Wer den Kneipenpfennig nicht ehrt …

betr.: Der Film „Meine Welt ist die Musik – Der Komponist Christian Bruhn“ (2017)

Christian Bruhn ist für mich, was er für alle Halbstarken der 70er Jahre ist: ein „Vater unsterblicher Melodien“. Vor allem für TV-Serien. Doch nicht nur das – sein längst verstummtes Instrumental „Flying Dutchman“ war mein aller-allererster Ohrwurm, und der Soundtrack zu „Timm Thaler“ meine erste eigene Langspielplatte.* Ich wollte unbedingt das Lied vom „Kli-Kla-Klawitter“-Bus auswendig können; ich lernte es durch wöchentliches Wiederhören in Rekordzeit. Wenige Jahre später – der technische Fortschritt hatte Einzug gehalten – kniete ich vor dem Fernseher, um die Titelmelodie von „Captain Future“ mit dem Plastikmikro auf Cassette mitzuschneiden. Im Grunde ging es uns doch allen so oder ähnlich.
Doch es gibt noch eine persönliche Christian-Bruhn-Erinnerung, die ich (bisher) nicht mit Millionen Menschen des deutschen Sprachraums teile. Weiterlesen

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Die ZDF-Serie „Dick und Doof“ – Episodenführer

betr.: 27. Todestag von Hal Roach / 127. Geburtstag von Oliver Hardy (kommenden Freitag) / DVD-Box „Dick und Doof“

dick-doof-roachHal Roach war der Entdecker und – in deren glücklichen Zeiten – auch der Produzent von Laurel und Hardy. Bei den in der Vorabendserie „Dick und Doof“ präsentierten Filme (siehe unten) stimmte dies aber nur zum Teil.

Die Vorabendserie „Dick und Doof“ stellte für die Generation der Babyboomer die Grundversorgung mit Laurel und Hardy sicher. Der sorglose Umgang des ZDF mit dem historischen Filmmaterial, das chaotisch miteinander verschnitten (und dem neu geschaffenen Zusammenhang zuliebe zuweilen sogar neu synchronisiert) wurde, tat dem Vergnügen des jugendlichen Publikums keinen Abbruch, wurde jedoch ab Mitte der 70er Jahre gemeinsam mit der Bezeichnung „Dick und Doof“ vom ZDF selbst und vom Feuilleton für viele Jahre geächtet.
Um auf eine Sendelänge von 25 Minuten zu kommen, wurde einem stummen oder Tonfilm-Zweiakter mit Laurel und Hardy ein kurzer Ausschnitt aus einem stummen Ein- oder Zweiakter vorangestellt (erstmals in Folge 3). Hier sind die beiden Komiker – zumeist Stan Laurel – auch solo in der Zeit vor ihrer Partnerschaft zu sehen. Diese Vorspiele wurden (wie auch die Stummfilme im Hauptteil) im Alleingang von Hanns Dieter Hüsch synchronisiert.
In den Tonfilmteilen hören wir, wenn nicht anders angegeben, Walter Bluhm als Laurel und Arno Paulsen als Hardy.

Dies ist eine detaillierte Übersicht über die Filme, die in den Episoden verarbeitet sind.
Beginnend mit Folge 33 werden hie und da die Langfilme des Paares in zwei bzw. drei Folgen aufgeteilt und durch ein kleines Voice Over von wechselnden Sprechern kommentiert, die angegeben sind, soweit ich sie erkennen konnte.
Die Inhaltsangaben beziehen sich nur auf die selten beleuchteten Vorspiele mit Laurel oder Hardy.

– Disc 1 –

1. Der zermürbende Klaviertransport (ZDF-Erstsendung: 17.7.1970)
Originaltitel der verwendeten Filme: The Music Box (1932)
Aus diesem Dreiakter stammen auch die Bilder, die im Vorspann zu sehen sind.

2. Die Nacht im Mordhaus (24.7.1970)
The Laurel And Hardy Murder Case (1930)

3. Dem Henker entronnen (7.8.1970)
Two Tars (1929) (Landstraßen-Szenen) / The Second Hundred Years (1927) Weiterlesen

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Zu schön, um große Kunst zu sein

