Der 21st Century Boy

betr.: 73. Geburtstag von Laurie London

Laurie London ist die definitive Verkörperung des berühmten Marshall McLuhan-Ausspruchs von den „15 Minuten Ruhm“, die „in Zukunft“ (also jetzt, im digitalen Zeitalter) einmal jedem Menschen zustehen würden*. Laurie London war schon dieser Ankündigung um mehr als zehn Jahre voraus, denn seine Minuten (es waren zwei plus zwanzig Sekunden) schlugen 1957. Auch was Ort und Verlag betraf, war das Timing schlecht: die Aufnahmen wurden in den Abbey Road Studios produziert und bei Parlophone herausgebracht – wenige Jahre, bevor George Martin und die Beatles diese Adressen in aller Welt bekannt machten.
Das One-Hit-Wonder dieses Kinderstars bestand nur aus einer einzigen Zeile, die sich bis zum Plattenaufkleber nur noch wiederholte, ein Gospel-Song namens „He’s Got The Whole World In His Hands“, der eigentlich als B-Seite gedacht war.

Laruie London_ZuijderveltLaurie Londons Kurzportrait im Begleitbuch einer Buchclub-Langspielplattenbox (1983)
Weiterlesen

Veröffentlicht unter Film, Medienphilosophie, Musik, Popkultur | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Broadway’s Like That (41): Der Welterfolg von „My Fair Lady“

14. Operetten-Revival am Broadway (2) 

Auch das wichtigste Broadway-Musical der 50er Jahre sollte noch der alten Operettenseligkeit verpflichtet sein, das Meisterwerk von Alan Jay Lerner & Frederick Loewe. Ihr am 15. März 1956 erstmals in New York aufgeführtes Werk „My Fair Lady“ brach die Rekorde von „Oklahoma!“, ist bis heute eines der weltweit meistgespielten Stücke und für viele der Inbegriff des Musicals geblieben. Zwei Lieder – „I Could Have Danced All Night“ und „On The Street Where You Live“ – standen schon vor der New Yorker Premiere in den Hitparaden. Bei der Vergabe der Antoinette Perry Awards erhielt “My Fair Lady” insgesamt neun Tonys, darunter auch den für das beste Musical der Spielzeit. Binnen weniger Jahre lief das Stück in allen Metropolen der westlichen Welt – die Berliner Bühnenfassung von Günter Neumann war nach dem Krieg die erste Musicalübertragung ins Deutsche überhaupt – der Cockney-Akzent des Blumenmädchens wird hier durch den berlinerischen ersetzt. Selbst in Moskau, wo „My Fair Lady“ im Rahmen eines Kulturaustauschs gezeigt wurde, fand das Werk so großen Anklang, dass sogleich eine russische Version davon produziert und unter dem Titel „Mya Prekrasnaja Lady“ gespielt wurde. Die aufwändige Verfilmung mit Rex Harrison und Audrey Hepburn – die Julie Andrews’ Part übernahm – erwies sich 1964 ebenfalls als Kassenschlager. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Literatur, Musicalgeschichte, Musik, Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Gottes Brot und Teufels Aufstrich (53)

Eine Graphic Novel von Monty Arnold

Limbo 53a

Fortsetzung im nächsten Heft_L

Veröffentlicht unter Comic (eigene Arbeiten) | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Die schönsten Comics, die ich kenne (11): „Die Gifticks“

„Die Gifticks“ in „Verhängnisvolle Erpressunck“
Erschienen in „Spirou“ Nr. 1752 – 1768 (1971) als „Les Krostons sortent de presse“, deutsch in „Fix und Foxi“ 12 – 18/1976 als „Für alle Gift und Galle“ und in „FF Spaß 37“ sowie neu übersetzt* als „Gefahr aus der Druckerpresse“ in der dreibändigen Gesamtausgabe, Piredda Verlag 2009
und
„Die Gifticks“ in „Ihre Unheilvolle Geburt“
Erschienen in „Spirou“ Nr. 1652 (1969) als „L’origine des Krostons“, deutsch in „Fix und Foxi“ 46/1976 und in „FF Spaß“ 34 sowie neu übersetzt* in der dreibändigen Gesamtausgabe, Piredda Verlag 2009

