Raymond Carver – Die Helden aus der Mittelschicht

betr.: 82. Geburtstag von Raymond Carver (†)

Raymond Carvers ganz großer Ruhm kam mit „Short Cuts“, einem dreistündigen Werk des Filmemachers Robert Altman, das dem Begriff „Episodenfilm“ eine neue Bedeutung gab und einen entsprechenden Trend auslöste. In den 60er Jahren bedeutete dieser Ausdruck ein Pottpurri aus mehreren kurzen Geschichten, die hintereinander erzählt wurden. In der neuen und bis heute üblichen Variante laufen die Geschichten – in diesem Falle die Short Stories von Raymond Carver – parallel nebeneinander her und kreuzen sich immer wieder.

Der Autor war wenige Jahre zuvor mit nur 49 Jahren verstorben und hatte es in Fachkreisen bereits zu gewissen Ehren gebracht: ihm wurde nachgesagt, er habe das Genre der amerikanischen Kurzgeschichte für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ebenso nachhaltig verändert wie Hemingway es für die erste getan hatte.
Inzwischen kam ans Licht, Carvers prägnanter, knapper Stil sei gar nicht sein Werk, sondern das Verdienst seiner Frau gewesen, die in seinen eher weitschweifigen Texten ordentlich herumgestrichen habe.

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Das große Quiz für Filmfreunde

Wann sind Frauen richtig ungemütlich? – „Wenn Frauen hassen“

Wer läuft denn um diese Uhrzeit noch durch draußen rum? – „Der Schrecken schleicht durch die Nacht“

Welches Schuhwerk trägt der Kapitalverbrecher auf dem Weg zur Arbeit? – „Der Mörder kommt auf leisen Socken“

Wann sind die Gondolieri besonders bunt gekleidet? – „Wenn die Gondeln Trauer tragen“

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Durcheinander im All

Heute ist „Planet der Affen“-Tag bei Kabel 1. Und weil es hier um Zeitreisen geht, ist es Ehrensache, die fünf klassischen „Planet der Affen“-Filme nicht einfach schnöde in der richtigen Reihenfolge auszustrahlen. Aber sie einfach nur rückwärts anzuordnen, zeugt nicht eben von programmplanerischem Wagemut. Leute, das ist echt super-lineares Fernsehen!

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Die wiedergefundene Textstelle: Der Funny Bones Comedian

In „Funny Bones“ (1995, Regie: Peter Chelsom) spielt Jerry Lewis eine von nur vier dramatischen Rollen seiner Karriere. Selbst ein berühmter Komiker (wie sehen ihn vornehmlich privat), ist er der Vater eines komödiantisch unbegabten Sohnes.
Auf einem Strandspaziergang arbeitet er dieses Problem mit ihm auf und denkt auch ganz grundsätzlich über die Natur des Komikers nach:

Wir waren verdammt komisch! Wir mussten keine komischen Geschichten erzählen, wir waren komisch, für das Fach geboren!
Ich wurde faul, hab Autoren engagiert, anstatt rauszuholen, was in mir steckt.
Aber das Allerschlimmste ist, immer und immer wieder mit ansehen zu müssen, wie mein eigener Sohn jämmerlich versagt.
Was habe ich dir nicht alles bezahlt? Die besten Lehrer, Star-Autoren … und alles war bei dir umsonst, Tommy! Herrgott nochmal, als ob du zu intelligent wärst, um komisch zu sein! Dieses ewige Analysieren, ich kenne das!
Tommy, es gibt zwei Typen von Komikern: den geborenen Komiker und den gelernten Komiker
(„the funny bones comedian and the non funny bones comedian“)!
Sie sind beide komisch. Einer ist einfach komisch, der andere erzählt komisch. Und Tommy – es ist Zeit, dass du’s erfährst, das tut mir am meisten weh: du bist weder noch. Du bist nicht komisch!
So ist es.
Egal, was du tust, Junge, die Leute werden nie in Begeisterung ausbrechen.

