Finden Sie das etwa komisch? – Ein Gesellschaftsspiel

betr.: Deutscher Humor der 70er Jahre

Schon Thomas Mann hat sein Publikum mit auffallend beknackten Namen irritiert, aber er bekam deswegen keinen Ärger. Die kreativen Köpfe der leichten Unterhaltung wurden hin und wieder wegen der „Dämlichkeit“ ihrer Figurennamen kritisiert, besonders als dieser Kunstgriff in den 70er Jahren überhandnahm. Inzwischen sind viele dieser Knallchargen in den Sprachgebrauch übergegangen.
Aber wer weiß noch, welcher Name wo herkommt bzw. hingehört?

1. Frau Suhrbier
2. Didi Meisenkaiser
3. Herr Müller-Lüdenscheidt
4. Herr Hacker
5. Kuno Knäul
6. Therese Jubelhose Weiterlesen

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Die schönsten Filme, die ich kenne (50): „Show People“

Mary Pickford klagte, es wäre logischer gewesen, wenn sich der Stummfilm aus dem Tonfilm entwickelt hätte, nicht umgekehrt. In der Tat war der Stummfilm zuletzt so weit verfeinert worden, dass sein abruptes Ende etwas Unverdientes und Verschnupfendes hat. Es wirkt ein bisschen so, als sei eine Serie, die man wahnsinnig liebt, zu früh abgesetzt worden.
Als „Show People“ in Produktion war, war diese Zeitenwende bereits eine unabwendbare Tatsache. Er war also von vorneherein veraltet, gehört aber zu den Stummfilmen, die noch fertiggestellt und aufgeführt wurden, weil es nach dem „Jazz Singer“* ohnehin noch knapp  drei Jahre dauerte, bis sich die Kinos und Filmateliers auf die neue Technik eingestellt hatten – und das ist ein großes Glück.

„Show People“ ist ebenso pfiffig wie seine Hauptdarstellerin und so temporeich, dass man das Fehlen des Tons nach einer Weile gar nicht mehr bemerkt. Weiterlesen

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The Windmills Of Their Minds

betr.: 57. Jahrestag der Premiere von „Man Of La Mancha“ / 77. Geburtstag von Terry Gilliam

Terry Gilliam, Erfinder des niedersausenden MontyPython-Fußes, hat zwei Dinge mit Orson Welles gemeinsam: mangelndes Organisationstalent bei immenser kreativer Fantasie und ein Faible für den „Ritter von der traurigen Gestalt“ Don Quijote. Beide Regisseure brachten Jahre damit zu, diesen Stoff nicht zu verfilmen. Der notorisch bankrotte Orson Welles drehte über einen langen Zeitraum immer wieder einzelne Szenen in der Hoffnung, es würde einmal ein Werk daraus: wann immer er etwas Geld mit kleineren Rollen in mittelmäßigen Filmen verdient hatte, trommelte er ein wenig Crew und seine beiden Hauptdarsteller Mischa Auer und Akim Tamiroff zusammen – bis ihm Auer schließlich wegstarb.
Terry Gilliam machte immer wieder neue Anläufe mit unterschiedlicher Besetzung, z.B. mit dem im Oktober ebenfalls verstorbenen Jean Rochefort als Quijote. Weiterlesen

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The Glorious Theater Lyrics Of Monty Arnold (22): „Tea Party“

betr.: 323. Geburtstag von Voltaire

In mehr als einem Jahrhundert Musical-Geschichte wurden die unterschiedlichsten Kunstgattungen als Vorlagen- und Ideengeber genutzt, bis hin zur Malerei. 1968 war „Die Irre von Chaillot“ aus dem Jahre 1945 an der Reihe, die sowohl zum absurden Theater als auch zu den Stücken mit Öko-Botschaft gerechnet wird. Das Finale des ersten Aktes ist ein Schein-Dialog dreier wunderlicher alter Damen, die u.a. davon überzeugt sind, mit Voltaire in Verbindung treten zu können.
Nachdem jede ihren kleinen neurotischen Song vorgetragen hat, singen sie – als Höhepunkt des einander-nicht-Zuhörens – gleichzeitig, und wundersamerweise fließt das alles harmonisch zusammen.

