Die schönsten Filme, die ich kenne (87): „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“

Hollywood hat sich selbst mehrfach zum Thema gemacht und in den gelungensten Fällen nicht geschont. Es entstanden etwa gleichviele Dramen, Komödien und Musicals zu diesem Sujet – und eine Horror-Groteske von Robert Aldrich, die all diese Elemente in sich aufnimmt und sie wieder ausscheidet.

In einer alten Hollywood-Villa leben die einsiedlerischen Hudson-Schwestern Blanche und Jane. Eine Rückblende zu Beginn informiert uns, dass die beiden von klein auf Konkurrentinnen gewesen sind: erst beim Vaudeville, dann beim Film. Die blondgelockte Jane war ein umjubelter Kinderstar, deren Stern sank, während die brünette Blanche groß und größer wurde. Auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes erleidet Blanche einen Autounfall und ist seither gelähmt. Jane, die sich wegen eines alkoholischen Filmrisses nicht an die Einzelheiten jener Nacht erinnert, soll die Schuld daran tragen und pflegt nun ihre alte Rivalin. Als sie erfährt, dass Blanche sich mit dem Gedanken trägt, das elterliche Haus zu verkaufen und ihre verwahrloste, etwas derangierte Schwester in einem Heim unterzubringen, tritt deren ohnehin labile Psyche in ein kritisches Stadium. Während sich Jane in den Traum von einem Comeback flüchtet – wieder als kleines Mädchen zurechtgemacht, mit groteskem Makeup -, drangsaliert sie die wehrlose Blanche in immer bedenklicherer Weise, verfällt zunehmend Alkohol und Wahnsinn. Ein Pianist wird gedungen, der seinerseits eine faustdicke Neurose hat, und alte Erfolgsnummern werden hervorgekramt. Währenddessen muss Blanche um ihr Leben fürchten. Weiterlesen

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Die schönsten Filme, die ich kenne (86): „Die Wunderpille“ („Jitterbugs“)

betr.: DVD-Box „Dick und Doof Gesamtedition“

Die verständigen unter den Liebhabern von Laurel & Hardy sehen in „Blockheads“ das Ende einer Ära, den letzten Film im „guten alten Laurel-und-Hardy-Stil“. Danach begannen verschiedene Faktoren, der Grazie und Wertigkeit des Duos zuzusetzen: das Zerbrechen ihrer alten Arbeitsstrukturen und der einstigen künstlerischen Freiheit, ein Wandel des Zeitgeschmacks und natürlich der Rückbau der eigenen Jugend, Kraft und Gesundheit. Bereits die letzten beiden noch allseits geschätzten Filme für ihren Entdecker und Produzenten Hal Roach zeigen einen unbehaglichen Trend. Die folgenden Filme für 20th Century Fox und MGM werden von wirklichen Fans abgelehnt. Zu recht? Zumindest eines dieser kleinen Lustspiele, das stets in qualitative Sippenhaft genommen wird, hat dies nicht verdient: „Jitterbugs“.

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Die jüngste Kauf-DVD von „Jitterbugs“, Teil einer kleinen Serie mit den Spätwerken von Laurel & Hardy

Als der Wagen der fahrenden Entertainer Laurel & Hardy in der Wüste liegenbleibt, hilft ihnen ein zufällig vorbeikommender Nachwuchs-Erfinder aus der Patsche, Chester Wright. Er behauptet, eine Pille erfunden zu haben, die Wasser in Benzin verwandelt. Weiterlesen

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Sinatra Unchained

betr.: 103. Geburtstag von Frank Sinatra / Wiederveröffentlichung des Albums „Sings For Only The Lonely“

Ich mag keine Live-Aufnahmen von der Musik, die ich liebe. Gewiss: „Dave Is On The Road Again“ von Manfred Mann’s Earth Band muss genauso klingen wie auf der begnadeten Plattenaufnahme – das Publikum legt einen sphärischen Geräuschteppich und hindert die Band daran, auf eine popelige Abblende hinzuarbeiten. Im Jazz sind solche Mitschnitte schon wegen der Unwiederholbarkeit der Improvisation wichtig, vom Dialog mit dem Publikum ganz zu schweigen. Aber im Wesentlichen schätze ich die Konzentration, mit der bei einer geregelten Plattenaufnahme zu Werke gegangen wird und weiß auch die Klangqualität zu schätzen, die bei Konzerten lange Zeit nicht gewährleistet war. Weiterlesen

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Wo nie ein Taktstock zuvor gewesen ist – Der Komponist Bernard Herrmann (22)

Forstsetzung vom 4.12.2018

Trotz angeschlagener Gesundheit (die nicht zuletzt einem  ungesunden Lebenswandel geschuldet war), pflegte Herrmann in seinen Londoner Jahren eine rege Dirigententätigkeit in Konzerten und für die Schallplatte. Insgesamt hat er seit seiner Flucht aus Hollywood 1966 in den DECCA-Studios in West Hampstead und in Kingsway Hall fast 30 Schallplatten aufgenommen, darunter seine wichtigsten Konzertstücke. Zusammen mit den diversen Neuauflagen seiner Filmmusik in der brillanten Phase-4-Technik bringt er es auf eine beachtliche Dokumentation seiner Kunst.

