Die Marvels wie sie wirklich waren: Sam Rosen

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier wiederzugeben.

Sam Rosen (Samuel Rosen)
Auch: „S. Rosen“ oder „Sammy Rosen“
Einsatzgebiet: Letterer
Erste deutsche Erwähnung: HIT Comics Nr. 1
Wichtige Arbeiten: „The Origin of the Hulk“ in „The Incredible Hulk“ # 3 (Sept. 1962)

Sam Rosen begann seine Comic-Karriere um 1940 als Letterer für Will Eisners Zeitungscomic „The Spirit“. Zusammen mit Artie Simek zeichnete er hauptverantwortlich für das Erscheinungsbild der Marvel Comics der 1960er Jahre. Sam Rosen schrieb die Texte in die Sprechblasen, gestaltete Soundwords und entwarf Schriftzüge. Seine letzte bekannte Arbeit erschien mit Coverdatum vom Dezember 1972 in „Captain America“ # 156. In den deutschen Heften findet man seinen Namen meist in den Credits der frühen HIT Comics, obwohl von den Originalbuchstaben in der deutschen Bearbeitung kaum etwas zu sehen blieb. Aufgeführt wurde er unter allen möglichen (Berufs-)Bezeichnungen wie z.B. Druck, Verlag, Schreiber, Zeichner und Illustration.

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Die wiedergefundene Textstelle: „Überfahrt“ (45)

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Die Marvels wie sie wirklich waren: Irving Forbush

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier wiederzugeben.

Irving Forbush
Geboren im November 1955
Einsatzgebiet: Redaktionsmitglied im Hause Marvel
Erste deutsche Erwähnung: Hit Comics Nr. 24
Geheimidentität: Forbush Man

Ein Mann – zwei Identitäten …

Der Name Irving Forbush taucht unentwegt in der Sekundärliteratur auf, sobald von den Marvel-Machern der 1960er Jahre die Rede ist. Peter Skodziks „Deutsche Comic Bibliographie“ beispielsweise, listet ihn für Condors FV-Album Nr. 8, Hit Comics Nr. 28 des bsv und „Thor“ Nr. 1 von Williams. In Wirklichkeit existiert Irving Forbush jedoch nicht. Stan Lee erfand die Figur als Antwort auf ECs Alfred E. Neumann für das MAD-Pendant „Snafu“. SNAFU ist die Abkürzung für eine militärische Floskel: „Situation normal, all fucked up!“ (etwa: Lage wie üblich, alles im Eimer). Weiterlesen

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Erwischt! – Ayn Rand und die Pulps

betr.: Geburtstag von Lester Dent*

Der politische Roman „Atlas wirft die Welt ab“ ist schon aufgrund seiner Länge von etwa 1600 Seiten schwer zugänglich. Weiterhin dadurch, dass seine überaus spannende Handlung immer wieder durch philosophische Traktate gebremst wird, die es allerdings in sich haben. (Das soll keine Entschuldigung dafür sein, dass dieses in den USA legendäre Buch hierzulande praktisch unbekannt ist – wir haben es offensichtlich nicht verdient.)

Etwa in der Mitte der Erzählung bin ich auf eine Stelle gestoßen, die mir die Verfasserin wieder ein klein wenig näher gebracht hat. Ich sehe die streitbare Dame in einer unbeobachteten Stunde „Doc Savage“* lesen. Diese Taschenbuchreihe (1933-49) ist einerseits schundigster Pulp, andererseits ein sprudelnder Quell der Inspiration für zahllose Werke der Popkultur, die in den Jahrzehnten seither weltweit Milliarden von Dollar eingespielt haben. Dass zu diesen Werken auch „Atlas Shrugged“ von Ayn Rand** gehört, fiel mir zu Beginn von Kapitel VII in dessen Zweitem Teil „Die Stilllegung des Verstandes“ auf.
Eine mysteriöse Männerstimme, von der niemand sagen kann, ob sie aus einem Flugzeug, einem Radio oder sonst einem Lautsprecher kommt, evakuiert eines Abends ein Stahlwerk, ehe dieses dem Erdboden gleichgemacht wird – möglicherweise mit Marineferngeschützen. (Nichts Genaues weiß man nicht, über dieses Ereignis wird nur geraunt. Jedenfalls hat es sich zugetragen!)
Für Rand-Verhältnisse ist dies ein äußerst pompöser und phantastischer Vorgang. Ansonsten pflegt die Autorin einen profund recherchierten Realismus. Diese Passage ist purer Lester Dent. Oder sagen wir: typisch für den Stil von Kenneth Robeson, jenes Verlagspseudonym, unter dem hauptsächlich Dent geschrieben hat.