TEA PARTY
aus „Dear World“
Text und Musik: Jerry Herman
Deutsch von Monty Arnold

.     Gabrielle: Das ist der schönste Brigitte-Mira*-Ähnlichkeitswettbewerb, an dem ich je teilgenommen habe!
.     Constance: Seht Euch nur diese ganzen alten Krähen an. Schade, dass Hitchcock das nicht mehr miterlebt!
.     Countesse Aurella: Es ist irre, aber ich fühle richtig, wie diese Klamotten Besitz von mir ergreifen.
.     Constance: Das stimmt. Ich bin auch schon ganz blümerant – alles fühlt sich schräg und omihaft an.
.     Countesse Aurella: Ob wir wohl je wieder normal werden?!?
.     Gabrielle: Also, ich fühl mich wie immer.
.     Countesse Aurella: Für unsere Gabrielle ist das scheinbar die wahre Bestimmung, so rumzulaufen!
.     Constance: Mir wächst gerade eine Biografie – ein komplettes Leben mit Ex-Mann, dunkler Vergangenheit und allem Drum und Dran …

(MEMORIES)

Constance:
Ich seh Georges vor mir gerade als ob’s gestern wär’
Sein heißer Atem dröhnt wie’n Ventilator zu mir her. Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (93): Die blaue Mappe (xxx)

Der Inhalt dieser Mappe (2001-02) besteht aus Vorstudien zu „Sie dürfen sich jetzt küssen“ (2003) und „Dschinn Dschinn“ (2005 und 2006), welcher zunächst als „Konrad und Paul“-Band geplant war.

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Fortsetzung folgtCopyright by Ralf König

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Ixen für Anfänger (3)

So wird’s gemacht: Lesen Sie zuerst im Stillen, dann laut, was die Dame links sagt, ohne zu wissen, wie ihre Rede weitergeht.IxGarage_0

Stellen Sie sich nun die selbstkritische Frage, ob die Melodie, die Sie dem Satz gegeben haben, einen Sinn ergibt. (Anders gesagt: hatten Sie eine Idee, worum es in dieser Situation gehen könnte?) – Noch besser ist, wenn ein lieber Mensch, der Ihnen zugehört hat, Ihnen ehrlich sagt, ob Ihre Betonung sinnvoll war.

Es gibt drei Möglichkeiten, den ersten Satz sinnvoll zu betonen, je nachdem, wie die Rede weitergeht. Weiterlesen

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Heitere Halunken

betr.: 190. Todestag von Wilhelm Hauff

Die Kurt-Hoffmann-Filmkomödie „Das Wirtshaus im Spessart“ hat mit dem gleichnamigen Märchenzyklus von Wilhelm Hauff außer Titel und Schauplatz nichts gemein. Sie gehört zu der Handvoll Filme vor 1999, die regelmäßig im Fernsehen gezeigt werden (zumeist im Tagesprogramm der ARD-Dritten) und zum zuendegehenden Genre der Tonfilmoperette. Mit verlängertem Repertoire machte Komponist Franz Grothe 1977 eine Bühnenshow daraus, die ausdrücklich als „Musical“ verkauft wurde.

Wirtshaus im Spessart FDer Größe nach eine Single-Schallplatte, inhaltlich schon eine EP mit einem Querschnitt durch die Filmmusik von „Das Wirtshaus im Spessart“

Seit dem Erscheinen der Schallplatte zum Film hat sich die Situation der Filmmusik und ihrer Rezeption mehrfach gewandelt, so dass die Einschätzung aus den Liner-Notes des Großkritikers Friedrich Luft inzwischen wieder zutrifft:
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Schmuck aus Familienbesitz

betr.: 94. Jahrestag der Operettenpremiere „Die Perlen der Cleopatra“ im „Theater an der Wien“

Lange bevor sie die Cleopatra spielte, sah Fritzi Massary die berühmte Königin in einem Wiener Cabaret als französisches Schattenspiel mit Musik. „Cleopatra, ja, das wäre eine Figur für mich!“ will die Massary damals gedacht haben. „Aber nicht tragisch genommen, mit gebrochenem Herzen, sondern graziös und frivol – eine Königin, nicht volkstümlich und naiv, sondern aufreizend, sündig, voller Geist, eine kapriziöse mondäne Lebe- und Luxusdame.“
Damit hatte sie ziemlich genau das Image beschrieben, das sie später zu einer Berliner Legende machen sollte.
Und mit dieser Rolle schaffte sie im Frühjahr 1924 ihren Berliner Durchbruch, nachdem sie Monate zuvor in Wien damit gescheitert war: „Die Perlen der Cleopatra“ war ihr auf den Leib geschneidert worden und nach acht Wochen in der Versenkung verschwunden. Dass es in Berlin so viel besser funktionierte, soll am jungen Hans Albers gelegen haben, der für 20 Mark Abendgage den Marc Anton gegeben hat.

