Der Song des Tages: „Why Should I Care?“

betr.: 23. Todestag von John Addison

Ein guter Schauspieler kann einen schlechten spielen, ein großer Komödiant einen elenden – umgekehrt geht das nicht.
Auf dieser simplen Formel beruht die anhaltende Faszination des Stückes „The Entertainer“ von John Osborne, das schlichtweg unverwüstlich ist (solange sich nicht ausgerechnet Christoph Marthaler daran vergreift), obwohl es einen sehr klar definierten Gegenstand hat: das heruntergekommene britische Empire, das als maroder Amüsierbetrieb abgebildet wird. Glücklicherweise ist die Originalbesetzung des peinlichen Komikers Archie Rice mit Laurence Olivier in der Filmversion konserviert worden.
Sein Signature Song, das Lied, mit dem der verkrachte Unterhalter vom Publikum – von seinem wie von dem des Stücks – identifiziert wird, stammt von John Addison, einem begabten Filmkomponisten. Es ist eine dieser Nummern, die das Kunststück fertigbringen, ihre nicht unkluge Botschaft zu ironisieren, ohne sie vollends preiszugeben.* „Why Should I Care?“ (nicht mit seinen Namensvettern zu verwechseln) hat großen Anteil am Erfolg des Stücks.
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* Eine weitere ist diese hier: https://blog.montyarnold.de/2018/02/11/der-song-des-tages-laugh-clown-laugh/

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Seewolf in Sicherheit

betr.:  ZDFneo zeigt die Spielfilmfassung des „Seewolf“ um 9.20 Uhr und um 22.15 Uhr.

Die ZDF-Adventsvierteiler der 60er und 70er Jahre gehören zu den TV-Antiquitäten, die schon durch Herkunft und Patina einen Anspruch auf den Begriff „Kult“ haben. Der prachtvollste von ihnen ist „Der Seewolf“ von 1971, der sechste Beitrag der Serien-Reihe. (Das zweiteilige Remake von 2009 dürften inzwischen sogar jene vergessen haben, die darin auftraten.) Künstlerisch hatte auch er ein Problem, das all diesen Produktionen zusetzte: das Ausfüllen von sechs Sendestunden führte zu einer Langsamkeit, die uns schon in der guten alten Zeit zuweilen auffiel. Die Drehbücher waren ausgestopft mit überflüssigen Szenen, textlicher Redundanz, Sprechpausen und endlos gedehnten Einstellungen, die jede Dramaturgie schlappmachen ließen. In Jack Londons „Seewolf“ baute Bearbeiter Walter Ulbrich außerdem ein paar andere Erzählungen des Autors ein. So kommen die Gegenspieler Van Weyden und „Seewolf“ Larsen zu einer Rückblende, die sie zu Jugendfreunden macht, die einander aus den Augen verloren hatten. Unvergessen sind die Szenen eines besonders langen Überlebenskampfes von Van Weyden in der Wildnis, in denen uns ein Hund als räudiger Wolf verkauft wird (die Erzählerstimme entschuldigt sich sogar dafür).

„Richtiger kann ich mir eine ‚Seewolf‘-Verfilmung nicht träumen! Es gab nicht einen einzigen Meter Langeweile!“ So zitiert der Trailer eine Kritikermeinung, die vermutlich nicht die TV-Fassung meint …

Es ist ein wenig schade um diese mit großer Sorgfalt produzierten Kuriositäten aus dem Archiv. Was sie unter anderen Bedingungen wert sein könnten, lässt sich am Beispiel ihres großen Spitzenreiters studieren. Wegen seines Erfolges wurde „Der Seewolf“ auf eine zweistündige Kinofassung heruntergeschnitten. Sie ist ein flottes nostalgisches Vergnügen.
Zwangsläufig erhalten geblieben ist der Showdown, in dem sich der kraftstrotzende Schurke Raimund Harmstorf als sieches Wrack ein letztes Mal aufbäumt. Was die Maske und Harmstorf selbst hier leisten, ist immer noch beeindruckend! 
Auch mein Lieblingssatz ist noch drin: „Noch lange nachdem nein Verstand wieder völlig intakt war, hasste ich jeden Menschen, den ich etwas essen sah.“  

