Oma 100

betr.: die saarländische Mentalität / Demografischer Wandel

Ich habe gelesen, dass besonders gesunde, robuste Menschen ab einem bestimmten Lebensalter – wohl irgendwann nach 80, 85 –  nicht mehr weiteraltern, sondern in eine Art lebendiges Mumienstadium übergehen. Wie eine eingetrocknete Blüte in einem Herbarium, die noch immer jeden Morgen ihren Kelch öffnet.
Meine Großmutter väterlicherseits war so ein unverwüstliches Exemplar.
In ihren 90ern hatte sie hin und wieder keine Lust mehr. Dann erklärte sie ihren Angehörigen, es gehe mit ihr zuende. Sie legte sie sich ins Bett, setzte ein Gesicht auf, das sie für eine Leichenmiene hielt, und dachte, sie müsse nur stillhalten, dann würde der Herr sie schon zu sich rufen.
Nun war sie aber so stabil, dass der Herr nichts dergleichen tat.
Nach ein paar Tagen wurde ihr langweilig, und sie stand wieder auf. Ihrer Familie erklärte sie dann: „Isch läwe nummo nou!“ („Ich lebe wieder neu!“) und nahm den Alltag wieder auf.
So machte sie das von Zeit zu Zeit, und niemand nahm die Sache sonderlich ernst.

Oma muss 97 gewesen sein, da Weiterlesen

Veröffentlicht unter Buchauszug, Gesellschaft, Kabarett und Comedy, Monty Arnold - Biographisches | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das große „Captain Marvel“-Schmähbuch

betr.: die „Captain Marvel Anthologie“ von Panini

Als Leser der „Captain Marvel Anthologie“ sollte man kein allzugroßer Fan von „Captain Marvel“ sein. Die zuständige Redaktion ist es jedenfalls nicht.

1548842645_DOSMA191_min

„Captain Marvel – zwischen den Sternen“ ist offensichtlich ein Begleitbuch für die anlaufende Filmreihe mit Brie Larson in der Hauptrolle, tut aber auch so, als wolle es die wichtigsten Kapitel in der wechselvollen Geschichte dieses Helden-Charakters* noch- oder erstmals zugänglich machen. Vor jedes darin nachgedruckte Heft – das erste erschien auf dem Höhepunkt von Marvels Silver Age – wurde ein kundiger Artikel gesetzt. Gemeinsam mit den Stories wollen diese Texte einen roten Faden von „The Coming Of Captain Marvel“ (1967)** in die Gegenwart spinnen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn die Auswahl der Geschichten strotzt nur so vor Desinteresse am Thema des Bandes, „den PANINI extra für den europäischen Markt zusammengestellt hat“. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Comic, Film, Marvel, Rezension, Science Fiction | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Marvels wie sie wirklich waren: Der unglaubliche Hulk (2)

Unglaublich aber … Hulk! (Fortsetzung vom 8. Februar 2019)
von Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/

Vermächtnis der Raumfahrer_S.1
Eröffnungsseite aus Hit Comics Nr. 143 (Hulk # 110). Nach Marie Severin war Herb Trimpe lange Zeit “federführend”. Während Williams die niedrigeren Hulk-Nummern aus „Tales To Astonish“ chronologisch veröffentlichte, erschienen die späteren, sowie die Abenteuer nach der Serien-Aufsplittung (Incredible Hulk ab # 102 / Sub-Mariner ab # 1) fast ausschließlich beim bsv und in den Taschenbüchern bzw. Alben von Condor.

„Hulk essen!“ – Platzsparender Satzbau

Der Condor Verlag ließ den Hulk 1979 mit eigener Album-Reihe gefolgt vom Taschenbuch auferstehen. Zwar hatte er noch zu Williams-Schlusszeiten Auftritte bei den FV, Spinne und den Rächern, doch die waren jeweils nur von kurzer Dauer. Obwohl man bei Condor keinesfalls von einer vorbildlichen Edition sprechen konnte, schaffte es der Verlag die Figur zu etablieren und vorhandene Lücken zu schließen (z.B. „Hulk“ # 3, 5, 6 und Annual # 1). Interessant dabei ist die Sprache des Hulk, der perfekt in die heutige Zeit von Kurzmitteilungen (SMS) und Neudeutsch, Weiterlesen

