#MeNot

betr.: 86. Geburtstag von Horst Buchholz

Horst Buchholz war einer der wenigen deutschen Weltstars. Dass seine internationale Karriere nicht länger gedauert hat und dass er nach „Die glorreichen Sieben“ und „Eins, zwei drei“ nie wieder zu annähernder Höhe hinaufkam, wird von der Nachwelt vor allem damit erklärt, dass er zweimal die Einladung Luchino Viscontis zurückgewiesen hat, bei etwas mitzuwirken, das wir heute „Klassiker“ nennen. Die junge männliche Hauptrolle sowohl in „Rocco und seine Brüder“ als auch in „Der Leopard“ ging dann bekanntlich an Alain Delon. So schüttelt der Nachgeborene milde den Kopf und sagt sich: „Ein toller Schauspieler, aber nicht besonders schlau, unser Hotte …“.
Ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht. Weiterlesen

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London Long After Midnight

betr.: 92. Jahrestag der Erstaufführung von „London After Midnight“ / Lon Chaney

Der stumme Horrorfilm „London After Midnight“ gehört zu jenen verschollenen Werken der populären Filmkunst, die besonders schmerzlich vermisst werden. Der Filmhistoriker William K. Everson, der ihn noch persönlich im Kino gesehen hat, versuchte der Legende entgegenzutreten, die diesen Klassiker ohne erhaltenen Gegenbeweis besser macht, als er wohl tatsächlich gewesen ist. Everson kritisiert Hauptdarsteller „Chaneys groteskes Make-Up – die großen, starrenden Augen, die gespitzten Vampirzähne“ (es handelt sich um zwei komplette Vampirzahnreihen, da die charakteristischen hervorstehenden Eckzähne im Vampirgesicht erst später vom Kino etabliert wurden), „das Kostüm aus Zylinder und schwarzem Umhang – und dazu die zugegebenermaßen reizvollen Standfotos, die in bezug auf bizarre Ausstattung und Ausleuchtung viel versprechen“. Er tröstet die Leser mit dem Hinweis auf die immense Ähnlichkeit des Films mit seinem Tonfilm-Remake „Mark Of The Vampire“.

Aber in diesem Remake fehlt nun einmal der legendäre Lon Chaney, der nach einer fulminanten Stummfilmkarriere und einem sehr vielversprechenden Tonfilm vom Krebs dahingerafft worden war. Als „Man Of A Thousand Faces“ (es waren ziemlich abscheuliche Gesichter) blieb er den nostalgischeren Cineasten in Erinnerung, Weiterlesen

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Richard Kummerfeldt – An den Rändern der Traumfabrik (17)

Fortsetzung vom 25.11.2019

Diesen Bericht seiner späten Aktivitäten als freier Filmmusikproduzent verfasste Richard Kummerfeldt im Exil in Südamerika für ein (deutsches?) Fachmagazin bzw. einen gewissen John. Es gewährt Einblicke in die letzten Jahre der Tonträgerindustrie vor deren Verschlafen der digitalen Revolution, in die Welt der käuflichen Filmmusik, die Seele des Sammlers (heute „Nerd“), die Finessen des sich wandelnden Urheberrechts und erzählt von der Arbeit mit schwierigen Bürohengsten und Künstlerpersönlichkeiten in den 90er Jahren.

Mit Miss Marple in Dänemark (iii)

Da saßen wir also wieder zusammen und träumten von einer goldenen Zukunft. Wir planten schon eine weitere Neueinspielung für das kommende Jahr und wenn die Firma Proton wirklich in Konkurs ginge, könne er ja bei Alhambra als mein Partner einsteigen. Auf einmal war der Abend vorbei und ich musste mich beeilen, die letzte S-Bahn noch zu erreichen.

Bill Conti hatte mir ein Fax mit den Titeln versprochen, die er für das Konzert favorisierte und den Titeln, die er gerne bei den Proben schon einspielen würde. Ich wartete und wartete und ich weiss heute nicht mehr ob es drei oder vier Wochen dauerte, bis sich Bill Conti meldete. Aber ich erhielt keine Liste mit Titeln, sondern eine Absage: er habe kurzfristig den Auftrag bekommen, für einen Film aus den Disney-Studios die Musik zu schreiben und hätte leider leider keine Zeit für Berlin.

Ich habe dieses Warnsignal vernommen, Weiterlesen

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Die wiedergefundene Textstelle: „Überfahrt“ (6)

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„My set is my castle“

Dem Jahrhundertschauspieler Heinrich George wurde nachgesagt, wenn er sich umdrehe, spiele er mit dem Rücken weiter. Nichts für ungut – so sollte es eigentlich immer und bei jedem sein, der sein Geld damit verdient.
Eine raumgreifende Präsenz bezieht naturgemäß auch die Dekoration ins Spiel mit ein. Etwas griffiger Formuliert bedeutet das: ich muss dem Darsteller glauben, das er den Raum tatsächlich bewohnt bzw. als Arbeitsplatz nutzt. Und sind die Sachen, die er trägt, wirklich seine, oder hat er sich nur mal kurz verkleidet?