Es fehlte nicht viel, und Fritzi Massary hätten den Part der Pharaonenkönigin doch einmal „tragisch genommen“. Weiterlesen

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Das goldene Zeitalter der schrägen Vögel

betr.: 21. Todestag von Gerd Duwner

Wer schon länger synchronisierte Filme und Serien schätzt, dem wird aufgefallen sein, dass es in unserem bundesweiten Ensemble heute zwar durchaus reifere Stimmen gibt, die ihre Eigenheiten in Ehren entwickelt und gepflegt haben, dass wirklich schräge Organe jedoch nicht mehr nachwachsen. – Nach wachsen sie natürlich schon, werden aber am Mikrofon ungern eingesetzt, obwohl es in puncto Märchen und Fantasy mehr denn je zu tun gibt. In solchen Fällen behilft man sich mit dem Verstellen seriöserer Stimmen, was nicht dasselbe ist.
Solch genuine Charakterkehlköpfe wie Hans Hessling, Kurt Zips oder Eberhard Storeck hätten es als Anfänger heute schwer überhaupt aufs Gelände gelassen zu werden. Der letzte Synchronschauspieler, der es mit einem natürlich-ungewöhnlichen Sound zu großer Popularität bringen konnte, dürfte Santiago Ziesmer gewesen sein.
Dabei war es ja nicht so, dass man solche Stimmen nur in Komödien, Zeichentrick und Kinderfunk eingesetzt hätte, sie überzeugten auch im ernsten Fach. Weiterlesen

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Auf der Alm, da gibt’s koa Monty Python

betr.: 95. Jahrestag des Sendebeginns des BBC-Radioprogramms

Nach meiner Erinnerung machten erst ihre Kinofilme die Komikertruppe Monty Python hierzulande zu einem Begriff. Der erste dieser Filme war eine Remake-Montage ihrer Fernseharbeit, die hergestellt worden war, um ihren Humor dem US-Publikum zu erschließen. Danach liefen bei uns auch ein paar untertitelte Folgen von „Monty Python’s Flying Circus“ im Dritten Programm. (Bereits Anfang der 70er Jahre hatte der Entertainment-Feinschmecker Alfred Biolek zwei Episoden lang vergeblich versucht, mit dem Team ein Format fürs deutsche Fernsehen zu produzieren, in dem er sogar selbst mitspielte.)
Ich hatte mir die Serie nur flüchtig angesehen, erst im reiferen Alter lernte ich die Kunst dieser famosen Komiker wirklich zu schätzen. Ich fand den Look etwas zu müllig (was ich heute nicht mehr nachvollziehen kann). Auch wurde meinem jungen Herzen im deutschen Fernsehen trotz der noch sehr beschränkten Sendezeiten offenbar so viel „Show“ geboten (ich gebe zu, das klingt heute grotesk), dass ich den „Flying Circus“ zwar als wegweisend anerkannte, aber nicht von Herzen liebte.

Meine erste tiefergehende Monty-Python-Erfahrung geschah im Rahmen eines Komikerworkshops, den die frisch gegründete Unterhaltungsredaktion des Privatsenders ProSieben Mitte der 90er in München veranstaltete. Wir schrieben und produzierten dort kurze Filmchen, aber hauptsächlich ging es ums gegenseitige Kennenlernen und um die Findung einer Kerntruppe, die später im ersten eigenen Comedy-Format des Senders zusammenwirken sollte. Es gab auch kurze Seminarprogramme – nicht nur für uns Ausführende, auch die Redaktion war ja frisch und unverbraucht. Aus England besuchte uns Ian McNaughton, der als „der Regisseur“ von Monty Python“ annonciert wurde (eine fröhliche Übertreibung). Außerdem lief ein kleiner, kauziger Bursche namens Braukmann herum, der oft und gern die Formel in seine Rede einstreute: „Wir ham ja damals Monti Peiten nach Deutschland gebracht …“ – ich habe nie erraten, was er mit „wir“, „damals“ und „gebracht“ meinte.
Bei unserer Arbeitswoche in der Münchner Werkstatt jedenfalls war „Monty Python’s Flying Circus“  als wichtigster Leitstern allgegenwärtig. Mr. McNaughton hielt einen Vortrag, beantwortete Fragen, führte ein wenig Regie bei unseren Sketchversuchen, und es gab sogar einen Filmabend mit Python-Sketchen. Bei einem davon bekam ich den längsten Lachanfall, den ich je außerhalb einer Privatwohnung erlitten habe: Premierminister Chamberlain kehrt aus Berlin zurück, wo er mit Hitler das Appeasement-Papier unterschrieben hat, und soll nun von der Wochenschau dabei gefilmt werden, wie er siegreich die Gangway herunterkommt. Die Mühsal, eine simple Sache so oft zu wiederholen, bis das Kamerateam zufrieden ist, hat ja auch Loriot später mehrmals zur allgemeinen Erheiterung thematisiert. So komisch hatte ich das allerdings noch nie gesehen. – Trotz meines prustenden Gegackers im Angesicht ausländischer Gäste wurde ich in das feste Team mit aufgenommen. Weiterlesen

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