Veröffentlicht unter Comic, Marvel, Medienkunde, Popkultur, Science Fiction | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Peter und Thomas

betr.: 30. Todestag von Thomas Bernhard

Der Herrgott muß a Weaner sein,
dabei gibt’s nix zu lachen,
er hat erfunden d’Liab und ‘n Wein,
und andere schöne Sachen.                                         (Wienerlied, 19. Jahrhundert)

Der Tod, das muss ein Wiener sein.                          (Georg Kreisler, Nachkriegszeit)

Entgegen seiner stets offen zur Schau gestellten Zentralbotschaft, dass er nicht nur die Gegenwart von Menschen unerträglich finde, sondern vor allem die Menschen an sich, wird er heute geliebt und gefeiert. Besonders in Österreich, das er stets zum Zentrum seines Weltekels gemacht hat. Da rundet sich das Bild: große Kultur-Österreicher sind immer auch große Österreich-Hasser. Das ist zumindest seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs so, wenn mich meine eigene biografische Froschperspektive nicht täuscht.

Ich lag auch auf dieser Line, aber zunächst habe ich er nicht bemerkt, bin ich doch mit einer ganz anderen Art von Österreicher aufgewachsen.
Das Phänomen Peter Alexander war eine Säule in der Popkultur der jungen Bundesrepublik, und rückblickend betrachtet war dieser Entertainer der einzige junge Ösi, der keinen Hang zur Nestbeschmutzung hatte. Entsprechend heiß wurde
er von meinen Landsleuten verehrt (die sich ja nicht lange zuvor ganz gerne von einem Österreicher hatten regieren lassen). Weiterlesen

Veröffentlicht unter Fernsehen, Film, Gesellschaft, Musicalgeschichte, Musik, Theater | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wie man ein Dialogbuch schreibt (9)

Es ist allgemein bekannt, dass man für ein und die selbe Aussage im Deutschen mehr Silben braucht als im Englischen. Sind die sprechenden Personen im Bild – also nicht im Off (außerhalb des Bildes) oder im Conter (im Bild, aber mit verdeckter Mundpartie) – muss sich der Autor der deutschen Synchronfassung für eine Methode entscheiden, um die hinzukommenden Silben irgendwie einzusparen oder sie leicht versetzt an anderer Stelle unterzubringen.

Die eleganteste Methode ist: man verknappt die Sache sinngemäß, lässt Redundantes weg und nutzt zum Beispiel „äh“s und das im Amerikanischen allgegenwärtige „well“, um stattdessen inhaltlich zu werden.
Leider wird diese Variante häufig zurückgewiesen, weil die Redaktion / Produktion es sich leicht macht und nach der Devise verfährt: alles muss rein!
Dann bleibt dem Autor nichts anderes übrig, als mehr Text in den Dialog zu packen und die Sprecher schneller reden zu lassen. Das ist der Grund, warum deutsch synchronisierte Szenen – vor allem in Sitcoms – oftmals so geschwätzig wirken.

Hier sind ein paar besonders hübsche Beispiele für die unterschiedliche Textmenge des Englischen gegenüber dem Deutschen:

need or not
ob man es braucht oder nicht Weiterlesen

Veröffentlicht unter Buchauszug, Medienkunde, Mikrofonarbeit, Übersetzung und Adaption | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Outtakes von Ralf König (142): Nahaufnahme

Ralf König zeichnet im selben Format, das wir auch in seinen Büchern sehen – eine Methode, die sich einerseits aus der Praxis der ersten jugendlichen Kritzeleien erhalten hat und die andererseits die Arbeit nicht leichter macht. (Man stelle sich vor, eine Seite aus einem „Lustigen Taschenbuch“ 1:1 abzuzeichnen …) Diese Gewohnheit hängt auch mit den Stiften zusammen, die Ralf benutzt, sogenannte Fineliner, die bei unterschiedlichem Druck die Strichstärke geringfügig verändern. Sie tun das übrigens nur für kurze Zeit. Die Stifte dürfen weder zu neu noch zu abgenutzt sein.