Wie alle Dirigenten änderte Herrmann im Alter sein Tempo – er wurde (wie die meisten) langsamer. Als Charles Gerhardt im Rahmen seiner RCA-Schallplattenserie „The Classic Film Scores Of …“* bei Miklós Rózsa angelangt war, erschien Dr. Rózsa persönlich zur Aufnahmesession. Auch das Ehepaar Herrmann war anwesend. Als das Orchester zu spielen begann, Weiterlesen

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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Diese Zeichnung (links) eines befreundeten Berliner Künstlers (6 Jahre alt) finde ich ganz famos. Nur mit seiner Erläuterung, es handele sich um einen Hund, war ich uneinverstanden. So gab ich meinen Senf (rechts) dazu …

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Der Song des Tages: „Ich wünsch mir zum Geburtstag einen Vorderzahn“

betr.: 66. Jahrestag der Premiere von „Wir sehen schwarz“

Die Chansonniere Cissy Kraner wird heute vor allem für ihre volkstümlichen Chansons verehrt und erinnert, die in ihrem wechselvollen (Künstler-)Leben nur ein Kapitel gebildet haben. Nach frühen Jahren als Soubrette in Wien war sie mit ihrem jüdischen Partner und späteren Ehemann Hugo Wiener vor den Nazis nach Kolumbien geflohen, wo beide ihre Entertainer-Laufbahn ungebrochen fortsetzten, um 1948 zurückzukehren. Rund zwanzig Jahre lang sollte sie nun im Kabarett „Simplicissimus“ das Material ihres Gatten interpretieren. Ihre Chansons nehmen die Perspektive der Arbeiterklasse ein, sind jedoch unpolitisch. Obwohl ganz im Stil der 50er Jahre gehalten, thematisieren sie – ähnlich wie die etwa 25 Jahre älteren Couplets von Otto Reutter – allzu Heutiges und Allzumenschliches: Eitelkeiten und Kleinbürgermief, die Last mit dem Älterwerden, sexuelle Sehnsüchte und ihre tückenreiche Verwirklichung, Begegnungen mit Beamten, Nachbarn und Ex-Affären.
„Ich wünsch mir zum Geburtstag einen Vorderzahn“ aus der Revue „Wir sehen schwarz“ ist ein typisches Hugo-Wiener-Chanson: musikalisch simp(e)l, schauspielerisch eine Herausforderung. Cissy Kraner besingt die beschränkte Vorstellung von Glück bei einem jungen Mädchen aus Favoriten, Wiens 10. Bezirk. Dies ist neben „Der Novak lässt mich nicht verkommen“, zu dessen bestrickender Doppelbödigkeit er nicht hinaufkommt,  sicherlich ihr heute populärster Titel.

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Was muss Wachtmeister Knickebein da sehen?

betr.: 13. Todestag von Hanns Dieter Hüsch

Ausgerechnet am heutigen Gedenktag sehe ich im Katalog eines Versandhändlers, dass die „legendärste aller Satire-Reihen“ als „Gesamtedition“ auf DVD erschienen ist: „Dick und Doof“, die ganz wesentlich von den komödiantischen Leistungen des Dritten im Bunde profitiert. Hanns Dieter Hüsch kommentierte die Stummfilme des großen Duos Laurel und Hardy, die zumeist (ausschnittsweise) als Vorfilme den zweiaktigen Tonfilmen vorangestellt sind. Weiterlesen

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Man wird alt wie’ne Kuh …

betr.: Nachruf auf Steve Ditko (1927-2018) in „Die Sprechblase“ / Dezember 2018

Gerade eben las ich in der aktuellen „Sprechblase“ den 1. Teil einer fabelhaft geschriebenen Biographie des Zeichners (und meist ungenannten Autors) Steve Ditko, der vor einigen Monaten 90jährig verstarb, und der bisher stets als selten fotografiertes Phantom umschrieben wurde, über das es betrüblich wenig Stichhaltiges zu erzählen gäbe. Bernd Weckwert präsentiert uns aus diesem traurigen Anlass eine Titelstory, die diese Darstellung Lügen straft.
Wie sich das für die Marvel Comics des Silver Age und für kundige Literatur darüber (sowie überhaupt für alle guten Feuilletons) gehört, hat der Artikel über seinen Gegenstand hinaus noch allerhand zu erzählen (selbst für den unausdenklichen Fall eines Lesers, der sich nicht für Steve Ditko interessiert). Ich nenne hier nur die mustergültig recherchierten und abgewogenen Überlegungen zum Thema „Der Erfolg hat viele Väter“ am Beispiel des künstlerischen Konflikts Stan Lee-Steve Ditko, der soeben durch den Blätterwald raschelte, als auch Stan Lee uns verlassen hat.*
Für mich persönlich lag die große Neuentdeckung in der Würdigung von Steve Ditkos wichtigster moralischer Instanz, der Philosophin Ayn Rand, Weiterlesen

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Wo nie ein Taktstock zuvor gewesen ist – Der Komponist Bernard Herrmann (21)

Forstsetzung vom 18.11.2018

betr.: Herrmanns Jahre nach und mit den Jüngern von Hitchcock (3)

1969 entstand in den Niederlanden eine krude Sex-Crime-Mystery mit dem verwechslungsträchtigen Titel „Obsessions“, Produzent und Hauptdarsteller war Dieter Geissler. Der Soundtrack war keine Auftragsarbeit, sondern wurde für kleines Geld aus Archivaufnahmen zusammengestellt.
Weiterhin ist in Herrmanns europäischem Spätwerk noch an jene Handvoll selten gezeigter britischer Thriller zu erinnern, die in den späten 60er und frühen 70ern mit kleinem Budget von verschiedenen Regisseuren gedreht wurden und die fast alle sehenswert sind.
Herrmanns seinerzeit als „langweilig“ beschimpfte Musik für das sicke Familiendrama „The Twisted Nerve“ gelangte Jahrzehnte später durch Quentin Tarantinos Wiederverwendung zu Kultstatus*, „The Night Digger“ bietet einen der erinnerungswürdigsten Soundtracks für Mundharmonika, gleich nach „Once Upon A Time In The West“ und „Ruby“. Weiterlesen

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Gruppentherapie (3)

Cauchemars KinderstundeGruppentherapie3

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