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„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (9)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 26. November 2021

Zeitgenössische Illustration von Paul Orban

Serge Manow rannte in sein Studio hinauf, und die Angestellten in der Wohnung des Chauffeurs hörten, wie er aufschrie. Der Schrei war so gellend und markerschütternd, dass die Leute von den Sitzen gerissen wurden. Die Köchin, die nicht beim Chauffeur war, weil sie sich um das Abendessen kümmern musste, schnitt sich vor Schreck mit dem Metzgermesser in den Finger. Das Messer ging durch bis auf den Knochen, und die Wunde blutete noch eine ganze Weile erheblich — eine Tatsache, die sich nachträglich als bedeutungsvoll erwies. Weiterlesen

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Animals oder Englisch müsste man können

betr.: 45. Jahrestag der ersten Fotosession für das Cover von „Animals“

Eines der im Rückblick vorherrschenden Gefühle meiner Pubertät war das Bedürfnis, Englisch zu können – besser Englisch zu können als es der Stand der Schulbildung zuließ. Ich hatte erst in der 7. Klasse meine erste Englischstunde, da ich in der Nähe deutsch-französischen Grenze aufwuchs und mit Französisch angefangen wurde (was hübscher aber viel weniger cool war)*. Und selbst als es dann endlich losging, waren meine Mitschüler und ich noch längst nicht in der Lage, die coolen Songs im Radio zu verstehen oder auch nur halbwegs fehlerfrei mitzusingen.
So kam es zum Beispiel, das mir meine Mitschülerin Anja Hansen mit wissender Miene erklärte, der Name „Pink Floyd“ würde „rosarotes Schwein“ bedeuten. Ich war skeptisch. Nicht weil ich es auf Anhieb besser gewusst hätte, sondern weil mir das als ein Pleonasmus erschien (zumal in unserer ländlichen Gegend). Ein paar Tage später fiel mir noch ein, dass „Schwein“ doch eigentlich „Pig“ heißen müsste, aber da hatte ich keine Lust mehr, das Thema noch einmal aufzurollen.
Jedenfalls steht fest, was Anja diesem Irrtum aufsitzen ließ: das berühmte Cover der LP „Animals“. (Die Gruppe Pink Floyd war in Schulkinderkreisen sehr beliebt, nachdem sie sich mit „Another Brick In The Wall“ dort angebiedert hatte …)**

Wie ich heute weiß, war dieses Cover vor allem unter den Gesichtspunkten eines Faches interessant, auf das wir alle gerne verzichtet hätten: Physik. Die Gruppe Pink Floyd hat sich damals tatsächlich ein großes Plastikschwein anfertigen lassen und es mit Helium gefüllt, um das Foto zu machen. Sie bestellten Fotografen zur Battersea Powerstation, doch die kamen nicht zum Zuge. Es war zu wenig Helium vorhanden, um das Schwein abheben zu lassen. Man trank ein Glas Champagner und trennte sich wieder.
Schon am nächsten Tag machten die Jungs einen zweiten Versuch. Diesmal riss sich das Untier los, stieg bis auf 18.000 Fuß auf und wurde später in der Grafschaft Kent gefunden.
Wie kam das Foto nun tatsächlich zustande? Ich finde, in der Kunst muss es ein paar ungelüftete Geheimnisse geben …
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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2021/09/15/es-regnet/
** … ein Lied in der Tradition der „Hurra, die Schule brennt“-Klamotten, die in unseren Tagen in völlig neuem Licht erscheint.