In Youth Is Pleasure 1

Wenn in seinen Comics Großaufnahmen zu sehen sind, sind sie in aller Regel per Fotokopie vergrößert, was man am kräftigeren Strich erkennen kann. Dies ist eine nicht vergrößerte Detail-Abbildung, bei der Ralf mit einem anderen Arbeitsgerät experimentiert hat. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Comic, Literatur, Ralf König | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der schillernde Schmierant

betr.: 96. Geburtstag von Heinz Drache

Wenn früher der runde Geburtstag eines wichtigen Synchronsprechers in der Presse gewürdigt wurde, fehlte nie der Hinweis, der Kollege betrachte sich ja in erster Linie als Schauspieler. Auch die wirklich großartigen Vertreter fühlten sich notorisch unterschätzt und für das Falsche gelobt, wenn die Sprache auf ihre Leistungen am Mikrofon kam.
Heinz Drache übte diese Tätigkeit nur in ausgewählten Fällen aus, und er war ein ganz besonders guter Synchronschauspieler. Das ist schon daran zu erkennen, dass wir ihm in „Marnie“ unvertrauterweise sogar Sean Connery abgenommen haben. Er sprach für Trevor Howard im Klassiker „Der dritte Mann“ und war – wenn auch nur im Fernsehen – die unübertroffene Traumbesetzung für Charlton Heston, der ungeachtet seines Ruhmes keine feste deutsche Stimme hatte (und häufig eine völlig unpassende). Okay: man konnte ihn auch fehlbesetzen – z.B. als Gene Kelly in „Wer den Wind sät“, den arte morgen abend ausstrahlt.

https://www.arte.tv/de/videos/086680-010-A/wer-den-wind-saet-von-stanley-kramer-ein-film-eine-minute/

Naturgemäß müssen Heinz Draches konservierte schauspielerische Leistungen in „Opas Kino“ – auf der Bühne habe ich ihn nie gesehen – gegen so viel Hollywood-Glamour etwas abrutschen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Fernsehen, Film, Krimi, Mikrofonarbeit, Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Marvels wie sie wirklich waren: Der unglaubliche Hulk (1)

Kürzlich las ich, wer zwei Geschichten erfindet und diese miteinander verschränkt, der habe bereits universe building betrieben. So leicht war das nicht immer. Ein Pionier dieser Kunst war Stan Lee, mit dessen Marvel Comics sich das Fan-Magazin „Das sagte Nuff“ von 2005 bis 2010 auseinandergesetzt hat.
Ich bedanke mich bei Daniel Wamsler, dem Autor und Macher des Magazins, für die Genehmigung, seine Artikel hier wiedergeben zu dürfen. In unserer Serie mit Superheldenportraits widmen wir uns heute dem Hulk.

Unglaublich aber … Hulk!
von Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/

Hulk-1 Williams_FHulk Nr. 1 von Williams. Während das Monster, in das sich Dr. Banner bei Einbruch der Dunkelheit verwandelte, in den USA zunächst grau war, wählte man in Deutschland bereits ab dieser Ausgabe grün. Vielleicht weil es im gleichen Monat noch einen weiteren Auftritt hatte ...

Auf einem Wüstengebiet in den USA findet der Test einer Gammabombe statt. Unter der Leitung von Dr. Bruce Banner, der die Bombe baute, sollen die Sprengkraft und die Auswirkungen der freigesetzten Strahlung für militärische Zwecke erforscht werden. Während der Countdown bereits läuft, bemerkt der Wissenschaftler einen Jugendlichen, der mit seinem Wagen mitten auf das Gelände fährt. Banners Assistent Igor soll den Countdown anhalten, damit er den Jungen aus der Gefahrenzone bringen kann. Doch Igor sieht in Banner einen Feind und nimmt die Gelegenheit wahr, ihn aus dem Weg zu räumen. Zwar gelingt es dem Wissenschaftler, den Jungen, der auf den Namen Rick Jones hört, zu retten, doch er selbst wird von der vollen Strahlungsdosis getroffen. Als es Stunden später dunkel wird, verwandelt sich Banner in ein graues Ungetüm – die Geburtsstunde des Hulk.

