Die schönsten Hörspiele, die ich kenne (9): „Fleisch ist mein Gemüse“

„Fleisch ist mein Gemüse“ nach dem Roman von Heinz Strunk, Bearbeitung und Regie: Annette Berger – WDR/NDR 2005 – ca. 49‘ – Besetzung und weitere Infos unter https://www.deutschlandfunkkultur.de/studiozeit-hoerspiel-fleisch-ist-mein-gemuese.3692.de.html?dram:article_id=45533

Harburg ist der langweiligste Ort der Welt (…). Weltberühmt geworden ist Harburg durch die Terror-Anschläge des 11. September,  aber selbst diesen Ruhm musste es abtreten, denn bald hieß es vereinfachend nur noch: „Die Terroristen haben ihre Anschläge von Hamburg aus geplant.“

Obwohl schon Ende 20, lebt Heinz immer noch bei seiner derangierten Mutter in Hamburg-Harburg. Seine galoppierende Akne hält ihn von den Mädchen fern und lässt ihn Querflöte- und Saxophon üben. Da er bei der Bundeswehr nicht landen konnte und auch sonst nichts mit sich anzufangen weiß, kommt ihm die zufällige Aufnahme in eine Tanzkapelle sehr gelegen. Aber das ist nicht etwa eine Band, die coole Mucke spielt und Groupies generiert. Zwölf Jahre lang wird Heinz mit „Tiffanys“ zu Schützenfesten, Feuerwehrbällen, Familien- und Vereinsfesten des bukolischen Umlands von Hamburg und Lüneburg tingeln, wird es mit Bürgermeistern, Schwiegervätern, faschistoiden Witzeerzählern und vielen, vielen volltrunkenen Zuhörern zu tun bekommen. Das immer gleichbleibende miefige Schlagerrepertoire verstärkt sein Gefühl, in einer Zeitschleife festzusitzen, in einem Murmeltiertag, an dessen Abend keine Andie MacDowell wartet …

Wenn ein Roman so einschlägt wie „Fleisch ist mein Gemüse“, der Erstling des Satirikers Heinz Strunk, spult sich die anschließende Verwertungskette ganz von selbst ab. Obwohl der Autor an diesen Folgeprodukten beteiligt war, sind sie keineswegs alle so geglückt wie das Buch. Weiterlesen

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(4): Michael Kamen – Brazil

Großen 8_Vinyl Classics

Die acht perfekten Tonträger meines Lebens

Brazil_F

Obwohl ich ihn den beiden anderen Verfilmungen des Romans „1984“ unbedingt vorziehe, mag ich den Film „Brazil“ von Terry Gilliam nicht besonders. Aber es betrübte mich, dass der Soundtrack nicht zu bekommen war. Mit sieben Jahren Verspätung kam er 1992 endlich heraus und monatelang nicht mehr von meinem Plattenteller herunter. Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (153): Zeichenblock / A4 (ii)

Kalender-Leiste

Im Jahre 2003 landete ein halber Zeichenblock im Papierkorb. Die drei schönsten Seiten sehen so aus …
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Und immer schön fröhlich geblieben

betr.: 30. Todestag von Walter Gross

Walter Gross war ein Komödiant. Das bedeutet: in komischen Partien machte er den größten Spaß, aber auch die ernsteren wusste er zu gestalten. In der Leichten Muse – heute würde man sagen: in den Medien – hat er nichts ausgelassen. So war er nicht nur Schauspieler, sondern auch Kabarettist … und in dieser Funktion diente er auch als Inspizient und Vorhangzieher. Wenn er in der Kulisse stand – aus Gründen der Überlastung nur teilweise umgekleidet, halb im Biedermeierfrack und halb in Unterhosen -, kam es schon mal vor, dass die Kollegen auf der Bühne ihr Duett verlachten. Hilfsgarderobier war er auch und außerdem Einspringer, wenn ein berühmter Kollege, der während der Vorstellung zwischen zwei Theatern pendelte, einmal nicht pünktlich kam. Es waren wilde Zeiten damals im Berlin der Revuetheater, Kellerbrettl und Amüsierpaläste.

