Der Song des Tages: „If“

Betr.: 28. Todestag von Telly Savalas

Eine LP des Gelegenheitssängers Savalas in seinem Outfit aus dem Film „Horror Express“. (Die betreffende Filmmusik ist nicht auf der Platte, die Arrangements stammen allerdings von John Cacavas, der sie komponiert hat.)

Der Song „If“ war Ende des 20. Jahrhunderts vor allem bei Schauspielern beliebt. Unzählige Male wurde er auf Schallpatten gepresst, auf denen diese Künstler, die eigentlich keine Sänger waren, sich trotzdem von einem Orchester begleiten ließen, um „If“ entweder zu singen, zu rezitieren oder etwas dazwischen. Auch „Kojak“-Darsteller Telly Savalas hat ihn irgendwann aufgenommen, jener wuchtige Womanizer mit der Spiegelglatze, der sich in der deutschen Fassung seiner Erfolgsserie „Einsatz in Manhattan“ die Synchronstimme mit Benjamin Blümchen, Balu dem Bären und dem Überraschungsei „Persionaggio“ teilte. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hat Telly Savalas tatsächlich nicht nur gesprochen, wenn das Orchester spielte. In den frühen 80er Jahren hatte er sogar einen Hit mit dem Song „Some Broken Hearts Never Mend“.

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„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (16)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 15.1.2022

Da im Studio nichts weiter zu entdecken war, kümmerten sich Ham, Monk und Long Tom um den seltsamen Schrei, der kurz nach Manows Verschwinden hinter dem Haus erklungen war. Sie durchsuchten sorgfältig den Park, ohne jedoch den geringsten Hinweis auf etwas Ungewöhnliches zu entdecken.
„Der Teufel soll diesen Fall Manow holen“, knurrte Monk.
Der Polizist feixte. „Ich warte immer noch darauf, dass Sie etwas unternehmen, das Ihrem Ruf gerecht wird.“
Sie gingen wieder ins Haus; der Polizist blieb im Garten. Mittlerweile war er davon überzeugt, dass das Gerede um die Gruppe des berühmten Doc Savage nur maßlose Übertreibung der Zeitungsschreiber war.
„Der Bulle fällt mir auf die Nerven“, sagte Monk zu Ham. „Er läuft nur herum und macht alberne Bemerkungen. Ich glaube, er hält mich für blöd.“
„Das darf dich nicht wundern“, meinte Ham hämisch, „nachdem er dich gesehen hat …“  Weiterlesen

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Miklós Rózsa pantomimisch

betr.: 67. Geburtstag von Simon Rattle

Kürzlich durfte ich Sir Simon Rattle in Aktion erleben. Er dirigierte eines der Geburtstagskonzerte aus der Serie „5 Jahre Elbphilharmonie“. Ich durfte mir das nicht entgehen lassen, da eines meiner Lieblingsstücke gegeben wurde: das überaus selten aufgeführte Violinkonzert von Miklós Rózsa, gespielt von einem meiner Lieblings-Klangkörper, dem London Symphony Orchestra.
Die selektive Akustik der Elphi ist legendär – zumindest überall abseits der Touri-Verarsche.  Selbstverständlich ist es durchaus möglich, gut zu hören, aber man muss schon ein gehöriger Glückspilz sein! Für meinen 230-Dollar-Sitzplatz (2. Reihe) galt das jedenfalls nicht. Ich hörte die Klarinette weitaus besser als die Solo-Violine (Roman Simovic), und die vermutlich auch nur deshalb so halbwegs gut, weil ich das Klangerlebnis im Kopf ergänzen konnte.

Am nächsten Abend hatte auch das Werk Geburtstag: Programmzettel der Uraufführung von Miklós Rózsas „Violin Concerto“ 1956 – aus dem Programmheft des erwähnten Abends in der Elbphilharmonie.

Simon Rattle verriet uns etwas über seinen persönlichen Geschmack. Die anschließende Sinfonie von Sibelius hat er auswendig dirigiert.

