The Later Animated Years – Jack Kirby beim Fernsehen

betr.: 16. Todestag von William Hanna / 106. Geburtstag von Joseph Barbera (übermorgen) / Jack Kirby / „Dexter’s Laboratory“

Es war Anfang der 80er Jahre. Ich war begeistert, als mir ein Nachbarsjunge auf dem soeben marktreifen Videorecorder seiner Eltern eine Zeichentrick-Version der „Fantastischen Vier“ zeigten wollte. Mich traf fast der Schlag: die menschliche Fackel war in dieser Billig-Produktion durch einen kleinen Roboter namens Herbie ersetzt worden. An diesem Tag habe ich gelernt, dass Verfilmungen nicht zwangsläufig lustiger sind als die gedruckte Version. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass diese Verminderung meiner Helden in Zusammenarbeit mit ihrem Schöpfer Jack Kirby geschehen war, der in jenen Tagen für das mir wohlbekannte Trickfilmstudio Hanna-Barbera arbeitete.

Bill Hanna und Joseph Barbera hatten sich nach der Auflösung der Trickfilmabteilung von MGM, für die sie einst „Tom & Jerry“ geschaffen hatten, selbständig gemacht und stellten seit Jahrzehnten erfolgreich Cartoons fürs Fernsehen her. Mit einem Budget von 35.000 Dollar pro Folge spuckten sie TV-Cartoons aus wie eine Kette von Würstchen (- darunter nicht wenige Perlen). Sie bedienten sich der Tricks der „limited animation“, die in den 50er Jahren das UPA-Studio (United Productions of America) herausgearbeitet hatte und legten den Grundstein für die heute übliche (inzwischen computergestützte) Verfahrensweise. Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (63): Die blaue Mappe (iii) – Konzertbesuch

Der Inhalt dieser Mappe (2001-02) besteht aus Vorstudien zu „Sie dürfen sich jetzt küssen“ (2003) und „Dschinn Dschinn“ (2005 und 2006), welcher zunächst als „Konrad und Paul“-Band geplant war.

Mappe 09 Weiterlesen

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Die schönsten Filme, die ich kenne: „That Lucky Touch“

Roger Moore amtierte seit kurzer Zeit als Geheimagent 007, als ihn Dimitri de Grunwald für ein Original-Drehbuch zu begeistern versuchte. Als Bonus wurde ihm die Mitwirkung von Sophia Loren in Aussicht gestellt. Kaum hatte Moore unterschrieben, sagte die Loren ab. Wir wissen nicht, ob allein das Buch den britischen Star überzeugt hätte, aber es ist nicht auszuschließen. „That Lucky Touch“ ist eine erstklassige Screwball Comedy mit satirischen Untertönen, die als leicht frivole Farce verkleidet lautlos absaufen sollte; in Deutschland tat sie das unter dem dazu passenden Titel „Bleib mir ja vom Leib“.

Die pazifistische „Washington Post“-Reporterin Julia zieht nach Brüssel, wo ihr Ex-Schwiegervater als NATO-General stationiert ist. Mit ihrer Ex-Schwiegermutter (Shelley Winters) ist die alleinerziehende Julia noch immer befreundet, was der General ächzend akzeptiert hat. Julias neuer Nachbar ist der Waffenhändler Peter (Roger Moore), der wiederum dem General ein besonders übles Maschinengewehr andrehen will. Weiterlesen

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Der größte Klettermax

betr.: 29. Todestag von Klaus Havenstein

Als Synchronsprecher arbeitete er nur von Zeit zu Zeit, denn – ähnlich wie bei Walter Bluhm, der deutschen Stimme von Stan Laurel – war sein Organ so prägnant, dass es sich sofort in den Vordergrund spielte, auch wenn das nicht zur Rolle und zur Dramaturgie passte. Bei einer dieser raren Gelegenheiten bereicherte er die deutsch-amerikanische Folklore nachhaltig: als „King Louie“ im „Dschungelbuch“.
Wer Havenstein nicht nur hörte, sondern auch sah – im Kinderfernsehen der 70er, als Gründungsmitglied der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ oder als Dauergast in den Shows von Rudi Carrell – erblickte einen freundlichen Herrn, der mit seinem grauen Klobrillenbärtchen ein wenig wie ein Dorfschuldirektor aussah Weiterlesen

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Broadway’s Like That (49): „Life is a Cabaret“

betr.: 90. Geburtstag von John Kander

Der Komponist John Kander und der Texter Fred Ebb arbeiteten 40 Jahre zusammen, und bis zum Tode Ebbs im September 2004 waren sie offiziell aktiv. Ihren letzten Musicalerfolg erlebten sie bereits 1993 mit „Kiss Of The Spiderwoman“ – und natürlich mit der oscardekorierten Filmversion ihres Klassikers „Chicago“.