Günter Neumann_Kabarettist an der Front des Kalten KriegesIn der Collage links oben: der köstliche Walter Gross. Rechte Seite Mitte: Günter Neumann, der Chef der Insulaner. Weiterlesen

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Die Marvels wie sie wirklich waren: Ant-Man (Der Ameisenmann)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier wiederzugeben. Das heutige Portrait versteht sich als Ergänzung zum letzten Thema „Die ruhmreichen Rächer“ (The Avengers) 

Der erstaunliche Ameisenmann
(und seine Varianten)

von  Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/

Ameisenmann_Seite 1

Henry „Hank“ Pym ist wohl die Marvel-Figur, die von Beginn ihrer Karriere innerhalb weniger Jahre die meisten Veränderungen erlebte. „Der Mann im Ameisenhügel“ vom Januar 1962 war kein Superheld, sondern ein Wissenschaftler, dessen Theorien und Experimente von seinen Kollegen belächelt wurden. Seine größte Errungenschaft war ein Serum, das auf Haut oder Gegenstände geträufelt zu einer Schrumpfung des Beträufelten führte. Eine zweite Flüssigkeit erzeugte den umgekehrten Effekt. Erschreckende Erlebnisse im Innern eines Ameisenhügels bringen den Professor dazu, seine beiden Flüssigkeiten zu vernichten.

Im Zuge des Superhelden-Booms erinnerte man sich im Hause Marvel nach einigen Monaten an die Story aus „Tales To Astonish“ # 27 und holte Ant-Man im September 1962 wieder aus der Versenkung. Da Henry Pym zwar die Flüssigkeiten, nicht aber deren Formel vernichtet hat, stellt er kurze Zeit nach den Geschehnissen aus TTA # 27 doch noch zwei Reagenzgläser mit den Seren her. Diese deponiert er sicher im Wandsafe seines Labors. Der Forschungsdrang war wohl einfach zu groß. Gleichzeitig beginnt er damit, die Ameisen zu studieren. Er bastelt an einem Helm, mit dessen Hilfe er mit den Insekten kommunizieren kann. Als russische Spione schließlich ihn und sein Labor ausrauben wollen, kommen Ant-Mans Wunderwaffen zum Einsatz. Weiterlesen

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Der Song des Tages: „Hernando’s Hideaway“

Zum Tode von Doris Day / 65. Jahrestag der Uraufführung von „The Pajama Game“

Eigentlich hieß sie Kappelhoff, doch Barney Rapp, ein Bandleader und Nachtclubbesitzer in Cincinnati, taufte sie um in Doris Day mit der lapidaren Begründung, sie sänge ohnehin „day after day“. Und zu jener Zeit war sie noch ein unbekanntes singendes Tanzgirl aus Ohio.

Pajama Game_F
So erfolgreich und doch permanent unterschätzt: Doris Day

„Picknick im Pyjama“ erzählt von den Streitigkeiten zwischen der Gewerkschaft und dem Management der Sleep-Tite-Pyjamafabrik Weiterlesen

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Die Großen Acht (2): Chuck Mangione – „Children Of Sanchez“

Großen 8_Vinyl Classics

Die acht perfekten Tonträger meines Lebens

Children Of Sanchez

Wer die Plattentasche dieser LP liest, könnte auf die Idee kommen, es mit einem Aufschneider zu tun zu haben: „‘Children Of Sanchez‘ ist kein gewöhnlicher Soundtrack“, schreibt der Meister da (hört hört!), „sondern meine persönliche Auswahl aus den 23einhalb Stunden Musik, die ich für den Hall-Bartlett-Film auf der Basis der Biographie von Oscar Lewis ‚The Children Of Sanchez‘ komponiert und eingespielt habe.“ Na ja! Jedes Kind weiß, dass Filmmusik mit Themen zu arbeiten pflegt, insofern war es schonmal nicht nötig, knapp 24 Stunden Musik zu komponieren. Vielleicht war es ja auch einfach eine wilde Improvisation, von der hier die Rede ist. Dass sich auf dem vorliegenden Album hie und da die Motive wiederholen, ist das überhaupt einzige, was darauf hinweist, dass wir es mit einer Filmmusik zu tun haben. Bis heute ist keine Extended-Version herausgekommen, nur eine Doppel-CD mit dem LP-Schnitt, der auch auf eine einzelne CD gepasst hätte. Das nährt die Vermutung, Mangione könnte bei seinen Liner-Notes ein wenig hochgestapelt haben.