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Endlich ist es raus!

betr.: Beatles oder Stones

Seit Jahren irritiert mich die andauernde Wertschätzung der Rolling Stones durch eine große Fangemeinde in ihrer Eigenschaft als Musiker – besonders, wenn die Beatles als gleichwertige Alternative dagegengehalten werden und es zu einer Fity-Fifty-Geschmacksache gemacht wird, welche man nun lieber mag.
Unerwarteter Klartext lachte mich zu diesem Thema aus einem der Jahresrückblicke an, die gerade wieder einsetzen.
Im Zusammenhang mit den lieben Verstorbenen des Jahres 2021 steht hier über den Schlagzeuger Charlie Watts, der uns Ende August verlassen hat: „Er war ja auch der einzige von den Vieren, der was von Musik verstand!“ Schön, dass das endlich mal jemand so deutlich sagt!
Soweit ich weiß, waren die Beatles sogar vier gute Musiker.  Eigentlich unfair den Stones gegenüber, sie ständig miteinander zu vergleichen.

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Im Kreise seiner Getreuen

betr.: 9. Todestag von Konrad Halver

Bei Konrad Halver hat sich letztlich alles trefflich gefügt. Alles Schöne an seinem Leben mochte eine Kehrseite besessen oder nach sich gezogen haben, umgekehrt war es aber genauso. Er war als Hörspielmacher sehr viel besser denn als Beherrscher seines eigenen Marketings – konnte sich also künstlerisch bewähren und austoben, hat es aber nie zu einem eigenen Imperium gebracht wie seine Hamburger Zeitgenossin Heikedine Körting. Seine private Schludrigkeit ließ es nicht zu. Für dieses etwas verschenkte Lebenswerk wurde er so innig geliebt, dass sich aus dem Pulk seiner zahlreichen Fans – und Hörer von Kinderhörspielen sind in ihrer Huld besonders beständig – einige herauskristallisierten, die sich auch in seinem privaten Umfeld materialisierten. Er hatte bis zuletzt – wenn er es denn wollte – immer nette und sogar hilfsbereite Gesellschaft. Und das obwohl er jeden Fan, erst einmal vorsichtig verdächtigte, „einer von diesen Hörspiel-Geistesgestörten“ zu sein, denen er sich auf Messen und nach Aufführungen gleichwohl gerne widmete. Man hatte ihn gern, weil er – bei aller Bescheidenheit – ein wirklicher Komödiant war.

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Der Song des Tages: „A Few Words In Defense Of Our Country“

betr.: 78. Geburtstag von Randy Newman

2008 kommt Randy Newman von einer Tournee aus Europa zurück, wo er den ständig wachsenden Hass auf Amerika gespürt hat, auch in der Reaktion des Publikums auf seine Lieder. Und nun schreibt er „A Few Words In Defense Of Our Country“, einige Worte zur Verteidigung seines Landes. Nie zuvor, sagt er, waren die Politiker, die wir haben, so mies. Und doch sind sie gewiss nicht die schlimmsten „this poor world has seen“. Der Sänger blättert in der Weltgeschichte. Da gab es einen Cäsar, der sein Pferd zum Konsul des Imperiums ernannt hat … Konsul, das sei sowas wie Vizepräsident. Vice-President. Aber nein, das sei kein gutes Beispiel. Warum? Weil Leute Vice-Presidents waren, die das Denken wegen der größeren Köpfe lieber den Pferden überlassen hätten: Richard Nixons Spiro T. Agnew, George Bushs Dan Quayle. Es gab natürlich Hitler, Stalin – Bösewichte, über die sich alle einig sind. Aber es gab auch einen König Leopold von Belgien, der als ein großer Monarch gilt. Dabei hat er den Kongo zu seinem Privatbesitz erklärt, ausgeraubt und den Kongolesen nichts als Malaria zurückgelassen. In unseren Tagen sitzen im Obersten Gerichtshof der USA zwei junge Italo-Amerikaner und ein Schwarzer. Und was ist? Die beiden Italians, singt Newman, sind die verklemmtesten Arschlöcher weit und breit, und der schwarze Brother ist ein Schoßhund der Weißen. Fazit: dieses Imperium wird untergehen wie alle Imperien vor ihm. Es treibt hilflos, wie einst die Spanische Armada im Meer, im land of the free and home oft he brave. Dreimal Good-Bye.

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Queer In The Eighties

Das Programm im Dezember

Eine Filmreihe im METROPOLIS KINO Hamburg
in Zusammenarbeit mit der Queer Media Society
und der Salzgeber & Co. Medien GmbH, die viele dieser und zahlreiche andere Filme restauriert hat.