Eines der kuriosesten Comic-Ereignisse der 80er Jahre war Marvels Selbst- und Disney-Parodie „Howard The Duck“. Hier war die seltene Mischung aus realistischem Zeichenstil und Funny zu erleben, das Aufeinandertreffen und Interagieren von Super- und Fantasy-Helden mit einer etwas zu groß geratenen Ente in der Hauptrolle. Obwohl das Werk ein gelungener Wurf war, blieb der Enterich vom ersten bis zum letzten Panel ein stilistischer Fremdkörper. Man sah ihm jederzeit an, dass die beteiligten Zeichner (unter ihnen meine persönlichen Helden Val Mayerik und Gene Colan) nicht in seinem Genre zu Hause sind (- wobei mit diesem Aspekt durchaus inhaltlich gespielt wurde). Dieses Crossover blieb eine (bald auch verfilmte) Rarität auf dem Comic-Markt.
Soweit ich mich erinnere, hat es nur einen makellosen Fall gegeben, in dem es fotorealistische Helden mit knollnasigen Figuren als Gegenpart zu tun bekamen, ohne dass es zum Stilbruch gekommen wäre. Er wurde von einem Zeichner vorgelegt, der zumeist witzige Kleinformate betreute: Paul Deliège**.
Seine Schurken “Die Gifticks“ sind drei apfelgroße Kobolde, die im Mittelalter von einem gepeinigten Illustrator gezeichnet und mittels Alchimie zu dreidimensionalem Leben erweckt wurden, um den tyrannischen Grafen zu vertreiben. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Comic, Film, Marvel | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Konzertmeister des Neorrealismo

betr.: 101. Geburtstag von Alessandro Cicognini (Einige Quellen gehen vom 25. Januar aus.)

Alessandro Cicognini ist der wichtigste Komponist des italienischen Neorealismus und vertonte mit „Don Camillo“ eine der größten italienischen Filmreihen. Dennoch ging die erfreuliche Flut alter Filmmusik auf Tonträger, die um die Jahrtausendwende rollte, an ihm vorbei.
2008 erschien immerhin „Genosse Don Camillo“ auf CD, die Originalbänder vom letzten Film mit Fernandel als Dorfpfarrer und Gino Cervi als seinem säkularen Gegenspieler. (Ein erster farbiger „Don Camillo“ war in Arbeit, doch dann starb Fernandel.)

Genosse Don Camillo_FDer Film beginnt mit einem ausgiebigen Zeichentrickvorspann und lässt dann einige der Tracks vermissen, die auf diesem Soundtrack zu finden sind. (Digitmovies Alternative Entertainment 2008)

In allen fünf Filmen wird das „Don Camillo“-Thema variiert: ein beschwingtes Hornmotiv im Dreivierteltakt, das von Kirchenglocken begleitet wird. In den meisten Vorspann-Versionen kommt ihm kommunistische Marschmusik in die Quere, und ein Schlagabtausch-Medley beginnt. Einer dieser Märsche ist das Thema für den roten Bürgermeister Peppone; in „Genosse Don Camillo“ hören wir allerlei russische Folklore. Selbstverständlich sind das nur zwei Farben auf der Palette. Cicogninis Musik – von italienischer Oper und Volksmusik geprägt – ist so flexibel und reichhaltig wie die seiner amerikanischen Kollegen (ohne an die sprungbereite Experimentierfreude der Franzosen heranzureichen). Auch die im Laufe der „Don Camillo“-Serie anbrechenden Swinging Sixties sind deutlich herauszuhören.

Die filmhistorisch wichtigsten Projekte des Komponisten waren die Arbeiten für Vittorio de Sica, allen voran „Das Wunder von Mailand“ und „Fahrraddiebe“. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Film, Filmmusik / Soundtrack, Musik | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der Raum-Ausstatter

betr.: 43. Jahrestag des deutschen Starts von „Die Fantastischen Vier“

Inzwischen liegt das „Millennium“* so weit zurück, dass man sich auf die größten amerikanischen Comic-Künstler des 20. Jahrhunderts verständigen kann. Will Eisner und Robert Crumb haben sich demokratisch herauskristallisiert. (Dieses vollkommen berechtigte Ergebnis kam unter den erwähnenswerten Gesichtspunkten zustande, dass es Funnies stets schwerer haben, als Kunst zu gelten, und dass so ein Jahrhundert gern vom Ende her betrachtet wird – Pech für George McManus, Elzie Segar & Co.)
Meiner Meinung nach sollte man nach der Nennung von Eisner und Crumb nicht zu lange Atem holen, ehe man (spätestens) als Dritten Jack Kirby hinzufügt. Das kitzelt jene für einen delikaten Augenblick, denen der uneinholbare kommerzielle Erfolgsvorsprung dieses Mannes nicht geheuer ist. Bei Kirby ist die Versuchung besonders groß, ihn auch für die Ausrutscher jener in Mithaftung zu nehmen, die offensichtlich von ihm beeinflusst sind, und genau darin liegt eines seiner größten Verdienste: wer nach ihm kam, der bringt ihn mit zu Papier (- mindestens im amerikanischen Nicht-Funny).