Eine solche Beherrschung des Schauplatzes ist schwierig, wenn dieser gar nicht existiert, sondern erst am PC hinzugemischt wird. Doch auch unter günstigeren Bedingungen fallen die Ergebnisse unterschiedlich aus.
Der britische TV-Sechsteiler „State Of Play“ / „Mord auf Seite 1“ (2003) spielt großenteils in einer Zeitungsredaktion, deren Journalisten in tiefen Papierkratern ihre Arbeit verrichten. So sehen wir es gern: diese Leute sind nicht nur unerschrockene Rechercheure, sie haben auch ihren zugemüllten Arbeitsplatz im Griff. Ihr Großraumbüro wirkt, als könnte hier tatsächlich die Watergate-Affäre aufgedeckt worden sein.
Das US-Kino-Remake „Stand der Dinge“ (2009) legt es auf den gleichen für die Glaubwürdigkeit der Geschichte wichtigen Effekt an, doch hier gelingt das nicht halb so gut. Der mit den besten Absichten zusammengebastelte Arbeitsplatz des rasenden Reporters Russell Crowe überzeugt nicht recht.
Immerhin sieht es dort besser aus als im Kinderfunk-artigen Büro des Reporters Fandor alias Jean Marais in den „Fantomas“-Filmen.

Ein besonders brillanter Schauspieler entzog sich dieser Disziplin übrigens weitgehend. Peter Falk alias „Columbo“ sehen wir nur in einer einzigen Szene der gesamten Serie an seinem Schreibtisch.

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Die schönsten Filme, die ich kenne (99): „Das Doppelleben des Dr. Clitterhouse“

Bevor er – nicht mehr jung – Karriere machte und zum männlichen Kultstar des Mediums aufstieg, war Humphrey Bogart in einer Unzahl von Kriminalfilmen zu sehen, wo ihn bedeutendere Gangster um die Ecke brachten. Im Falle von „The Amazing Dr. Clitterhouse“ ist es Edward G. Robinson, der ihm das (zum dritten Mal) antut, ein Charakterdarsteller erster Güte, der hier sein Genre – den klassischen Gangsterfilm der 30er Jahre – am Ende der Dekade souverän parodiert, obwohl er selbst gegen seinen Typ besetzt ist.

Der New Yorker Prominentenarzt Dr. Clitterhouse (Robinson) nutzt seine guten Kontakte zur High Society, um dort Juwelendiebstähle zu begehen. Dabei interessiert ihn weniger die Beute als die eigenen körperlichen Reaktionen auf seine Raubzüge, die er säuberlich zu Forschungszwecken dokumentiert. Irgendwann würden seine Erkenntnisse dabei helfen, echte Gangster dingfest zu machen. Ein befreundeter Ermittler bringt Clitterhouse nichtsahnend auf die Idee, die heiße Ware – die dem Arzt zunehmend lästig ist – zu verscherbeln. Als er deshalb Kontakt zum besten Hehler der Stadt aufnimmt, steigt er unter dem Decknamen „Professor“ zum kriminellen Mastermind auf, Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (173): Stehaufmännchen (xvii)

Wie sahen wohl die Weibchen der Vormenschen aus, ehe sie über die heutigen Features (blondes Haar, aparte Rundungen) verfügten. Recht spät bemerkte Ralf, dass seine Mädels unserer heutigen Auffassung einfach zu ähnlich sind. Einige der präsentierten Szenen finden sich mit dem gleichen Text im fertigen Buch, andere wurden aus dramaturgischen Gründen umgeschrieben.

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Die Marvels wie sie wirklich waren: Gene Colan (2)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier leicht aktualisiert wiederzugeben. 

Ein Mann ohne Furcht – Teufelskerl Gene Colan
von  Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/ (Fortsetzung vom 19.11.2019)

Gene Colan inmitten seiner Helden (Captain America, Daredevil, Dr. Strange, Sub-Mariner und Iron Man) Selbstpotrait aus dem Jahr 1970 für das „Marvelmania“-Magazin.

Wer kam auf den Namen „Adam Austin“?

Adrienne, meine Frau. In den 60ern gab es eine kurze Periode starker Rivalität zwischen Marvel und DC. Mit Hilfe des Pseudonyms hoffte ich, für beide Verlage arbeiten zu können, ohne entdeckt zu werden. Das funktionierte aber nicht besonders lange.

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Richard Kummerfeldt – An den Rändern der Traumfabrik (16)

Fortsetzung vom 16.11.2019

Diesen Bericht seiner späten Aktivitäten als freier Filmmusikproduzent verfasste Richard Kummerfeldt im Exil in Südamerika für ein (deutsches?) Fachmagazin. Es gewährt Einblicke in die letzten Jahre der Tonträgerindustrie vor deren Verschlafen der digitalen Revolution, in die Welt der käuflichen Filmmusik, die Seele des Sammlers (heute „Nerd“), die Finessen des sich wandelnden Urheberrechts und erzählt von der Arbeit mit schwierigen Bürohengsten und Künstlerpersönlichkeiten in den 90er Jahren.

All die großen Meister

Zurück in Hamburg erhielt ich von Ron Goodwin die Nachricht, dass er nun mit seiner Arbeit zu Ende komme und wir uns so langsam um einen Aufnahmetermin in Odense bemühen könnten. Dank der tatkräftigen Hilfe von Thomas, der beste Beziehungen nach Dänemark unterhält, war auch die technische Seite schnell geregelt. Alles fügte sich auf einmal trefflich, der Dampfer Alhambra nahm wieder Fahrt auf.

Offenbar hatte es sich in der interessierten Szene herumgesprochen, dass wir die „Miss Marple“ einspielen würden, denn ich bekam einen Anruf vom RIAS Berlin. Man bot mir an, das alljährlich stattfindende „Filmharmonische Konzert¨ für eine CD-Veröffentlichung mitzuschneiden. Einzige Bedingung: ich sollte einen international bekannten Komponisten beschaffen. Und das Ganze wäre zum „Schnäppchenpreis“ zu haben. Weiterlesen

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Die wiedergefundene Textstelle: „Überfahrt“ (5)

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