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Die große Verheißung des New Hollywood

New Hollywood = Sammelbegriff für US-amerikanische Filme, die von 1967 bis Ende der 70er Jahre das traditionelle Hollywood-Kino vorübergehend modernisierten. Diese Ära gilt als eine der künstlerisch bedeutendsten Phasen des amerikanischen Films und ist eine typische Übergangsphase: geprägt von einer Stimmung des Aufbruchs, in der alles möglich scheint, und von sehr kurzer Dauer.

Nur, was lange lebt, kann so häufig totgesagt werden wie das Kino. Als die 60er Jahre zuendegingen, war es wieder einmal so weit. Durch das zwanzig Jahre zuvor eingeführte Fernsehen hatte das Kino drastisch an Bedeutung verloren. Seit den 40er Jahren waren die Besucherzahlen von 4 Milliarden auf ein Viertel abgeschmolzen. Die alten großen Gesellschaften des Studiosystems, denen sowohl die Stars als auch die Filmtheater gehörten, mussten sich den widrigen Verhältnissen anpassen. Um Kosten zu senken, gingen sie dazu über, Personal zu entlassen (was zu Streiks führte), eigene Ateliers zu schließen und einzelne Projekte an kleinere Produktionsfirmen auszulagern, auch nach Europa. Außerdem konnten sich kulturferne Konzerne in die Filmstudios einkaufen und sich fortan inhaltlich einmischen: Coca Cola, die Bank Of America oder der Ölmulti Gulf+Western. Das Familienunternehmen Walt Disney Productions schaffte es, unabhängig zu bleiben, was aus heutiger Sicht nicht ohne Ironie ist.

Als das Studiosystem zuendeging, installierten sich Unterzeilen in den traditionsreichen Logos.

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Queer In The Eighties

Eine Filmreihe im METROPOLIS KINO Hamburg
in Zusammenarbeit mit der Queer Media Society
und der Salzgeber & Co. Medien GmbH, die viele dieser und zahlreiche andere Filme restauriert hat.

Heute abend:

Verführung: Die grausame Frau

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/12/28/queer-in-the-eighties-2/
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Buddies OmU
USA 1985, Regie: Arthur J. Bressan Jr., 81 min.
Mit Geoff Edholm, David Schachter

Als dieser erste Spielfilm zum Thema AIDS entstand, redeten in Deutschland viele noch von „Schwulenkrebs“, und ein transatlantischer Medizinerstreit herrschte darüber, ob der Erreger nun LAV, HTLV III oder HIV heißen sollte. Für so etwas hatten die ersten Opfer der „neuen Lustseuche“ keine Zeit.
Der junge New Yorker Schriftsetzer David lernt den erkrankten Robert kennen. Obwohl er den Todgeweihten bereits im Stadium der Verbitterung antrifft, verliebt er sich in ihn und will herausfinden, was für ein Mensch er früher einmal gewesen ist. Mit den beiden reisen wir in die Zeit zurück, als über den Freiheiten, die sich die Homo-Szene in San Francisco eben erkämpft hatte, das Damoklesschwert einer tödlichen Krankheit schwebte, von der noch niemand etwas ahnte.

Mo 24.01. 19:30
Einführung: Aids-Hilfe Hamburg

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„Doc Savage – Die Festung der Einsamkeit“ (15)