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Die wiedergefundene Textstelle: „Überfahrt“ (25)

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Geschichte des Komiker-Handwerks (20)

Fortsetzung vom 13.5.2020

Aufstieg der Stand-Up-Comedy zur eigenständigen Kunstform

Ende der 30er Jahre war mit der Burlesque Show eine weitere Facette des Unterhaltungs-Angebotes der USA untergegangen.* Ursprünglich ein literarisches Format, war sie zuletzt zur Strip-Show verkommen und verboten worden.** Für die Comedians verschwand damit ein weiterer Training Ground und eine wichtige Spielstätte. So wichen sie auf Hotelbars und Nachtclubs aus, die weniger glückliche Mehrheit landete in drittklassigen Musikkneipen oder in Striplokalen.
Doch an der Live-Kultur, die sich in den 40er und 50er etablieren sollte, hatte die Stand-Up-Comedy einen wichtigen Anteil, und hier sollte sie sich endgültig  zu einer eigenständigen amerikanischen Kunstform entwickeln. Die Rede ist von der Nachtclubszene in Entertainment-Hochburgen wie New York, Las Vegas, San Francisco und Los Angeles. Und natürlich vom Borscht Belt.

Gemeinsam mit den Nachtclubs kam die Stand-Up-Comedy in Mode, und in den Künstlervierteln – etwa dem New Yorker Greenwich Village – entwickelte sich eine eigene Szene. Diese gedieh in kleinen Cafés und Nachtclubs, deren Intimität den Dialog zwischen Performer und Publikum beförderte: den sogenannten Chichi Rooms oder Chichis. Sie boten Live-Musik (Jazz und Folk) und Poetry und hießen z.B „Mr. Kelley‘s“ (Chicago) oder „Blue Angel“ (New York). Einige Namen ließen bereits erkennen, dass auch Comedy zum Angebot gehörte: „hungry i“ (i für „intellectual“), das „Cafe Wha?“ oder „The Bitter End“. Das angelockte Publikum lässt sich unter dem Begriff Bohème zusammenfassen: Intellektuelle, Künstler, Beatniks und natürlich Studenten.
In den 50er Jahren waren diese Chichis das Hauptforum der „New Wave Stand-Up Comedians“ und sind die direkten Vorläufer der reinen Comedy Clubs.
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* Nach dem Verschwinden des Vaudeville Anfang der 30er Jahre. Siehe hierzu https://blog.montyarnold.de/2020/04/21/15818/
** Um die Jahrtausendwende gab es nach langer Pause eine Wiederauferstehung der Burlesque (ohne Comedians), die auch im Kino ihr Echo fand. Die klassische Form wird in einem Hauptwerk des Musicals gefeiert. Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2017/02/18/broadways-like-that-45-der-frauenversteher-jule-styne-ii/

Auszug aus dem Essay „Humor Omnia Vincit“
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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

Weitere Lockerung der Corona-Regeln: die Schulen öffnen wieder!
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Die Outtakes von Ralf König (186): Stehaufmännchen (xx)

Dies ist eine Fortsetzung des Handtücher-Dialogs (Seite 16). Das Erdplatten-Thema wurde verlegt. „Der Text ist eigentlich ganz okay“ …

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Die schönsten Hörspiele, die ich kenne (13): „Der Zimmerspringbrunnen“

betr.: 65. Geburtstag von Jens Sparschuh

„Der Zimmerspringbrunnen“ – nach dem gleichnamigen „Heimatroman“ von Jens Sparschuh (1995) – Produktion: BR 1997, 60 min., Credits unter http://hoerspiele.dra.de/vollinfo.php?dukey=1393990&SID