Und das ist gut so. Der Roman ist so relevant und provozierend, so prall gefüllt mit unbequemen Denkanstößen, dass sein milder phantastischer Twist ausgesprochen wohltut. Er entfaltet sich sehr langsam, hat jedoch dazu geführt, dass „Atlas Shrugged“ von einigen Fachleuten zur Science-Fiction gerechnet wird. Möglicherweise kennen diese Fachleute aber auch nur die Inhaltsangabe …
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* Siehe zu Lester Dent und „Doc Savage“ auch https://blog.montyarnold.de/2018/10/12/doc-savage-der-bronzemann-die-deutschen-taschenbuecher/
** Näheres unter https://blog.montyarnold.de/2019/03/06/heisser-buchtipp-fuer-netflix/

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Geschichte des Komiker-Handwerks (54)

Fortsetzung vom 14.10.2020

Einige Jahre lang hatte ich die Slam-Szene aus den Augen verloren, und mein Eindruck drohte zum Vorurteil zu verschwimmen. So besuchte ich wenige Wochen vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Hamburg einen Poetry Slam, um mir ein frisches Bild zu machen und vielleicht sogar richtig auf den Geschmack zu kommen.

Der Moderator der Show legte gleich zur Begrüßung Wert darauf, durch ein besonders prominentes Ereignis dieser Sparte zu führen. (Das freute mich hinsichtlich der Belastbarkeit meines angestrebten Updates!)
Was folgte, hatte mit Poetry Slam nichts zu tun. Es kamen ausschließlich umgangssprachliche Monologe zum Vortrag, die stilistisch keinerlei besondere Ambition verrieten, frei dahergeplauderte Texte zu den üblichen Alltagsthemen: Sex und Partnerschaft, Suche nach Sex, Autofahren, Parkplatzsuche, Einkäufe im Supermarkt, soziale Medien … Hin und wieder wurde kurz auf die von rechts bedrohte Demokratie angespielt, aber das geschah nur als Einwurf und ließ keinerlei persönliche Haltung erkennen.

Die Jury wählte immerhin die beiden Mitwirkenden aus, die sich am unterhaltsamsten geschlagen hatten. Dann geschah etwas Bemerkenswertes: Weiterlesen

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Augen zu, Ohren auf: „Anaconda“

Schlechte Filme mit guten Soundtracks (8)