Im Himmel ist die Hölle los
BRD 1983, Buch und Regie: Helmer v. Lützelburg, 82 min.
Mit Billie Zöckler, Dirk Bach, Barbara Valentin, Ralph Morgenstern, Wally Bockmayer

Das pummelige Kleinstadtmädchen Mimi bringt es nach vielen Fehlschlägen zur Frau an der Seite ihres Idols, eines TV-Showmasters. Der Plot ist es nicht, der dieses (nur scheinbar) trashige Musical zu einem ungehobenen Schatz der deutschen Filmkomödie macht. Da könnte man eher auf die Besetzung verweisen (versprengte Angehörige des verwaisten Fassbinder-Ensembles und Kölner Underground-Größen, die bald darauf tatsächlich zu TV-Stars wurden), auf die Satire (der Film spielt 1989 und nimmt hellsichtig die Auswirkungen des frisch eingeführten Privatfernsehens vorweg), auf die zärtlichen Portraits der prolligen Mittelklasse, die irren Dialoge (die landauf, landab von unzähligen Fans auswendig gelernt wurden) oder die Songs (die sich beim Verlassen des Kinos als stabile Ohrwürmer erweisen).

Mo 13.12. 19:30, Einführung: Monty Arnold

Before Stonewall OmU
USA 1985, Regie: Greta Schiller und Robert Rosenberg, 87 min.
Erzählerin: Rita Mae Brown

Die Meinungen gehen auseinander: soll man die CSD-Parade noch immer als politisches Statement in Ehren halten, oder darf man sie als Anlass für eine unbeschwerte Party auffassen, als Siegesfeier über die einstigen Verhältnisse und als Freude über einen gewissen Fortschritt? Da müssen wir uns nicht einigen. Es kann jedenfalls nichts schaden, sich ein Bild davon zu machen, was der „Christopher Street Day“ einmal war, wie er im Juni 1969 aus der Not geboren wurde und wie die homosexuelle Welt vor dem Kampf der Lederkerle und Drag-Queens um die New Yorker Stonewall-Bar ausgesehen hat.
Diese unterhaltsame und erhellende Dokumentation macht nebenbei deutlich, dass sich längst noch nicht alles zum Besseren gewendet hat – aller CSD-Fröhlichkeit zum Trotz.

So 19.12. 17:00, Einführung: Gustav-Peter Wöhler

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Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit (8)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 20. November 2021

3. Kapitel
„Ist der Genosse Diplomat tot?“
(Is The Dipolmat Dead?)

Serge Manow war nicht nur ein Idealist, sondern auch ein ehrgeiziger Mann und ein treuer Sowjetbürger, und seinen Vorgesetzten waren diese lebenswerten Eigenschaften nicht verborgen geblieben. Sie behielten ihn wohlwollend im Auge, und bald nach dem kühnen Zugriff, mit dem er John Sunlight erledigt und nach Sibirien verfrachtet hatte, kam eine Beförderung. Serge Manow wurde als diplomatischer Vertreter seines Landes in die Vereinigten Staaten mit Sitz in New York abkommandiert. Es war ein angenehmer Posten, für einen ehrgeizigen Mann wie geschaffen, und Serge Manow genoss seine neue Würde. Er arbeitete schwer und seine Vorgesetzten nickten und lächelten einander zu und waren sich darüber einig, dass sie mit Manow einen Mann gefunden hatten, der für weitere Beförderungen qualifiziert war.
Dann kam Manow eines Abends in Panik nach Hause. Den Dienern und sonstigen Angestellten in seiner vornehmen Villa fiel auf, wie ungewöhnlich er atmete; sie berichteten später der Polizei darüber. Manow schnappte nicht einfach nur nach Luft wie jemand, der schnell gelaufen ist, sondern er schluchzte und schien sehr verängstigt.
Die Angestellten fanden den Auftritt ihres Chefs interessant. Sie versammelten sich in der Wohnung des Chauffeurs über der Garage und diskutierten den Vorfall. Sie machten sich Sorgen. Weiterlesen

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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