16. Neue Namen, neue Formen (1)

Die wenigen Musical-Welterfolge der 60er Jahre fanden in der Regel auch den Weg auf die Leinwand. „Cabaret“ hat es in beiden Erscheinungsformen zum Klassiker gebracht.
Produzent und Regisseur der Broadwayshow war Harold Prince, der zuvor ebenfalls „Fiddler On The Roof“ produziert hatte. Auch die Konzeption des Librettos zu „Cabaret“ von Joe Masteroff hat Prince wesentlich beeinflusst.
Die Handlung basiert auf einem Schauspiel, das sich wiederum auf Erzählungen von Christopher Isherwood über das Berlin der verfallenden Weimarer Republik gründet. Für eine den Aufstieg des Nationalsozialismus begleitende Dekadenz, die das Stück konstatiert – den gefährlichen „Tanz auf dem Vulkan“ – steht in „Cabaret“ eine Metapher: ein schäbiger Berliner Nachtclub mit einem marionettenhaften, grellen, anzüglichen Conférencier. Diesen gelackten Zeremonienmeister hatte Prince übrigens einem echten Conférencier, den er in einem deutschen Nachkriegs-Nachtclub erlebt hatte, nachempfunden. Sowohl in der ursprünglichen Bühnenfassung als auch in der erheblich veränderten Filmversion von 1972 (in der „Cabaret“ kein Konzeptmusical mehr, sondern ein linear erzähltes Drama ist) spielte Joel Grey diese Rolle. Sein Opening „Wilkommen“ (sic!) gehört zu jenen Nummern, die sich längst völlig aus ihrem Kontext gelöst und in den geflügelten musikalischen Zitatenschatz begeben haben. Dieser Zeremonienmeister ist ein rätselhafter, dämonischer Charakter, den wir niemals privat zu Gesicht bekommen. Jeder, der diese Rolle heute spielt – und Gelegenheit dazu gibt es zahlreich, denn das Stück behauptet sich seit Jahrzehnten auf unseren Spielplänen – muss sich gegen Joel Greys definitive Originalinterpretation behaupten. Weiterlesen

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The Glorious Theater Lyrics Of Monty Arnold (18): „Der lachende Vagabund“

betr.: 58. Jahrestag der Verleihung des ersten „Löwen von Radio Luxemburg“ an Fred Bertelmann

Als „Der lachende Vagabund“ in Deutschland zu einem der großen Wirtschaftswunder-Hits wurde, gab es bereits zwei US-Versionen. Der Countrysänger Jim Lowe hatte 1953 „Gambler’s Guitar“ geschrieben und weitgehend unbemerkt herausgebracht, noch im selben Jahr folgte die Coverversion von Rusty Draper, die ein Millionenhit wurde. In Fred Bertelmanns deutscher Version ging es, wie schon im Original, darum, bei jedem Refrain in ein möglichst überzeugendes Gelächter auszubrechen. „Der lachende Vagabund“ erschien 1957, im Gründungsjahr des deutschen Programms von Radio Luxemburg (RTL). Er war im folgenden Jahr Spitzenreiter der ersten Hitparade des Senders und noch zwanzig Jahre später ein Radio-Evergreen.
Die folgende Parodie darauf stammt aus meinem Live-Solo-Krimihörspiel „Madame wünscht kein Aufsehen“.

Der lachende Intrigant
Text: Monty Arnold nach „Der lachende Vagabund“ (Lowe/Moesser)

Lalalala – ahahahahaha!

Was ich erlebt hab, das konnt nur ich erleben,
ich bin ein Intrigant!
Mir braucht kein Mensch einen leisen Wink zu geben!
Ich bin penetrant! Ich bin penetrant! Weiterlesen

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Broadway’s Like That (48): Abgesang mit dem „Rat Pack“

15. Das Ende der Tin Pan Alley (7)

Frank Sinatra und sein „Rat Pack“ waren mit ihrer legendären Konzertreihe in Las Vegas und einer Handvoll Filmen die letzte und letztmalig siegreiche Sturmtruppe des Old School Entertainment gegen den Rock’n’Roll und die von ihm angeregte neue Popmusik aus Europa. Dann dann fegten die Swingin‘ Sixties jene Musikrichtung beiseite, nach der sie benannt waren.
1964 eroberten britische Beat-Bands schlagartig die amerikanischen Hitparaden – noch setzte sich bei der Grammy-Verleihung für den besten Song des Jahres die Titelmelodie des Jerry-Herman-Musicals „Hello Dolly“ gegen „A Hard Day’s Night“ von den Beatles durch, aber die alten Meister des Broadway räumten das Feld. Leonard Bernstein widmete sich seinen zahlreichen Tätigkeiten auf dem klassischen Sektor, Cole Porter hatte sich schon einige Jahre lang zurückgezogen, als er in jenem Jahr starb. Das letzte Musical des greisen Irving Berlin – ein John F. Kennedy gewidmetes Werk namens „Mr. President“ – war ein Misserfolg gewesen. Richard Rodgers sollte mit keinem Songtexter zu einer ähnlich erfolgsträchtigen Zusammenarbeit wie mit Lorenz Hart oder Oscar Hammerstein II finden, Frederick Loewe gab das Komponieren ganz auf, ebenso Harry Warren, der im neuen Sound gar nichts Musikalisches mehr erblicken mochte. Weiterlesen