„Ich hoffe, Sie haben das jetzt nicht nur zufällig richtig gemacht!“

In seinem „Heimatroman“ „Der Zimmerspringbrunnen“ brachte Jens Sparschuh Mitte der 90er ein Kunststück fertig, das ich auch nach knapp 30 Jahren Wendeliteratur, Wendecomedy, Wendefilm, – theater und -kabarett eigentlich nicht für möglich halte: er behandelt Ost und West schlicht wie zwei deutsche Himmelsrichtungen, wie zwei Landstriche mit ihren Macken und Mentalitäten und  schenkt sich jeden ideologischen Hintersinn. Der Erdenschwere von 40 Jahren deutscher Teilung und des anschließenden Ossi-vs.-Wessi-Knatsches endlich enthoben, kann man sich über die Dinge amüsieren, die wir alle schon immer gemeinsam hatten – und dabei sind das nicht einmal besonders erfreuliche.

Das Hörspiel erzählt die Geschichte von Hinrich Lobek, einem abgewickelten DDR-Wohnungsverwalter, der sich im Westen auf einen Vertreterposten bewirbt. Mit Anfang 50 und nach drei Jahren Arbeitslosigkeit verspricht er sich nichts davon, eigentlich möchte er nur der etwas bedrückenden Zweisamkeit entrinnen. Doch er bekommt den Job und erweist sich zu seiner eigenen Überraschung als Verkaufsgenie. Seine verinnerlichte „sozialistische Ordnung“ ist die perfekte psychologische Strategie, um Kleinbürgern Zimmerspringbrunnen anzudrehen …

Sketche, die jeder Nonsens-Sendung Ehre gemacht hätten („Mir fällt die Decke auf den Kopf“, „Mein Hund und ich“, „Das Vertreterseminar“ …), fügen sich zu einer blitzgescheiten Komödie zusammen.

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Geschichte des Komiker-Handwerks (19)

Comedy im Fernsehen

Fortsetzung vom 12. Mai 2020

Ungeachtet seiner Beliebtheit war und blieb das Fernsehen noch für lange Zeit ein niederes Medium. Während es den Kunstwerken des Kinos und des Broadway recht gut gelang, ihre naturgemäß kommerzielle Ausrichtung wenigstens für die Dauer eines Abends vergessen zu machen, erinnerten im Fernsehen die regelmäßigen Auftritte der Sponsoren daran, dass Unterhaltung viel Geld kostet, das wieder eingespielt werden muss.
Besonders für Schauspieler bedeutete die „Small Screen“ ein geringeres Renommee. Wer es im Film erst einmal zu etwas gebracht hatte, der trat allenfalls zu Eigen-Werbezwecken als prominenter Gast in einer Show auf. Einige Stars – etwa John Wayne – lehnten es auch am Abend ihrer Kinokarriere konsequent ab, in Serien mitzuwirken.

Bei Komikern war das etwas anders, denn Filmrollen sind nicht mit TV-Auftritten zu vergleichen, die den Künstler gemeinsam mit seinem Publikum und dessen Reaktionen und unter seinem eigenen Namen zeigten. Der unvorstellbare Erfolg des jungen Duos Jerry Lewis und Dean Martin hat sich viel besser in ihren TV-Gastspielen erhalten als in ihren Filmkomödien. Im Spielfilm wandelt bzw. weitet sich der Komiker zum Komödianten – ein Spagat, der nicht allen gelingen wollte.*

Die erhaltenen Aufzeichnungen aus der beginnenden TV-Ära liegen nur in erbärmlicher Qualität vor, da sie noch nicht per MAZ-Technik konserviert werden konnten, sondern vom Live-Bildschirm abgefilmt werden mussten. Doch sie haben unzählige frühe Auftritte späterer Komiker-Legenden in ewige Sicherheit gebracht, die sonst heute verloren wären.

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* Jerry Lewis, dem dies besonders gut gelang, denkt in einer Altersrolle über das Problem nach, siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2020/05/20/der-funny-bones-comedian/

Auszug aus dem Essay „Humor Omnia Vincit“

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