Broadway’s Like That (36): „You’ll Never Walk Alone“

13. Richard Rodgers mit Oscar Hammerstein II (2)

Zu den Neuerungen die mit „Oklahoma!“ Einzug hielten gehört auch der Brauch, Musicals kurz nach der Broadway-Premiere in Originalbesetzung für die Schallplatte einzuspielen. Dass dies also unabhängig vom noch nicht absehbaren Erfolg geschah, führte dazu, dass sich viele sonst vergessene Shows immerhin im „Original Broadway Cast Recording“ erhalten haben.

Auch wegen des ungewöhnlichen folkloristischen Sujets, hatte man der New Yorker Premiere von „Oklahoma!“ mit Skepsis entgegengesehen. Ein Bonmot kursierte: „Keine Beine, keine Witze, keine Chance!“ Es war dann gerade der Rückgriff auf amerikanische Traditionen, der einer der Gründe für den gewaltigen Erfolg von „Oklahoma!“ ausmachte.
Eine Bekräftigung amerikanischer Werte musste 1943 – zu Kriegszeiten – hochwillkommen sein. Diese Tendenz mag aber bereits in den 30er Jahren vorbereitet worden sein, als die Amerikaner – gebeutelt von der Depression – auf der Suche nach Identität und Kontinuität, ihr Land, ihre Traditionen gleichsam neu entdeckten. Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (10): „Porky“ (viii)

betr.: Erotischer Comic / Serie – Fortsetzung vom 26.1.2016

In dieser Serie werden unveröffentlichte Zeichnungen von Ralf König vorgestellt: Skizzen, Vorstudien und Entwürfe, Outtakes, aber auch unvollendete Comics wie „Porky“ von 1991.Porky 22a

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Die schönsten Comics, die ich kenne (7): „Popeye sucht einen Job“

betr.: 122. Geburtstag von Elzie Crisler Segar

„Popeye sucht einen Job“
Text und Zeichnungen: Bud Sagendorf
Übersetzung: Hansjürgen Meyer
Deutsch 1976 im Ehapa Verlag Stuttgart

Bud Sagendorf war der Schüler des Popeye-Erfinders Elzie Segar. Er zeichnete den Multi-Medienstar mit der Vorliebe für Spinat* sagen(dorf)hafte 56 Jahre lang. Stilistisch blieb alles weitgehend beim Alten, doch inhaltlich machte die Serie nach dem frühen Tod ihres Schöpfers eine Wandlung durch. Der gelegentliche stimmungsvolle Grusel verschwand, und auch der Humor wurde ein anderer. Dazu ein Beispiel aus der Segar-Ära: Popeyes Papa, ein weißbärtiger Seebär, prahlt mit den vielen Feinden, die er sich im Laufe seines langen Lebens gemacht hat. Zum Beweis stellt er uns einen mickrigen, ebenfalls weißbärtigen Wicht vor: „Während der letzten 75 Jahre hab‘ ich mir nur ein Freund gemacht, aber ich hab tausende von Feinden gemacht, die ich hasse. Ich kann’s nur mit Pokey Jones. Er ist immer noch mein Freund!“ Der Angesprochene ist damit offensichtlich überhaupt nicht einverstanden. „Früher war er mein Feind“, fährt der boshafte Alte fort. „Aber dann hab ich ihn mir betrachtet un‘ gesehn, dass er nich‘ wert ist, dass ich ihn hasse. So hab ich ihn zum Freund gemacht.“ Pokey kann nun nicht länger schweigen: „Du alter Geier! Du Ratte!“ flucht er und droht mit Prügel. Weiterlesen

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Veräppeln für den Frieden

betr.: 212. Geburtstag von Houdin

Es kommt zuweilen vor, dass große Vorbilder von ihren Epigonen überflügelt werden. Der Name Houdin strahlt in Magierkreisen vermutlich hell wie eh und je, dem Normalverbraucher erklärt man ihn am schnellsten damit, dass er der Namensgeber des insgesamt weitaus populäreren Entfesslungskünstlers Harry Houdini gewesen ist, des „kleinen Houdin“.

houdinBehauptete Enthauptung: Houdin auf einem seiner Plakate

1856 fand in Algerien ein Zauberer-Duell statt. Kaum hatte einer der Magier ein etwas räudiges Huhn aus dem Ärmel seines weiten Umhangs hervorgezaubert, war er spurlos verschwunden. Sein Gegner hatte den Konkurrenten – so schien es – mit einem Pistolenschuss in Luft aufgelöst.
Der Mann, dem dieser Trick gelungen war, hieß Robert Houdin – und der wollte sich nicht nur als der Bessere beweisen, er zauberte sogar im auftrag der französischen Regierung. Die traute ihm zu, den Krieg zwischen algerischen Aufständischen und der Kolonialmacht zu verhindern. Weiterlesen

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Die schönsten Comics, die ich kenne (6): „Herlock Sholmes und Dr. Waston“

„Die Abenteuer des Herlock Sholmes“: „Am Hofe von König Artus“
Text: Zvonimir Furtiner, Zeichnungen: von Jules Radilovic
Erschienen: 1957 im jugoslawischen Magazin „Plavi Vjesnik“, deutsch 1976 in „Yps“

Den Arbeiten osteuropäischer Zeichner begegnete ich zumeist in „Fix und Foxi“, wo die Kollegen zum deutschen Kauka-Team gehörten*. Eine Ausnahme war der (ebenfalls anonyme) Auftritt von Jules Radilovic und seines Ermittlers Herlock Sholmes in der legendären Jugendzeitschrift „Yps (mit Gimmick)“. Die angemessene deutsche Entdeckung dieser Serie aus den 50er Jahren steht noch aus, denn nach zwei Fortsetzungsgeschichten ward sie nie mehr gesehen. Ihr Zeichenstil ist klar und aufgeräumt, aber historisch präzise und diskret mit köstlichen Details gespickt.

