Tierhaargespräche

betr.: die letzten schönen Tage
Altweibersommer

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Drei Wege, einen Klassiker zu beenden

betr.: 230. Geburtstag von James Fenimore Cooper

Die Kids meiner Generation wurden mit einer bestimmten Art von Literatur zuverlässig im Kinderprogramm des Fernsehens und in Form diverser Hörspielumsetzungen versorgt. Diese literarischen Vorlagen werden heute gern unter dem Begriff „Abenteuer-Klassiker“ zusammengefasst: Weltliteratur, die nach einigen Weichspülgängen ins Kinderzimmer weitergereicht wurde. Der uneinholbare Hit in dieser Liste war „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson (ein Autor, der inzwischen vor allem für seinen „Dr. Jekyll And Mr. Hyde“ geliebt wird). „Die Schatzinsel“ erschien tatsächlich erst 2013 erstmals in ungekürzter Übersetzung – ein ungeheurer Lesespaß übrigens. Die genaue Zahl ihrer (kindgerechten) Verfilmungen kennt vermutlich nicht mal das Internet.

Auch die „Lederstrumpf-Erzählungen“ von James Fenimore Cooper müssen mir häufiger begegnet sein, denn Weiterlesen

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Wer hören will, muss fühlen

betr.: Buch und Hörbuch „Das Duell“ und dessen Übertragung in der Funkreihe „Am Morgen vorgelesen“

Volker Weidermann ist der Moderator einer Literatursendung, die ein zentrales Bedürfnis und eine große Sorge hat. Sie will verhindern, dass irgendein Mensch, der ihr zusieht, die Literatur oder den Vorgang des Lesens an sich zu ernst nehmen könnte. Und sie fürchtet sich sehr, selbst als intellektuell wahrgenommen zu werden. Mit betonter Flapsigkeit (so nach dem Motto: „Dostojewski musste auch mehrmals täglich aufs Klo.“) wird hier die Botschaft ausgegeben: bleibt cool, Leute. Ist doch nur bedrucktes Papier.
Das ist legitim, zumal in einem Programmumfeld, in dem man sich über jede Literatursendung gefälligst freuen muss. Doch leider heißt dieses Format „Das literarische Quartett“ und betrachtet sich als Nachfolger der gleichnamigen Sendung aus dem 90er Jahren. Wer diese und ihren Vorsitzenden Marcel Reich-Ranicki geliebt hat, dem fällt es schwer, angesichts der Wiederauflage cool zu bleiben.

Folgerichtig und ausgerechnet jener Volker Weidermann hat nun Marcel Reich-Ranicki und dessen Lieblingsfeind Günter Grass ein Doppelportrait gewidmet: „Das Duell“. Weiterlesen

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Richard Kummerfeldt – An den Rändern der Traumfabrik (7)

Fortsetzung vom 6. 9.2019

Diesen Bericht seiner späten Aktivitäten als freier Filmmusikproduzent verfasste Richard Kummerfeldt im Exil in Südamerika für ein (deutsches?) Fachmagazin. Es gewährt Einblicke in die letzten Jahre der Tonträgerindustrie vor deren Verschlafenen der digitalen Revolution, in die Welt der käuflichen Filmmusik, die Seele des Sammlers (heute „Nerd“), die Finessen des sich wandelnden Urheberrechts und erzählt von der Arbeit mit schwierigen Bürohengsten und Künstlerpersönlichkeiten in den 90er Jahren.

In Cannes steht ein Fettnäpfchen

Mir flatterte „Ein Engel an meiner Tafel“ auf den Tisch, Joe Haensch wurde mit „Company Business“ vorstellig. Die in Berlin stattfindenden Musikaufnahmen waren ein guter Anlass, Joe endlich persönlich kennenzulernen und dem Komponisten bei seinem Dirigat zuzuschauen. Intrada veröffentlichte den Titel in den Staaten, Europa wurde mir überlassen. Merkwürdigerweise verkaufte sich die CD im Inland sehr schwer. Der Sammler in Deutschland bevorzugte das amerikanische Original, auch wenn er dafür fünf Mark mehr hinblättern musste und die Musik zu 100% identisch war. Die Verkäufe ins benachbarte Ausland kompensierten diese Missernte einigermaßen. Weiterlesen