Eine phantastische Erzählung von Kenneth Robeson

Siehe dazu: https://blog.montyarnold.de/2021/10/06/19056/

Fortsetzung vom 7.1.2022

Ham und Monk befragten die Angestellten und bekamen eine haarsträubende, blutrünstige Beschreibung des schwarzen, qualmenden Gespenstes zu hören, in das Serge Manow sich verwandelt hatte.
Ham und Monk zogen Gummihandschuhe über und besichtigten das Studio im Dachgeschoss, wo sich der mysteriöse Vorfall zugetragen hatte. Der Raum war etwa neun Meter lang, wenig mehr als halb so breit und hatte an jedem Ende ein großes Fenster. In jeder der beiden Längsseiten befand sich eine Tür; die Türen führten zu den unbenutzten Teilen des Dachgeschosses, die fensterlos und stockfinster waren.
„Hier sind Ratten und Mäuse herumgelaufen“, stellte Monk sachlich fest und leuchtete mit seiner Taschenlampe.
„Ja“, sagte der Polizist grinsend. „Ratten- und Mäusespuren haben wir auch gefunden …“
„Ihr Ton gefällt mir nicht“, sagte Monk säuerlich.
Der Polizist grinste. „Ich hab‘ in der Zeitung gelesen, Monk Mayfair wäre ein Genie“, sagte er. „Ich hab schon immer mal ein Genie bei der Arbeit beobachten wollen.“
Monk tat nichts, das geeignet gewesen wäre, den Erwartungen des Polizisten zu entsprechen, vielmehr unternahmen Ham und Monk alles, um den Sachverhalt noch mehr zu verwirren. So legte Monk die Zange, die der Chauffeur durch die schwarze Erscheinung Serge Manows geschleudert hatte, unter ein Mikroskop, wobei Ham ihm hilf reich assistierte.
„He!“ sagte Monk und besah sich die Zange. „Was siehst du?“ erkundigte sich Ham ungeduldig. „Ja“, sagte Monk rätselhaft, „ich hatte recht.“
„Womit?“ Long Tom war herangetreten und spähte nun über Monks andere Schulter.
„Er spricht nicht mehr mit uns“, teilte Ham mit.
„Doch“, sagte Monk. „Das Metall, aus dem diese Zange besteht, ist auf eine merkwürdige Weise kristallisiert.“
Der Polizist mischte sich ein. „Was heißt kristallisiert?“
Monk wandte sich an den Chauffeur. „Haben Sie diese Zange regelmäßig benutzt?“
„Gewiss“, sagte der Chauffeur, „fast täglich.“ „Haben Sie damit auch gehämmert?“
„Natürlich“, sagte der Chauffeur, „das kommt manchmal vor.“
„Sehen Sie her“, sagte Monk.
Er klopfte mit einer Feile auf die Zange, und die Zange zerbrach in mehrere Teile. Sie war spröde wie Glas.
„Das ist aber seltsam .. .“ Der Chauffeur schluckte.

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Die schönsten Filme, die ich kenne (108): „Network“

betr.: 45. Todestag von Peter Finch

Howard Beale (Peter Finch) präsentiert die Nachrichtensendung des New Yorker Privatsenders UBS (Union Broadcasting System). Als nach vielen Jahren seine Einschaltquoten sinken, wird er entlassen. Sein langjähriger Freund und alter Vorgesetzter Max Schumacher (William Holden) kann ihm nicht helfen – zumal er sich mit Beales Gegnerin, der karrieristischen Diana Christensen (Faye Dunaway), auf eine Affäre einlässt. Verzweifelt kündigt der Nachrichtensprecher live für die nächste Woche seinen Selbstmord an: vor laufender Kamera will er sich erschießen. Das Medien-Echo ist gewaltig, die Quoten explodieren, und Beale steigt zum Guru auf, zum Rächer der Unzufriedenen und Zukurzgekommenen. Leider seiner Rolle als Erleuchteter nach einer Weile selbst auf den Leim.
Als sein wachsender Fatalismus die Zuschauer zu vergraulen beginnt, will der Sender ihn erneut loswerden – diesmal endgültig …

„Network“ von Sidney Lumet ist vielleicht die beste Mediensatire, die das Kino je hervorbringen wird – und dabei gibt es darin kaum Übertreibung (die der Satire ja zueigen ist). Erst in seinem Finale leistet er sich eine wirklich haarsträubende Wendung. Bis dahin ist „Network“ eine reine Milieustudie und bar jeder Art von Slapstick (jener artifiziellen Variante der Situationskomik). Ungeachtet seines volatilen Themas (den Mühen des Menschen, einen Bildschirm zu füllen) altern Paddy Chayefskys blitzschnelle, böse Dialoge nicht, seine Pointen nicht und auch nicht seine Argumente. Als ich den Film erstmals nach dem Ende der Trump-Ära wiedersah, die unser Verhältnis zur Medienlandschaft (und besonders zu den Nachrichten) völlig neu kalibriert hat, bestätigte sich dieser Eindruck.