betr.: 115. Geburtstag von Richard Addinsell

Richard Addinsell kam in Oxford zur Welt, wo er zunächst Jura studierte. Er wechselte zur Musik und zunächst zum Royal College Of Music in London, dann von 1929 bis ’32 nach Berlin und Wien. Naturgemäß erinnert sich niemand mehr an seine Theatermusiken und noch weniger an seine Arbeiten für das frühe Hörspiel. Selbst sein Wirken als Filmkomponist beschäftigt heute kaum noch die erklärten Fans dieses Genres, obwohl Addinsell einen wirklichen Klassiker in die Welt gesetzt hat: das „Warschauer Konzert“.
1941 entstand der britische Film „Dangerous Moonlight“, aus dessen Soundtrack
das einsätzige Klavierkonzert hervorging. Es wurde zum Symbol des polnischen Widerstandswillens gegen die deutschen Unterdrücker und war in kunstbeflissenen Kreisen nicht wohlgelitten: mit seinem eingängigen Hauptmotiv geriet es nach einer verbreiteten Meinung zu sehr in die Nähe der Unterhaltungsmusik. Der „Radio Times Movie Guide“ von 2014 schmäht die Komposition als „ultra-corny“ und verreißt auch den Film über einen verliebten Pianisten in Kriegszeiten als „dröge“ und „nicht gerade gut inszeniert“. Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (138): Einladung zum Geburtstag

König 50_iWer von einem Zeichner zum Geburtstag eingeladen wird, darf sicher sein: er bekommt keine Einladungskarte mit Diddl-Mäusen. (Es sei denn, er wird vom großen Diddl-Mäuserich eingeladen…) Der 50. von Ralf König fiel in die Phase, da er sich intensiv und sehr sachkundig an Religionsthemen abarbeitete. Es war dennoch ein heiteres Fest mit schönem Kulturprogramm.

König 50_iiFortsetzung folgtCopyright by Ralf König

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Der Song des Tages: „Amanda“

betr.: 4. Todeststag von Anita Ekberg

“Die Morde des Herrn ABC”* hat einen Soundtrack von Ron Goodwin; das trifft sich gut, denn so kann Miss Marple, wenn sie und Mr. Stringer vorbeischauen, mit ihrer eigenen berühmten Erkennungsmelodie um die Ecke kommen.
Ein weiteres musikalisches Juwel in dieser Agatha-Christie-Verfilmung ist der Song „Amanda“. Amanda Beatrice Cross (ABC) ist die mysteriöse Blondine in dieser Geschichte und ihre Darstellerin Anita Ekberg in den Sixties ein internationaler Leinwandliebling aus Schweden.
Jene Amanda steht abends an einer Bushaltstelle, und die nach ihr benannte Ballade scheppert aus ihrem Transistorradio. Sowas geht nur im Film, denn dieser Titel von Ray Peterson (dessen Karriere ab dieser Zeit verglühte) ist nie auf Platte herausgekommen oder gar im Radio gespielt worden. Er entstand einzig und allein, um  für ein paar Sekunden unter dem Dialog zu erklingen und dann – nach wenigen Zeilen – wieder ausgeblendet zu werden.
Welch eine Verschwendung!
Hier kommt er nun endlich in voller Länge.
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* Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2017/02/23/die-schoensten-filme-die-ich-kenne-17-die-morde-des-herrn-abc/

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Sie sind Akrobat? Schön!

betr.: 139. Geburtstag von Grock

Wie wichtig die sprichwörtlichen Frauen hinter den sogenannten großen Männern sind, sieht man an den Biographien unzähliger Künstler, die auf sich gestellt möglicherweise schon nach wenigen Jahren wegen mangelnder Geschäftstüchtigkeit unter die Räder gekommen wären (Peter Frankenfeld, Peter Alexander, Robert Stolz …). Es könnte sein, dass Grock – einer der größten Zirkusclowns meiner Kindertrage, Schlachtruf: „Nit möööglich“ – auch ohne seine sehr tüchtige Gattin zurechtgekommen wäre (sie machte nicht nur die Kasse sondern auch die Geräusche), denn Grock war Schweizer. (Adrian Wettach hieß Grock, weil er aus einem Duo namens „Brick und Grock“ übriggeblieben war.)
Gert Fröbe erzählte, wie gerührt und im angenehmen Sinne irritiert er war, als jener Grock ihn nach einem Auftritt im gleichen Benefiz-Galaprogramm per Handschlag für eine gemeinsame Tour engagierte: “Die Tournee dauert ein Vierteljahr, Sie bekommen dreihundert D-Mark pro Tag, das sind fast 28.000 D-Mark.“ Fröbe hatte die 50 Minuten vor der Pause zu füllen, Grock kam nach der Pause für eine Stunde heraus. Damit war Gert Fröbe nicht nur in die ehrenwerte Zunft der Artisten aufgenommen, er hatte außerdem eine für 1950 restlos irre Summe verdient.
Später fragte der Schauspieler seinen Manager, Weiterlesen

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Die schönsten Filme, die ich kenne (89): „Ed Wood“

Mitte der 90er Jahre bekam das nachlässig verübte Filmhandwerk ein offizielles Gesicht: das von Edward D. Wood jr – bzw. vom etwas hübscheren Johnny Depp, der diesen Trashfilmer in einem Biopic verkörperte. Obwohl sich „Ed Wood“ eng an die „wahren Ereignisse“ hält, auf denen er beruht, ist er ein durchgeknallter Spaß und der warmherzigste und amüsanteste Film über das unausweichliche Scheitern, der sich denken lässt. Der reale Wood stieg dadurch posthum zum „schlechtesten Regisseur aller Zeiten“ auf. Weltweit. Zu einem derartigen Urteil können wirklich nur die Amis kommen, die nie einen Film von Hans-Christoph Blumenberg gesehen und nie „Kalt in Kolumbien“ von Dieter Schidor durchgestanden haben.