Schwamm drüber! Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (152): Zeichenblock / A4 (i)

Im Jahre 2003 landete ein halber Zeichenblock im Papierkorb. Die drei schönsten Seiten sehen so aus … (Man beachte das Yentl-Portrait unten links.)

Kalender-1 Fortsetzung folgtCopyright by Ralf König

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So fließend wie fehlerhaft

betr.: „Spaltet uns das Hochdeutsche, Herr Schommers?“ im Spiegel 19 / 2019

In den o.g. Artikel – ein Kurzinterview mit Gerhard Schommers, Vorsitzender der Mundart-Initiative im Kreis Cochem-Zell – haben sich ein paar Fehler und irreführende Vereinfachungen eingeschlichen.

Dass das Moselfränkische „im Weltatlas der bedrohten Sprachen der Unesco“ steht, lässt keineswegs darauf schließen, dass dieser Dialekt stürbe. Solange es schon aufgrund des allgemeinen Platz- und Wohnungsmangels nicht allen gelingt, in die Großstadt zu ziehen, die das gerne möchten, werden auch die Dialekte weiterleben, vermutlich sogar darüber hinaus.

Herr Schommers erklärt, wer einen Dialekt spräche, wüchse bilingual auf. Das ist unrichtig. Die meisten Menschen, die in einem Dialekt erzogen werden, verstehen zwar die Hochsprache, beherrschen diese jedoch nicht aktiv. Das wäre ihnen auch nicht zu raten, weil Weiterlesen

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Die Marvels wie sie wirklich waren: The Avengers (Die ruhmreichen Rächer) (2)

betr.: „Avengers: Endgame“

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Aus aktuellem Anlass stammt die heutige Folge aus eigener Fertigung.

Die ruhmreichen Rächer (The Avengers) (Fortsetzung vom 1.5.2019)

Nuff04S.04.cdrDas von John Buscema in Szene gesetzte und von Daniel Gramsch colorierte Cover in der Nuff-Version. Eine Druckvorlage von solcher Qualität existiert nicht einmal in den USA. Coverboy ist der Androide Vision, der in Deutschland erst im vierten Jahr eingeführt wurde, aber irritierenderweise von Anfang im Logo der „ruhmreichen Rächer“ zu sehen war.

The Avengers – Eine einzige große Party

Dieser Tage geht mit „Avengers: Endgame“ alle Einnahmerekorde brechend das große Marvel-Superheldenepos zuende, das 2008 mit „Iron Man“ begonnen hat. Dieses gewinnträchtige Konzept einer miteinander verzahnten Serienfamilie voller individualistischer Superhelden gab es schon ganz zu Beginn der Marvel-Comics vor bald 60 Jahren. Immer wieder begegneten die Helden einander bei Gastauftritten. „Marvel Team-Up“ nannte sich das, und es war stets ein kleines Fest für die Leser. Doch bereits im ersten Heft der „Avengers“ vom 1. September 1963* wurde der Grundstein einer nicht enden wollenden Party gelegt. Es waren Verlegenheiten, die Stan Lee zu dieser Idee antrieben: Terminprobleme und Planänderungen sowie die Tatsache, dass ein paar vielversprechend gestartete Marvel-Helden gerade keine dauerhafte Serie hatten: Thor, Iron-Man, der Hulk (der soeben nach sechs Heften wieder eingestellt worden war) sowie Ant-Man (nebst seiner Partnerin the Wasp), der eigentlich nur ein einziges kurzes, in sich abgeschlossenes Abenteuer in „Tales To Astonish“ hatte bestehen sollen** und der dann zu großes Potenzial zeigte, um ihn einfach umzublättern. Weiterlesen

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