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Die wiedergefundene Textstelle: Monolog Norman Bates

betr.: 27. Todestag von Anthony Perkins

Anthony Perkins war so erfolgreich mit seiner Verkörperung des liebenswerten Psychopathen Norman Bates in ersten modernen Horrorfilm, dass er die Rolle „nie mehr loswurde“, wie es dann immer so schön heißt. Und so manches mal mag er auf dem Weg zur Bank darob geweint haben, wenn er seine Gage abheben ging.
Vielleicht hat er den  Erfolg und das lebenslange Interesse aber auch genossen; so ganz genau wissen wir es nicht.
In dieser Szene, die als Monolog wiedergegeben wird, ist er einfach nur ein schüchterner Junge an einem einsamen Ort, der begreiflicherweise nervös wird, als sich während einer Gewitternacht eine attraktive Blondine in seinem ansonsten leeren Motel einquartiert.
Seit sie die Hauptstraße verlegt haben, hat er hier nicht mehr viele Gäste und noch weniger Ansprache …

Nein, ich hatte ihretwegen durchaus keine Un-Unannehmlichkeiten. Es … (äh) Mutter (äh) ich meine meine Mutter … warum soll ich lügen…sie ist nicht mehr so ganz beieinander.
Täte mir leid, wenn Sie … jetzt keinen Appetit mehr hätten. Ich weiß schon, es ist bestimmt wegen der dummen Streiterei. Weiterlesen

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Die schönsten Filme, die ich kenne (96): „Die letzte Vorstellung“

Coming-Of-Age-Filme können sehr unterschiedlich grundiert sein. „The Last Picture Show“ (1971), der zweite Film des Regisseurs und Filmhistorikers Peter Bogdanovich, erzählt von großer Finsternis – einer perspektivlosen Mittelklasse-Jugend in der Provinz – und tut das mit allen Zwischentönen, für die das menschliche Gemüt empfänglich ist.

1951 in Anarene, einem Kaff in Texas. Die Ölindustrie prägt die Atmosphäre, und obwohl die Kids am Leben ihrer Eltern deutlich ablesen können, was ihnen nach dem Highscool-Abschluss bevorsteht – ein Leben in öden Jobs und lieblosen Ehen – fiebern sie diesem Ereignis entgegen. Weiterlesen

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Die Marvels wie sie wirklich waren: Fantastic Four / Die Fantastischen Vier (6)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier wiederzugeben. 

Die Fantastischen Vier auf dem deutschen Comicmarkt
von  Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/ (Fortsetzung vom 26.8.2019)

Teil IV
Panini – Paten der Superhelden?
(1996 bis heute)

FV 128_SchuberIm Gegensatz zu „Spider-Man“ ging die FV-Fortsetzung von Panini ziemlich in die Hose. Trotz guter Vorsätze und ambitionierter Aufmachung findet man Paninis FV-Schuber nur allzu oft im Ramsch wieder.

Nachdem der Stuttgarter Dino Verlag mit den MTV-Chaoten „Beavis & Butthead“ (Juli 1994) und den parallel zur Zeichentrickserie laufenden „Batman Adventures“ (Juni 1995) einigen Erfolg verbuchen konnte, folgten „Superman“ (Januar 1996) und die „Simpsons Comics“ (November 1996). Mit dem Neustart der mehr als sieben Jahre zuvor bei Ehapa eingestellten Serie um den Stählernen vom Planeten Krypton begann ein wahrer Superhelden-Boom an den Kiosken. Mit mäßigen Verkaufszahlen hatte DCs Wahrzeichen ein Comic-Dasein bei diversen Verlagen (Feest, Hethke, Carlsen) gefristet, bis es den Weg zurück in die Schwabenmetropole und damit zum Erfolg fand. Jahrelang hatte nach den Superhelden kein Hahn mehr gekräht und bei den Händlern lagen die Hefte wie Blei. Nun war es nur eine Frage der Zeit, bis Epigonen auf den Dino-Zug aufsprangen und ins Superhelden-Verlagsgeschäft einstiegen. Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (165): „Stehaufmännchen“ (ix)