Nachts sind alle Katzen grau

Ursprünglich war der tatsächlich grau, aber schon mit der zweiten US-Nummer entschieden sich die Verantwortlichen für ein mehr zur Radioaktivität passendes Grün. Ebenso schien eine Verwandlung von Dr. Banner zum bei Aufregung und Stress plausibler als bei Einbrechen der Dunkelheit. Wohl deshalb bestrahlten Stan Lee und Jack Kirby den grünen Koloss noch mehrmals mit unterschiedlicher Intensität. Eigentlich sollte die zusätzliche Strahlung helfen, den Wissenschaftler zurückzuverwandeln, erzielt wurde jedoch der gegenteilige Effekt. Vermutlich wären die Abenteuer eines Monsters, das nachts einsam durch die Wüste springt für das Zielpublikum auf Dauer nicht besonders interessant gewesen …

Hinzu kam, dass Marvel zu dieser Zeit zu viele Titel auf dem Markt hatte bzw. ein begrenztes Kontingent bei den Zeitschriftenvertrieben. Deshalb wurde Weiterlesen

Veröffentlicht unter Checkliste, Comic, Marvel, Medienkunde, Science Fiction | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Was ist Kommunismus?

Wie kann man einem Kind erklären, was Kommunismus ist und wie er funktioniert?
Ich würde ihn auf die Welt des Kindes übertragen: die Schule.

Nach der Logik Kommunismus ließe sich Gleichheit in einer Schulklasse herstellen, indem jedes Kind einer Klasse (einer Schule, eines Landes …) die gleiche Note bekommt. Dann wären nämlich alle gleich, und das müsse doch gerecht sein.

Wie käme diese Note zustande? Alle bekämen die Note, die sich aus dem Leistungsdurchschnitt der Klasse errechnen lässt. Will man nun seine Note verbessern (und damit auch die der anderen), müsste man besonders fleißig lernen, um damit auf die Durchschnittsnote Einfluss zu nehmen. Also würde moralische der Aufruf an die Klasse lauten: seid alle schön fleißig, dann wird für alle die Note besser! Für uns alle.

Mit dem Ergebnis dieser Regelung würden die Kinder nun aber ganz unterschiedlich umgehen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Von Mopsy-Möpsen und Menschen

betr.: 17. Todestag von Hans Paetsch

Für die jungen Hörspiel-Freunde der 70er Jahre hieß Winnetou mit bürgerlichem Namen nicht Pierre Brice sondern Konrad Halver. Der war nicht nur ein vielbeschäftigter Sprecher, sondern auch ein fleißiger Hörspielautor und –produzent bei der EUROPA. Eines seiner bevorzugten Betätigungsfelder waren die seinerzeit so beliebten Literaturklassiker-Bearbeitungen. Mit dem halbstarken Helden „Mopsy Mops“ und seinem Kosmos setzte er 1970 einen eigenen Charakter in die Welt, der in vier „Comic-Hörspielen“ auf Langspielplatte seine irren Abenteuer erlebte. Diese waren irgendwo zwischen „Fix und Foxi“ und „Jerry Cotton“ angesiedelt. Konrads Standing in der Hörspielszene bescherte ihm jedesmal eine Traumbesetzung – zu der auch der größte unserer Märchenerzähler, Hans Paetsch gehörte – und ein Publikum, aus dem später einige influente Unterhaltungskünstler hervorgegangen sind: Rocko Schamoni etwa, Hennes Bender oder Oliver Kalkofe, der immer wieder in Interviews auf den beglückenden Blödsinn aus der Halver-Werkstatt zu sprechen kam.
In den späten Jahren produzierte Konrad Halver in seinem „Graceland-Studio“ im Hamburger Logenhaus und wurde dort regelmäßig von Fans und jungen Kollegen besucht, gefeiert und von der Arbeit abgehalten. Seine letzte Serien-Rolle war der Kiez-Bulle „Kommissar Dobranski“, der seine Fälle auf schlecht vertriebenen Hörspiel-CDs und gut besuchten Live-Hörspiel-Events zu lösen hatte. Diese Shows vergrößerten die Gemeinde derer, die sich um den alten Ober-Indianer scharten und ihm einen sehr geselligen Lebensabend bereiteten.

Mopsy (4)-(5)Das letzte der klassischen „Mopsy-Mops“-Alben (mit Zeichnungen von Karl Feldtmann) (Paradiso 1981) und die Reloaded-Folge # 5 (Cover: Adrian Keindorf) (Hierax Medien 2011)

In der „Dobranski“-Zeit in den Nullerjahren wurde immer häufiger der Wunsch an Konrad herangetragen, Mopsy Mops wiederzubeleben. Der gute Wille war da, und auch der Humor des Meisters hatte sich erhalten, aber Konrad war Weiterlesen

Veröffentlicht unter Checkliste, Comic, Hörspiel, Kabarett und Comedy, Krimi, Monty Arnold - Biographisches | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar