Der Song des Tages: „Is It A Crime?“

betr.: 97. Geburtstag von Judy Holliday

Der flüchtige Fernsehzeitungsleser konnte diese Schauspielerin schonmal mit Judy Garland oder Billie Holiday verwechseln, mit denen sie – neben ihr Musikalität – eine gewisse Tragik verbindet: sie starb – noch jünger als die Kolleginnen – mit knapp 44 Jahren an Brustkrebs. Da sie zuvor außerdem Probleme mit dem McCarthy-Ausschuss hatte, haben sich nur wenige ihrer Auftritte auf Film erhalten.

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Billie Holliday als Covergirl des Broadway-Cast-Albums von „Bells Are Ringing“ (1956)

So ist die Telefonistin Ella Peterson in „Bells Are Ringing“ bereits ihr letzter Filmauftritt, eine Rolle, die sie zuvor auch am Broadway gespielt hat. Dieses Musical kreist vollständig un seine Heldin, die sich in verschiedenen Gesangsstilen und auch in kabarettistischer Weise produzieren kann. (Bibi Johns trat 1966 in der deutschen TV-Version auf und meint im Rückblick, so gute Musik habe sie nicht alle Tage zu singen bekommen.) Weiterlesen

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Birdwatching

betr.: Jens Wawrczeck hat aus Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ ein Hörbuch gemacht (Edition Audoba).

Der häufig strapazierte Satz vom neuen Detail, das man bei jedem Wiedersehen eines geliebten Filmes entdeckt, ereilte mich beim gefühlt zwanzigsten Anschauen von „Die Vögel“ auf einer Meta-Ebene. Was mir knapp 40 Jahre lang entgangen war und was ich auch noch nirgendwo gelesen habe: der 3. Akt von „Die Vögel“ ist für sich allein betrachtet der erste archetypische Endzeit-Film. Glauben Sie nicht? Nennen Sie mir einen, der schon vorher gedreht wurde, und ich werde Abbitte leisten. Natürlich gab es schon vorher Filme, die in dystopischer Wüstenei abliefen – und einige Monate später wieder in der ersten Verfilmung von Richard Mathesons „I Am Legend“ mit Vincent Price (später „Der Omega-Mann“ mit Charlton Heston)  – aber die besondere Atmosphäre, die dieses Genre als große Klammer umarmt, findet sich zuallererst in Hitchcocks Schlusskapitel und dann in einer Unzahl von Science-Fiction-Filmen, besonders in den 70er Jahren. Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (121): „Herbst in der Hose“ (xx)

Im Handyladen wird Konrad noch einmal auf die harte Tour daran erinnert, dass er aus einem anderen Jahrhundert stammt.

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Copyright by Ralf König
Fortsetzung folgt

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jünger werden mit Jeanette MacDonald

betr.: 115. Geburtstag von Jeanette MacDonald

Die Wikipedia schreibt über die Bedeutung der US-amerikanischen Schauspielerin und Sopranistin Jeanette MacDonald: “Gemeinsam mit Nelson Eddy bildete sie ein populäres Leinwandpaar der 1930er und frühen 1940er Jahre.“ Das ist fürchterlich untertrieben: die beiden waren das bis heute bedeutendste Gesangspaar der Filmgeschichte – nur, dass diese Auszeichnung eben längst keine mehr ist. (Das ist so, als würde man jemanden dafür loben, dass er es war, der in Wirklichkeit die erste Mickymaus gezeichnet hat.)
Die Film- oder besser Kino-Karriere der MacDonald begann 1919: sie war 16 Jahre alt und betrat das „Capitol Theatre“ auf dem Broadway durch die Hintertür, um vor den fünf Präsentationen des Films „Blind Husbands“ von Erich von Stroheim die Prologe zu tanzen: das „Capitol“ war einer jener Filmpaläste, in denen die noch stummen Features mit einem edlen Rahmenprogramm versehen wurden. Ein soeben beendeter zäher Streik hatte dazu geführt, dass das Mädchen dafür pro Woche mit sagenhaften 25 $ belohnt wurde. Da ließ es sich verschmerzen, dass bei ihrem Vornamen im Programm das erste E fehlte.
Später in Hollywood wollte Jeanette MacDonald im Jahr 1907 zur Welt gekommen sein. Weiterlesen

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Die schönsten Filme, die ich kenne (5) – (6)

Natürlich liebe ich eine Unmenge Filme, die jeder andere auch liebt – und die folglich von ebensovielen gekannt wird. In dieser Serie will ich den Blick auf die ungehobenen Schätze hauptsächlich des Kinos lenken. Aber auch Dokumentarfilme, Kurzfilme und Cartoons sowie Erzeugnisse der Subkultur werden nicht verschmäht.

(6) „Formicula“ ist einer dieser Filme mit mutierten Riesenviechern, die das amerikanische Publikum in den 50er Jahren so liebte. Obwohl er nicht von Jack Arnold stammt – dem unbestrittenen Oberfähnleinführer dieses Genres – hat der Film einen besonderen Platz in meinem Herzen, und das liegt nicht zuletzt an der Figur des alten Ameisenforschers.
Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2014/09/14/eine-art-gesetzestreuer-fantomas/

(7) „Cow’s Instincts, Don’t It?“ ist eine Episode der Cartoon-Reihe „Cow And Chicken“, die Mitte der 90er unter dem Hanna-Barbera-Label lief und so gar nicht nach Hanna-Barbera aussah: rasant, garstig, die Säulen der amerikanischen Moral auf die Schippe nehmend. (Dies stellte sich bald als eine kurze Phase der Verwirrung heraus.) Praktisch jede Folge der ersten Staffel dieser Serie hätte eine Aufnahme in diese Liste verdient, doch diese war meine erste Episode, und ich glaube, sie ist wirklich ein guter Einstieg.
Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2014/09/15/zu-wahr-um-schoen-zu-sein/

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Die schönsten Filme, die ich kenne (7) – (9)

Natürlich liebe ich eine Unmenge Filme, die jeder andere auch liebt – und die folglich von ebensovielen gekannt wird. In dieser Serie will ich den Blick auf die ungehobenen Schätze hauptsächlich des Kinos lenken. Aber auch Dokumentarfilme, Kurzfilme und Cartoons sowie Erzeugnisse der Subkultur werden nicht verschmäht.

(7) „Marty“ bekam 1956 den Oscar als Bester Film und machte den knorrigen Ernest Borgnine für den Rest seines Lebens zum gutbeschäftigten Charakterdarsteller. Dennoch kennt diese berührende Charakterkomödie heute kein Schwein. Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2015/07/08/bitte-wiederentdecken-marty/

(8) „Monsieur Verdoux“ wurde Ende der 40er Jahre sehr ungnädig aufgenommen, weil niemand Charlie Chaplin als Frauenmörder sehen wollte. Wie heißt es doch so schön unter Filmhistorikern: „Heute dürfen wir uns ein sachlicheres Urteil erlauben!“ Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2015/09/05/chaplins-bester-tonfilm/

(9) „Bewegliche Ziele“ ist das Erstlingswerk von Peter Bogdanovich. Er drehte danach noch drei vollkommen unterschiedliche makellose Prachtstücke der Filmkunst – und versagte bei Film Nummer 5 umso gründlicher.
Als Regisseur kam der noch immer aktive Regisseur nie wieder zu seiner frühen Höhe hinauf, doch als Filmhistoriker hat er Großes geleistet. Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2016/07/20/das-gegenteil-von-spielberg/

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Das könnte mir so passen

betr.: Dankesrede des Schriftstellers Peter Stamm zur Verleihung des Solothurner Literaturpreises / „Neue Zürcher Zeitung“ vom 18. Mai 2018

Da gibt es dieses wöchentlich erscheinende Magazin, das in der Bonner Republik stets in einem Atemzug mit dem „Spiegel“ genannt wurde. Ich lese es seit sicher 20 Jahren nicht mehr regelmäßig, und gerät mir doch einmal ein Exemplar in die Hände – zumeist in einem Wartezimmer – befällt mich eine leichte Schwermut angesichts eines solchen Niedergangs. Ich blättere mich dann rasch durch dieses Gemisch aus ganzjährigen Sommerloch-Themen, dieses konsequent auf Wirkungslosigkeit ausgerichtete Wischiwaschi der Lifestyle- und Selbstoptimierungs-Vorsätze. Irgendetwas hat mich dieser Tage dazu veranlasst, eine solche „Strecke“ (wie sowas dann immer heißt) tatsächlich komplett durchzulesen, und ich fand darin einen klugen (wenn auch journalistisch unerheblichen) Aphorismus. Weiterlesen

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Die schönsten Filme, die ich kenne (68): „Der Zirkus“

Sieht man von einem insgesamt vergessenen Melodram ab, ist „The Circus“ der am wenigsten populäre von Charlie Chaplins abendfüllenden Stummfilmen und wird sogar von einigen der Kurzfilme überrundet. Er verfügt nicht über solche Kabinettstückchen wie den „Brötchentanz“ oder die ikonografische Szene mit dem Fabrikarbeiter im Zahnradgetriebe. Abgesehen davon ist er von unerreichter konzeptioneller Reinheit und hält einen Slapstick bereit, der mich bei jedem Anschauen aufs Neue in Erstaunen versetzt. Auch der nachträglich geschaffene Soundtrack – das Titellied nahm Chaplin an seinem 80. Geburtstag auf – ist einfach meisterlich.

Unschuldig von einem Polizisten über den Rummel gejagt, flieht der kleine Tramp in einen Zirkus und bringt die müde Vorstellung durcheinander. Da das Publikum sich bei dieser Gelegenheit erstmals richtig amüsiert hat, nimmt ihn der Zirkusdirektor unter Vertrag. Zunächst krankt das Projekt daran, dass Charlie nur versehentlich komisch sein kann, doch er kriegt den Bogen raus, und der Zirkus prosperiert. Nun kann er sich für die leidgeprüfte Stieftochter des Direktors starkmachen, in die er sich verliebt hat. Doch Charlies Hoffnung, sie würde aus Dankbarkeit seine Gefühle erwidern, erfüllt sich nicht. Das muss er erkennen, als ein attraktiver Seiltänzer zur Truppe stößt …

Circus-Silent-Pictures-LaserDisc-343284-N_FDie Laserdisc mit ihren Extra-Tonspuren und Bonus-Materialien war die Vorläuferin der DVD. Auf dem Cover dieser „Circus“-Prachtausgabe von 1993 sehen wir Chaplin mit Merna Kennedy und dem köstlichen Henry Bergman. (Fox Video) Weiterlesen

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Ein ehrenvoller dritter Platz

betr.: 125. Geburtstag von Dorothy L. Sayers

Lord Peter Wimsey belegt unter den Krimihelden aus britischen Landen den dritten Platz hinter Sherlock Holmes und Hercule Poirot, so wie es seine Erfinderin Dorothy L. Sayers unter den britschen Krimiautoren tut.

Die Abenteuer von Lord Peter Wimsey sind mir zuerst in Form einer typischen britischen Krimiserie der 70er Jahre begegnet. Der immer etwas feist dreinblickende Ian Carmichael (der heute gern auf deutschen Wimsey-Hörbuch- und Hörspiel-CDs abgebildet ist) ermittelte in muffigen Studiodekorationen, in denen man stets nur die sprichwörtlichen „Bilder von sprechenden Menschen“ sah. Möglicherweise könnte ich heute über die Unwuchten der Verabreichung hinwegsehen, damals mochte ich von dieser Serie nur die Titelmusik.

Meine Wiederbegegnung mit dem Krimihelden Lord Peter in einer MDR-Hörspielreihe gut 40 Jahre später verlief weitaus erfreulicher, obwohl auch die kein reines Vergnügen war. Weiterlesen

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Aufgedampftes – Briefe aus dem Osten (6)

Mitte der 80er Jahre pflegte ich eine Brieffreundschaft mit einem anderen Teenager: Andreas aus dem heutigen Sachsen-Anhalt. Das Nachdenken über Comic-Sammlerstücke geht weiter und nimmt auch Schallplatten in den Blick. In der Fußball-Angelegenheit konnte ich Andreas allerdings nicht helfen.

Brief 7bForts. folgt

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