Ähnlich wie in den Filmen „Genie und Schnauze“ oder „Das Privatleben des Sherlock Holmes“ wird der berühmteste Detektiv der Welt ein wenig hinterfragt und neu ausgedeutet. Bei Radilovic und seinem langjährigen Autor Zvonimir Furtiner geht es jedoch nicht um Demontage – ihr Sholmes ist nicht der Übermensch der klassischen Vorlage, zuweilen verzweifelt er fast an der Tücke des Objekts, doch letztlich bleibt er Herr der Lage und ist ein Verkleidungskünstler, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. (Unvergessen sein Auftritt als Baum, der so überzeugend ist, dass an seiner Wurzel ein Hundebeinchen gehoben wird. Doch auch als Hund macht Sholmes an anderer Stelle eine gute Figur.) Weiterlesen

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Retronostalgie

betr.: der heutige 3. Versuch Österreichs, einen Präsidenten zu wählen

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Lassen Sie sich von der ersten Strophe dieses Brettl-Textes von Walter Rilló aus dem Jahre 1917 nicht täuschen – sie ist so zeitlos, dass ihr eine gewisse Banalität anhaftet. Ab der zweiten Strophe macht sich das Werk langsam auf in Richtung Gegenwart.

rillowien2 Weiterlesen

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Tatorte – „Game Of Thrones“ und die seriöse Polizeiarbeit

betr.: 60. Geburtstag von Evan Hunters Erzählung „The Last Spin“ / Game Of Thrones“, Staffel 6

Warum so viele Menschen so gerne Fantasy lesen, ist nicht einfach zu erklären. Warum diese Art von Literatur so gerne geschrieben (und verfilmt) wird, schon. Es ist bequemer, Abenteuer in erfundenen Welten spielen zu lassen, wie schon Ed McBain (alias Evan Hunter) wusste, der Urvater des Polizeiromans.
Seine Geschichten um das „87. Polizeirevier“ spielen in einer fiktiven Big City, die leicht als verkleidetes New York erkennbar ist (ähnlich wie Batmans Gotham, aber weniger expressionistisch verfratzt). Die Halbinsel heißt hier nicht Manhattan sondern Isola, Riverhead steht für die Bronx, Diamondback für Harlem, Majesta für Queens, Calms Point für Brooklyn. Es gibt sogar einen Hudson und einen East River – sie heißen allerdings Harb und Dix.
Ursprünglich hatte McBain häufig mit den Cops telefonieren müssen, um sich zu erkundigen, wo sich dies und jenes befand. Die ersten drei Romane hatten nämlich brav in New York gespielt, und die lästige Nachfragerei war notwendig gewesen.
Die Verlegung der Reihe, die sich bald als Erfolg herausstellte und fortgesetzt wurde, ins mythische Isola sparte nun eine Menge Zeit. Weiterlesen

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Broadway’s Like That (35): Die Musical-Klassiker-Fabrik

13. Richard Rodgers mit Oscar Hammerstein II (1)

„Oh, What A Beautiful Morning“  – Eine junge Farmersfrau sitzt allein auf der Bühne und macht Butter. Ein junger Mann tritt singend hinzu, begrüßt beglückt den herrlichen Sommermorgen. Auf diese ungewöhnliche Weise – keine Chorus Line, keine spektakuläre Ensemblenummer, stattdessen ein lyrischer Song, der Atmosphäre schafft und zugleich schon den singenden Protagonisten charakterisiert – auf diese Weise beginnt „Oklahoma!“.

Ein Meilenstein in der Geschichte des Genres Musical, leitete „Oklahoma!“ 1943 eine neue Ära ein, die von Historikern als Golden Age Of The Broadway Musical bezeichnet wird. Weiterlesen

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Der Song des Tages: „Best Of Friends“

betr.: 28. Jahrestag des deutschen Kino-Neustarts von „Cap und Capper“ am 1.12.

Die Filmmusik zu „Cap und Capper“ („The Fox And The Hound“) wurde nie als Tonträger herausgegeben. Dieser Zeichentrickfilm entstand zu einer Zeit, als der heute übermächtige Disney-Konzern sich in einer Talsohle befand. (In jenen Jahren brachte das Studio Filme wie „Taran und der Zauberkessel“ heraus, für die es sich später lange Zeit schämte.) Ich habe den Film „Cap und Capper“ nie gesehen, und trotzdem ist der zentrale Song daraus mir ans Herz gewachsen. Die Nachtclub-Sängerin Pearl Bailey singt ihn: „Best Of Friends“. Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (51): „Jago“ (xix)

In dieser Serie werden unveröffentlichte Zeichnungen von Ralf König vorgestellt: Skizzen, Vorstudien und Entwürfe, Outtakes, aber auch unvollendete Comics. „Jago“ von 1998 spielte mit allerlei Shakespeare-Motiven. Hier werden Passagen präsentiert, die im Buch ausgelassen oder noch einmal verändert worden sind. Fast immer handelt es sich bereits um Reinzeichnungen.
Diese Seiten, die der Meister von vorneherein für den privaten Fotokopierweg gestaltete, nähern sich dem originalen Shakespeare-Idiom wieder an, das bekanntlich sehr viel fruchtiger formuliert war, als es die Schlegel-Tieck-Übersetzung erraten lässt.

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