Hollywood Mitte der 50er Jahre. Ed Wood ist ein Kinonarr mit Hang zur Science-Fiction. Er nötigt seine Freunde, ihm bei der Verwirklichung von No-Budget-Projekten zu helfen und bringt schließlich Pornoproduzenten, Fleischfabrikanten und eine Baptistengemeinde dazu, seine haarsträubenden Filme zu finanzieren: Geschichten von UFOs, irren Forschern und Transvestiten; mit letzteren kennt Wood sich aus, denn obwohl heterosexuell, hat er selbst eine Vorliebe für Damenunterwäsche und Angorapullis.
Zu der Gruppe von Sonderlingen, die er um sich geschart hat, gesellt sich eines Tages eine echte Legende: der von Alter, Obskurität und Morphium gezeichnete Ex-Horrorstar Bela Lugosi, der seinen Dracula-Umhang und seine Parallel-Identität als Fürst der Finsternis in Ehren hält. Weiterlesen

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Badezimmerhumor

betr.: 78. Geburtstag von Graham Chapman

Bis heute ist Graham Chapman – gottlob – der einzige nicht-Überlebende der Komikertruppe, die nach dem Titel ihrer ersten gemeinsamen TV-Serie „Monty Python“ heißt. Wenn man sich über die Jungs auf dem Laufenden hält (ihre gelegentlichen Interviews liest – auch wenn es in denen von Terry Gilliam stets um anderes als Monty Python geht -, die Python-Doku vor einigen Jahren gesehen und die Biographie von John Cleese gelesen hat …), dann musste die Veröffentlichung der nachgelassenen Biographie von Graham Chapman „Autobiografie eines Lügners“ im Jahre 2012 eine gute Nachricht gewesen sein. Leider nur bis zu dem Moment, da man versuchte, sie tatsächlich zu lesen.*

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Natürlich hat Chapman eine Menge zu erzählen, doch er erliegt einer Versuchung, die jede Komödiantenbeichte grundsätzlich bedroht**: er meint unentwegt blödeln zu müssen, Weiterlesen

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Die schönsten Filme, die ich kenne (88): „Wir sind alle Millionäre“

Bei meinem Lieblingssender arte laufen regelmäßig aktuelle europäische Miniserien (früher hätte man „Dreiteiler“ gesagt), die bei geringer Kürzung auch in einen Spielfilm hineinpassen würden. Meistens werden sie bereits bei ihrer Erstausstrahlung in einem Rutsch versendet. Diese Produkte sind von untadeliger Routine, niemals ganz frei von guten schauspielerischen Leistungen und taugen in der Regel nichts. Doch hie und da blitzt ein Juwel unter ihnen auf. Eines davon passt thematisch ganz gut zum heutigen Dreikönigstreffen der FDP.

Der Titel „Wir sind alle Millionäre“ meint die Bewohner der Pepys Road in einem Londoner Vorort, die sich angesichts eines völlig überhitzten Immobilienmarktes als reiche Leute betrachten dürfen. Eine ominöse Kampagne sorgt für eine weitere Gemeinsamkeit dieser zutiefst unterschiedlichen Nachbarn: „Wir wollen, was ihr habt“ steht auf den täglich eintreffenden Postkarten mit heimlich geschossenen Fotos der Adressaten und ihrer Häuser. Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (137): Nasen in XXL

Schon seit vielen Jahren ist Ralf König im In- und Ausland auch Gegenstand von Ausstellungen, also ganz offiziell ein Künstler mit Museumswürde. Aus diesem Anlass fertigt er immer wieder großformatige Versionen seiner Zeichnungen in Acryl, die die Originale seiner Comics – die er als einer der ganz wenigen Comic-Künstler 1:1 anfertigt – gewissermaßen einrahmen.
Solches geschah auch zu feierlichen Anlässen wie Buchpräsentationen oder nützlichen Veranstaltungen. Hier sehen wir eine Skizze zum immergrünen Thema „Safer Sex“ und den Meister bei der Arbeit (Mitte der 90er Jahre).
Safer SexFortsetzung folgt

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