kirby_space-odysseyA propos Millennium: mit dieser Adaption eines Kinoklassikers – natürlich ein Abenteuer aus dem Weltraum – meldete sich Jack Kirby bei Marvel zurück.

Das „Stendhal-Syndrom“ (das wohlige Schwindelgefühl angesichts der Schönheit der Kunst), das seinen Namensgeber beim Besuch der Franziskanerkirche Santa Croce übermannte, packt mich wohl bei keinem bildenden Künstler so schnell und unentrinnbar wie bei Jack Kirby. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Comic, Hommage, Literatur, Medienkunde, Popkultur, Science Fiction | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Gottes Brot und Teufels Aufstrich (52)

Eine Graphic Novel von Monty Arnold

Limbo 52

Fortsetzung im nächsten Heft_L

Veröffentlicht unter Comic (eigene Arbeiten) | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Noch cooler als „Fargo“

betr.:  57. Geburtstag von Oliver Platt / „Fargo“ (Erste Staffel)

Hin und wieder wird ein Kinofilm nachträglich zum Pilotfilm für eine Fernsehserie – was in unseren Tagen eine besondere Ehrung für den jeweiligen Stoff darstellt.
Filmklassiker wie „M*A*S*H“ oder „The Odd Couple“ zogen Jahre später erfolgreiche Serien nach sich, zu einer Zeit, da das Kino noch unangefochten als Königsklasse galt und das Fernsehen (durchaus in doppelten Wortsinne) „the small screen“ genannt wurde.
„Fargo“ ist wieder so ein Transfer, und an ihm lässt sich ablesen, wie viel spitzfindiger so eine Übertragung vom Film zur Serie heutzutage ausfällt.
Das Personal des Films wird nicht einfach übernommen, seine Lebensverhältnisse werden nicht schlicht weitererzählt. Die in sich abgeschlossene erste Staffel  von „Fargo“ übernimmt Schauplatz (eine Reihe fiktiver Ortschaften im winterlichen Minnesota) und Motive des besten Films der Coen-Brüder und macht daraus etwas Neues. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Fernsehen, Film, Medienphilosophie, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Broadway’s Like That (40): Wright And Forrest und die Klassik

14. Operetten-Revival am Broadway (1) 

Die Broadway-Komponisten Robert Craig Wright und George Forrest hatten schon Erfahrung mit dem Konzept, klassische Musik zur Grundlage von etwas zu machen, was wir heute als Jukebox-Musical bezeichnen. 1944 hatten sie die Musik Edvard Griegs zu einem „biografischen“ Musical mit dem Titel „Song Of Norway“ verarbeitetet.
Ihre schillerndste Arbeit aber ist sicherlich das orientalische Märchen „Kismet“ von 1953, das auf einer Kompositionen des Russen Alexander Borodin aufbaut: auf der sinfonischen Dichtung „Eine Steppenskizze aus Mittelasien“ und auf der Oper „Fürst Igor“. Vorlage war das schon zu Filmruhm gekommene gleichnamige Bühnenstück von Edward Knoblock. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Musicalgeschichte, Musik, Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Outtakes von Ralf König (55): „Jago“ (xxii)

In dieser Serie werden unveröffentlichte Zeichnungen von Ralf König vorgestellt: Skizzen, Vorstudien und Entwürfe, Outtakes, aber auch unvollendete Comics. „Jago“ von 1998 spielte mit allerlei Shakespeare-Motiven. Hier werden Passagen präsentiert, die im Buch ausgelassen oder noch einmal verändert worden sind. Fast immer handelt es sich bereits um Reinzeichnungen.
Diese Seiten, die der Meister von vorneherein für den privaten Fotokopierweg gestaltete, nähern sich dem originalen Shakespeare-Idiom wieder an, das bekanntlich sehr viel fruchtiger formuliert war, als es die Schlegel-Tieck-Übersetzung erraten lässt.

directors-cut_ausriss Weiterlesen

Veröffentlicht unter Comic, Literatur, Ralf König, Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar