker vorgelegt. Als Meister dieses Fachs sollte sich in den 70er Jahren jedoch Stephen Sondheim entpuppen. Der hatte seinen Traum, als Songtexter und Komponist zu Ruhm zu gelangen, erst nach mehreren Anläufen verwirklichen können: sein mit 24 fertiggestelltes Erstlingswerk „Saturday Night“ kam nicht (bzw. erst mit gewaltiger Verspätung) heraus, weil ihm der Produzent verstorben war, seine ersten Meriten hatte er sich als Texter für ältere Meister verdient, dies allerdings auf beachtliche Weise: mit „West Side Story“ und „Gypsy“. 1962 hatte er mit der ausgelassenen Historienklamotte „A Funny Thing Happened On The Way To The Forum“ seinen ersten großen Auftritt als Texter und Komponist.

„’Forum’ hielt mich für viele Jahre über Wasser“ erzählte er Weiterlesen

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Planierung eines Paradieses

betr.: 2. Todestag von Kirk Kerkorian

Das Filmstudio MGM, das mit dem Löwen und den „mehr Stars als Sterne am Himmel“ starb als Unternehmen der Traumfabrik einen langsamen Tod. Er steht sinnbildlich für den Glamour des alten Hollywood, der sich im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts auflöste, weil alles nun einmal irgendwann zuendegeht. Die Geschichte dieses Niedergangs wurde in der Presse, in Features und Dokumentaionen erzählt, aber sie hat auch eine plastische Seite. Mit dem Filmimperium verschwand eine physisch greifbare Traumwelt, wie es sie nie wieder geben wird. Weiterlesen

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Höfliche Menschen beisammen

betr.: Sketch / Gesellschaft und Kommunikation

Wer seine Partygäste mit einem Gesellschaftsspiel beglücken möchte, riskiert, einige von ihnen zu verprellen, denn viele Menschen wollen gar nicht mitspielen. Sie möchten lieber zusehen, bzw. alles besser wissen – wie z.B. bei einer Fußballübertragung. Wer hingegen einen kleinen Sketch aufführt, verbraucht nur wenige Personen.
Es folgt ein menschlich nachvollziehbares einaktiges Werk, das ohne jeden dekorativen Aufwand mit drei TeilnehmerInnen umsetzbar ist.

Verabschiedung

Kellner: Ein Stück Kuchen, zwei Kaffee – das macht zwölf fuffzich.
Herr: Stimmt so.
Kellner: Danke. Und schönen Tag noch in ____ (Namen Ihres Standortes einsetzen).
Dame: Neinnein.
Kellner: Nicht?
Herr: Nein. Wir fahren weg.
Dame: Wir fahren weiter.
Herr: Nach Mannheim (bitte ändern, wenn sich Ihre Party bereits in Mannheim abspielt).
Kellner: Ah. Dann einen schönen Tag in Mannheim.
Herr: Danke schön.
Dame: Ihnen auch.
Kellner: Nein, mir nicht. Ich bleibe ja hier.
Herr: Ach so.

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Die Outtakes von Ralf König (74): Die blaue Mappe (xiii)

Der Inhalt dieser Mappe (2001-02) besteht aus Vorstudien zu „Sie dürfen sich jetzt küssen“ (2003) und „Dschinn Dschinn“ (2005 und 2006), welcher zunächst als „Konrad und Paul“-Band geplant war.
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