Fortsetzung vom 31.8.2019

Das Buch „Stehaufmännchen“ wird als Theateraufführung erzählt. Ursprünglich hätte die Rahmenhandlung den Paläoanthropologen Prof. Dr. Hanebüchen in einer Talkshow gezeigt, der – je nach Arbeitsstadium – von einer schlichten Daily-Talkerin befragt (und unterfordert) wird oder von der (real existierenden) Berliner Drag-Queen Jurassica Parka, die zwischen den Einspielfilmen sogar das Outfit wechselt wie sich das gehört. Ausnahmsweise gab es zuerst ein Manuskript. Die entstandenen Zeichnungen sind an der entsprechenden Stelle in den Dialog eingebaut – mitunter in zweifacher Ausführung.

Krakensex (um 1990)

(Filmzuspielung endet)

Jurassica: Hm. Aber ist doch komisch, oder? Wenn man Filme über die Urzeit sieht, schwul oder lesbisch waren die Neandertaler anscheinend nie!

Prof. Hanebüchen: Wieso jetzt die Neandertaler, was …?

Jurassica: Nun gibt es aber ernstzunehmende Stimmen aus dem LGBTQAPW-Umfeld, die sind der Auffassung, dass zwischen Ihren beiden männlichen Individuen keinerlei Gewaltanwendung stattgefunden haben könnte.

Prof. Hanebüchen: Stimmen aus dem was? Weiterlesen

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Richard Kummerfeldt – An den Rändern der Traumfabrik (6)

Fortsetzung vom 30.8.2019

Diesen Bericht seiner späten Aktivitäten als freier Filmmusikproduzent verfasste Richard Kummerfeldt im Exil in Südamerika für ein (deutsches?) Fachmagazin. Es gewährt Einblicke in die letzten Jahre der Tonträgerindustrie vor deren Verschlafenen der digitalen Revolution, in die Welt der käuflichen Filmmusik, die Seele des Sammlers (heute „Nerd“), die Finessen des sich wandelnden Urheberrechts und erzählt von der Arbeit mit schwierigen Bürohengsten und Künstlerpersönlichkeiten in den 90er Jahren.

Ein Loch im Lattenzaum

Nach diesem Schnellschuss machte ich mich an die nächsten Titel von General Music. Das Weihnachtsgeschäft beginnt halt schon im September.
„The Wanderers“ hatte ich zuletzt erfolgreich verdrängt und das Projekt nach der letzten Absage von Warner Bros. USA im Grunde auch abgeschrieben, als mir Peter Kiefer, seinerseits Leiter des Außendienstes, an einem verregneten Herbsttag freundlich lächelnd die CD auf den Tisch legte. Ein Billiglabel aus Lüneburg hatte die CD gerade auf den Markt gebracht. Was konnten die, was ich nicht konnte? Weiterlesen

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Ein ungewöhnlicher Held der Arbeit

betr.: 37. Geburtstag des Animationsfilms „John Henry and the Inky-Poo“

Ein Märchen der afro-amerikanischen Folklore gibt die Handlung vor: In einer Gewitternacht wird John Henry geboren – bereits erwachsen, riesengroß und muskelbepackt: „I’m John Henry!“ – „I is your Mom!“. Kaum hat er zum ersten Mal eine Eisenbahn gesehen, weiß er, dass er beim Schienenbau tätig sein will. Als die Arbeiter mit der Maschine Inky-Poo eine leistungsfähigere und zuverlässigere Konkurrenz erhalten, schlägt John Henry einen Wettkampf Mann gegen Maschine vor. Er besiegt den Stahlkoloss, doch hinter der Ziellinie bricht er tot zusammen.

John Henry
„Tu’s nicht, Henry!“ – doch die Warnung wird in den Wind geschlagen … (Image Entertainment)

Heute wäre – wenn man ihn noch irgendwo zu sehen bekäme – „John Henry and the Inky-Poo“ ein Kuriosum: Weiterlesen

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