Der 90er-Jahre-Monsterschlangen-Horror „Anaconda“ ist kein wirklich schlechter Film, vor dem man warnen müsste. Er ist netter Trash, der außerhalb seiner Nerd-Gemeinde niemandem wehtut. Davon, dass die Riesenschlange nicht eine Metropole angreift (wie ihre Kolleginnen und Kollegen aus den 50er Jahren) sondern an ihrem heimatlichen Standort auf ihre Opfer trifft (ein Filmteam), profitiert Randy Edelmans Filmmusik – und umgekehrt. Diese arbeitet noch mit musikalischen Motiven (eine Tugend, die sich 1997 bereits auf dem Rückzug befand), und ihr Sound erinnert sehr an die zur selben Zeit produzierte Musik für das Werbefernsehen. Die leichteren Passagen von „Anaconda“ würden auch für wilde Frische (Duschgel, Deo, Rasierwasser) oder exotische Aromen (Kaffee, Tee, was mit Früchten) den trefflichen Rahmen bereiten, einige der schwungvolleren für maskulines Tempo (Autos, Sportartikel oder wiederum Rasierwasser und Duschgel). Doch vor allem bietet diese Musik alles, was der Film nicht hinbekommt: sie ist emotional mitreißend und vergnüglich.
Den ungetrübtesten Spaß bereitet „Anaconda“ somit im Abspann, der eine gutgebaute achtminütige Suite aus Edelmanns Material bereithält.
Leider werden im Kabelfernsehen, wo der Film hie und da noch zu sehen ist, Abspänne nicht gezeigt. Die Soundtrack-CD ist für kleines Geld antiquarisch zu haben. Sie ist ein Kabinettstückchen.

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Die wiedergefundene Textstelle: „Überfahrt“ (44)

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Wie man anzündet

betr.: „Feuer der Freiheit“ von Wolfram Eilenberger

Es wird eng im Bücherregal!
Erst vor wenigen Jahren geschah die Aufnahme von H. P. Lovecraft in den Kanon der Klassiker der phantastischen Literatur, und seither kann man ihn ganz normal im Buchladen kaufen – sogar in guter Übersetzung! Die benachbarte Popkultur plündert ihn so fröhlich wie nie. (Es gibt sogar einen exzellenten Lovecraft-Comic!*) Das war überfällig! Auf Lovecraft hingewiesen haben mich Ende der 70er die Marvel-Comics. Da galt er noch als Schund. Heute stellt ihn die Fachwelt mit E. A. Poe in eine Reihe.

… und ihr Wiederhall in der Comic-Kunst …

Ähnlich verhält es sich mit einer russisch-jüdisch-amerikanischen Autorin (auch sie ein alter Marvel-Lesetipp), die  langsam aber sicher bei uns entdeckt und gedruckt wird.
In den USA gilt Ayn Rand als relevanteste Denkerin der Jahrhundertmitte, hierzulande ist sie bisher bedeutungslos. Im Internet wird sie zumeist als sektiererische raubtierkapitalistische Schwätzerin abgetan.
Endlich kann man sie auch auf deutsch lesen (was ich immer hilfreich finde). Das werden ihre Gegner weiterhin unterlassen, denn unter 1000 Seiten macht sie’s nicht. Ihren Roman „Atlas wirft die Welt ab“ (1600 Seiten, neuer deutscher Titel: „Der Streik“) habe ich erst zur Hälfte durch, trotzdem freue ich mich, dass auch „Der ewige Quell“ (neuer deutscher Titel: „Der Ursprung“) wieder aufgelegt wurde. Zuletzt war er nur als abgegrabbeltes Taschenbuch antiquarisch für einen Mondpreis zu haben. Voriges Jahr brachte das Thalia Theater eine leider völlig überladene Adaption dieses Romans auf die Bühne. In der Einführung entschuldigte sich die Dramaturgin dafür, dass hier einer solchen Fanatikerin ein Forum gegeben werde, aber es handele sich ja immerhin um ein gemäßigtes Frühwerk.
Nun wird Rand zusammen mit drei anderen Philosophinnen in einem Buch näher beleuchtet: „Feuer der Freiheit“. Es geht vorwärts.