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Die wiedergefundene Textstelle: Todesmonolog des Colonel Kurtz

Apocalypse Now
Omni Zoetrope 1979
Produziert von Francis Ford Coppola
Drehbuch: John Milius und Francis Ford Coppola nach Joseph Conrad und T. S. Eliot
Regie: Francis Ford Coppola

Zeit: 1970er Jahre
Ort: Kambodscha

Der Vietnamkrieg tobt. Cpt. Benjamin Willard erhält den Auftrag, im Dschungel nach Colonel Walter E. Kurtz zu fahnden und ihn „auszuschalten“. Kurtz war ein hochdekorierter Offizier, jetzt wird er wegen Mordes und Fahnenflucht gesucht, doch es könnte noch mehr dahinterstecken. Er herrscht als Warlord  über ein kleines abgelegenes Reich und vollzieht an seinen Untertanen „unaussprechliche Rituale“ (Conrad).
Willard folgt dem Nung River flussaufwärts. Als er gegen Ende des Films endlich zu Kurtz durchgedrungen ist, wird er von dessen Männern gefasst und gefoltert. Willard übersteht die Strapazen. Kurtz ist beeindruckt und lässt ihn unbehelligt zu sich vordringen, obwohl er weiß, dass Willard den Auftrag hat, ihn zu töten.  

Wir sind die hohlen Männer
Die Ausgestopften
Aufeinandergestützt
Stroh im Schädel. Ach,
Unsere dürren Stimmen,
Leis und sinnlos
Wispern sie miteinander
Wie Wind im trockenen Gras
Oder Rattenfüße über Scherben
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Tierhaargespräche

geführt von Monty Arnold

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Die grünen und die grauen Lazarettfelder

betr.: Textanalyse

Clemens Setz ist nicht nur hinsichtlich der geschaffenen Textmenge außerordentlich fleißig, sondern auch bei der Wahl seiner Formate. Neben längeren Erzählungen, Kurzgeschichten und 1000seitigen Romanen produziert er Feuilletons, Essays, Hörspiele, Theaterstücke, Rezensionen, Vorworte, Gedichte und regelmäßige Einträge in die sozialen Netzwerke – Texte in allen Größen also. Wer so umtriebig ist, kann jederzeit zwischen den Stilen und literarischen Ansätzen wechseln. Er kann es aber auch bleibenlassen – oder ganz anders machen.
In der Kurzgeschichte „Südliches Lazarettfeld“ aus dem Band „Der Trost runder Dinge“ schaltet der Autor mehrmals von einer Gattung in die andere. So gut die drei Passagen aufeinanderpassen, so gut ließen sie sich auch als eigenständige Texte lesen.

Abschnitt 1 – 2, 3. Absatz
„Südliches Lazarettfeld“ beginnt mit einer Alltagspoesie, die von der Setz-typischen gesteigerten Weltwahrnehmung geprägt ist: ein Schriftsteller verabschiedet sich von seiner Frau, um zu einer Literaturveranstaltung in Kanada aufzubrechen. Der Ich-Erzähler kokettiert damit, dem ähnlich zu sein, was wir über den Autor zu wissen glauben.

Abschnitt 2, 4. Absatz – Absatz 9, 2. Absatz
Es folgt ein Stand-Up-Monolog über das skurrile Leben auf dem Flughafen. Die Rituale, die dortige Atmosphäre und das Verhalten aller Anwesenden werden so zärtlich wie treffend beschrieben. (Könnte dieser Flughafen schon das titelgebende Lazarettfeld sein?)

Abschnitt 3, 3. Absatz – Ende
Nun geht die Geschichte in eine verstörende Allegorie über die Trennung eines Paares über. So präzise wie zuvor der Alltag, wird nun ein sprachloser Alptraum geschildert. (Wir sind tatsächlich im Lazarett angekommen.)

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