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Der Song des Tages: „Inka Dinka Doo“

betr.: 101. Geburtstag von Harry James / Jimmy Durante

Der Song „Inka Dinka Doo“ ist als Kabinettstückchen der Unterhaltungsgeschichte immerhin so wichtig, dass er in „That’s Entertainment 2“ kurz angespielt wird, in jenem Kompilationsfilm, in dem Fred Astaire und Gene Kelly durch die Highlights des MGM-Musicals führen, die der erste Teil der Reihe übriggelassen hat. In dieser kurzen Sequenz entdeckte ich den Komiker Jimmy Durante (Komponist und Ur-Interpret des Songs) und erblickte erstmalig meinen klassischen Lieblingsjazzer Harry James in bewegten Bildern.

Durante„Manchmal singe ich so hübsch, dass ich mir selbst das Herz breche!“ – Durantes Dauerbrenner auf dem deutschen Tonträgermarkt.

Jimmy Durante ist der Inbegriff des Vaudeville-Entertainers, ein Dinosaurier, der es in den Film und damit bis ins Youtube-Zeitalter geschafft hat. Sein Humor war – auf dem ersten Blick – deftig, krachend, physisch und verdrängend. Der alte Wicht mit der Riesennase und der Krächzstimme war aber auch zu allergrößter Zartheit und Poesie in der Lage, wie seine Schallplattenaufnahmen beweisen. Er trägt Songs wie „As Time Goes By“ oder den „September Song“ nicht nur außerordentlich wirkungsvoll vor, er macht sie sich auch sofort völlig zueigen, unabhängig davon, wer das zuvor schon versucht oder geschafft hat. Weiterlesen

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Die schönsten Filme, die ich kenne (18): „Verräter“

Sein wir mal ehrlich: deutsche Krimiserien waren in den seligen Tagen der Wirtschaftswunder-„Flimmerkiste“ unsagbar peinlich – egal, ob für’s Kino („Edgar Wallace“) oder für’s Fernsehen (die dramaturgielosen Durbridge-Verfilmungen). Eine der wenigen Ausnahmen war „Die Gentlemen bitten zur Kasse“, bei denen sich das Prädikat „nach einer wahren Begebenheit“ einmal tatsächlich als Qualitätskriterium erwies.
Und: der ZDF-Dreiteiler „Verräter“ (1967) von Victor Canning.
In dieser figurenreichen Spionage-Geschichte spielte so ziemlich alles mit, was damals Rang und Namen hatte (und noch bekommen würde: auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes sind z.B. zwei Herren zu erleben, die bald darauf im Ermittler-Ensemble des „Kommissars“ Erik Ode aufgehen sollten). Weiterlesen

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„Ich war das Funkemariechen des Medienbetriebs“

betr.: 84. Geburtstag von Eberhard Storeck*

Die „Muppet Show“ war feuchter Traum und (aussichtslose) Inspirationsquelle praktisch aller TV-Redakteure, mit denen ich in den 80er und 90er Jahren in Sitzungen zusammentraf. Diese Sendung heute wiederzusehen, ist ein zweischneidiges Vergnügen. Sieht man sie auf Deutsch, vermisst man (zumindest in den Sketchen und Dialogen) die berühmten Originalstimmen der Gaststars. Sieht man das Original, fehlt die köstliche Bearbeitung von Eberhard Storeck. Ein Purist könnte nun einwenden, die Muppets (eigentlich ein Programm für Erwachsene mit einem männlichen Sprecher für Miss Piggy), könnten doch in einer kindgerechten deutschen Fassung unmöglich funktionieren. Wer so argumentiert, ist zu jung, um mit diesen Dingen aufgewachsen zu sein. (Und analysiert sie lieber, als sie tatsächlich anzuschauen.) (Und übersieht, dass die besagte Männerstimme kein subversiver Scherz war, sondern eine Miterledigung durch einen der Puppenspieler, die von Haus aus eben keine Sprecher waren).
Eberhard Storeck hat sich auf solche Diskussionen ohnehin nicht eingelassen. Wie sich das für die Synchronschaffenden seiner Generation gehört, hatte er andere Pläne gehabt, als deutsche Tonspuren zu schaffen bzw. Kinderaugen zum Leuchten zu bringen. Er ließ sich lange Zeit nur ungern zu seiner Arbeit interviewen. Weiterlesen

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