Es stimmt schon: Ayn Rand befürwortet den Kapitalismus. Dabei sollte man allerdings bedenken, dass die 1982 verstorbene Erzählerin und Philosophin die Auswüchse nicht vorhergesehen hat, die dieser annehmen würde, wenn er jahrzehntelang keinerlei Zügelung durch den Gesetzgeber erfährt. Stellt man dies in Rechnung, hat Rand mit vielem recht, z.B. damit, dass die real existierenden bzw. demokratisch durchführbaren Alternativen Faschismus und Kommunismus heißen. Dass Rand nicht hellsehen konnte, ist schade aber nicht unehrenhaft. (Okay – Marshall McLuhan, ihr kanadischer Kollege und Zeitgenosse, konnte hellsehen. Aber deswegen wird er hierzulande auch nicht viel häufiger gelesen.) Ayn Rand, diese streitbare lesbische Dame, war offensichtlich eine Romantikerin (was ihr vermutlich selbst nicht bewusst gewesen ist.)
Außerdem jedoch und zuallererst ist sie eine tolle Erzählerin! Sie ist keine Meisterin der Verknappung, und das steht ihrer Rezeption etwas im Wege. Die Story, die „Atlas wirft die Welt ab“ antreibt, ist ein wirklicher Thriller, dessen Figuren sich allerdings immer viel Zeit nehmen, miteinander – und mit uns – zu debattieren.
Dieser Streit kann jetzt auch im wirklichen Leben losgehen. Und es wäre zur Abwechslung mal einer, der sich lohnen würde.

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* Es gibt inzwischen mehrere Lovecraft-Comics, aber wirklich exzellent ist dieser: https://blog.montyarnold.de/2015/08/20/o-schrecken-schrecken/

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Geschichte des Komiker-Handwerks (53)

Fortsetzung vom 12.10.2020

1986 erfand Marc Kelly Smith in Chicago den Poetry Slam, ein Wettbewerbs-Gruppenlesen, das jungen Dichtern ein öffentliches Forum abseits der Gunst des Literaturbetriebs bieten sollte. In abendfüllender Länge präsentierten bis zu zehn Autoren ihre in der Regel unveröffentlichten Texte (keine Songs oder sonst etwas Musikalisches!) und wurden dann von Länge und Lautstärke des Beifalls oder einer aus den im Saal Anwesenden zusammengestellten Jury bewertet. Heute ist schwer zu sagen, ob Smith die heutige Begeisterung für Ranking-Shows angeschoben hat oder ob er einfach nur einen guten Riecher hatte. In jedem Falle passte die sportliche Komponente bestens zum Publikumsgeschmack der Jahrtausendwende.

Die Rituale und Gepflogenheiten eines Poetry Slam sind denen der Comedy nicht unähnlich: die von Rock-Konzerten übernommene laut-fetzige Auftrittsmusik, die Länge eines Acts (planmäßig 6 bis 10 Minuten), das Fehlen von Requisiten, die Illusion von Authentizität (auch bei Kunstfiguren wie lustigen Automechanikern, Jungpoeten, Mitbewohnern etc.) sowie die Wichtigkeit des Moderators, der seinen Teil zu Dauer und Gelingen des Abends beiträgt. Auch die Zielgruppen ähnelten sich. Hier wie dort handelte es sich um den Typus „lachbereite Partygäste“.

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Von der Anstrengung, die das Töten abverlangt

betr.: „Anthony Mann – Kino der Verwundung“ (Bertz+Fischer)

Ich habe nicht viel für Western übrig, und daher habe ich mir Anthony Mann (1906-67) – einen vielseitigen Regisseur, der vor allem für seine Western in Erinnerung ist – bisher nicht näher angesehen. Das hätte auch großer Eigeninitiative bedurft, denn unter den respektierten Handwerkern Hollywoods blieb er stets unauffällig und es gab kaum Bücher über ihn. In Deutschland noch nie – bis jetzt.
Als ich „Anthony Mann – Kino der Verwundung“ von Ines Bayer entdeckte, habe ich schon deshalb zugegriffen, um eine seltene Gelegenheit nicht verstreichen zu lassen. Sollte das Buch mich nicht vollauf begeistern, wäre es in jedem Falle eine gute Ergänzung der Filmbibliothek.
Es hat mich vollauf begeistert!

Barbara Stanwyck, mit der wieder einmal nicht gut Kirschen essen ist, auf dem Titel des besprochenen Buches und in „Die Farm der Besessenen“.

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