Die Outtakes von Ralf König (147): Studie „Heteros“

Hetero-Sofa

Das Buch „Der bewegte Mann“ erzeugte seinen Witz und hatte seinen Erfolg mit der Umkehrung des Normalitätsbegriffs: gemeinsam mit den schwulen Helden bestaunte die Leserschaft die skurrile Welt der Heteros. (In der Verfilmung wurde diese Perspektive wieder „korrigiert“.) Auf einer solchen Expedition befinden sich Konrad und Paul (o.) mit schöner Regelmäßigkeit. Tiefer hinein in die Terra incognita bewegt sich diese Skizze:
Nutte-1 Weiterlesen

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Die wiedergefundene Textstelle: Ein Filmhistoriker als Magier der Leinwand

betr.: 50. Todestag von Ernst Deutsch

Wir Hamburger kennen Ernst Deutsch als den Namensgeber eines unserer wichtigsten Privattheater. Es wurde vom damaligen Prinzipal Friedrich Schütter nach ihm benannt, um seinen Erfolg als „Nathan der Weise“ auf dieser Bühne zu würdigen. Zum ersten Mal ist mir sein koboldhaftes Gesicht im Klassiker und Kultfilm „Der dritte Mann“ aufgefallen.
In der Emigration in Hollywood hatte Ernst Deutsch hin und wieder Nazis gespielt, eine Ironie, die er mit einigen deutsch-jüdischen Schauspielern jener Jahre teilt. Sein letzter amerikanischer Film war im Jahre 1945 das Schauermelodram „Isle Of The Dead“ an der Seite des großen Boris Karloff.
Mit diesem Film beschäftigt sich William K. Everson in seinem Standardwerk „Klassiker des Horrorfilms“, und er beschreibt den dritten Grund neben Deutsch und Karloff, diesen Film bei Gelegenheit wiederzusehen:

Die Handlung dreht sich um eine Reisegruppe, die auf eine vom Krieg heimgesuchte, verseuchte griechische Insel verschlagen wird. Unter anderem gibt es da Katherine Emery, eine Frau mittleren Alters, die unter kataleptischen Anfällen leidet und eine panische Angst davor hat, während eines solchen Anfalls lebendig begraben zu werden. Der Zuschauer ist sich natürlich darüber im klaren, dass ebendiese Situation unausweichlich eintreten wird, und die Spannung steigt noch durch die permanente Angst der Frau und ihre Bitten, man möge sich vor ihrer Beerdigung vergewissern, dass sie auch wirklich tot ist. Gegen Ende des Films stirbt sie scheinbar tatsächlich, man untersucht sie – mit negativem Ergebnis -, und sie wird beerdigt.
Das Publikum ist längst so weit gebracht worden, Weiterlesen

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„Metropolis“ – die zweite und die dritte Weltpremiere

betr.: 117. Geburtstag von Gustav Fröhlich

Wie man sich erinnert, wurde der lange Zeit schwer verstümmelte deutsche Stummfilmklassiker „Metropolis“ 2010 auf der Berlinale in einer annähernd vollständigen Fassung präsentiert: stolze 147 Minuten dauert er nun wieder, nachdem in einem Kino in Buenos Aires eine arg zerkratzte, beinahe vollständige Kopie gefunden worden war, die man nun mit dem vorliegenden Material kombinieren konnte. (Üblicherweise sind es die sagenhaften „osteuropäischen Archive“, in denen solche Funde gemacht werden.)

Darüber haben wir die vorige „Metropolis“-Premiere fast vergessen. Sie trug sich 1984 zu, als der zweimalige Oscarpreisträger, der südtiroler Popmusiker Giorgio Moroder, seine 84minütige Fassung in Cannes und neun Monate später (es waren andere Zeiten…) auch in Berlin präsentierte. Er hatte die weltweiten Rechte erworben, den Film in einem dreijährigen Schaffensprozess in die damals längstmögliche Form gebracht (wobei er auch abgefilmte Standfotos und grafische Platzhalter einfügte), einen Rock-Soundtrack dafür produziert und das Werk mit teilweise recht grellen Farbfiltern unterlegt.
Der männliche Hauptdarsteller von „Metropolis“, der 83jährige Gustav Fröhlich, fand die neue Fassung „manchmal ein bisschen zu laut“, freute sich aber über Weiterlesen

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Die Marvels wie sie wirklich waren: Der Silver Surfer (3/3)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier wiederzugeben.

Der Silver Surfer (Fortsetzung vom 11.3.2019)
von Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/

Surfin‘ Germany

fehlende Halbseite aus Silver Surfer # 4 in WilliamsThor Nr. 12
Fehlende Halbseite aus „Silver Surfer“ # 4 in „Thor“ Nr. 12 von Williams

Surfen in Deutschland ist nicht leicht, zumindest nicht ohne Wind und Segel. So musste auch Marvels „Silver Surfer“ hierzulande einiges über sich ergehen lassen. Zwar war die Figur bei ihrem Start im Januar 1974 auf den hinteren Seiten der „Thor“-Hefte des Williams Verlags aus diversen „Hit Comics“ bekannt, doch wirklich lesefreundlich war seine Präsentation nicht. Mit unterschiedlichen

Namen wie „galaktischer Silberreiter“ und „Silber-Surfer“ hatte der bsv in bei seinen ersten Auftritten innerhalb anderer Marvel-Reihen betitelt. Von Namenskontinuität keine Spur. Als der Williams Verlag ihn dann als „Silberstürmer“ einführte, war das kaum besser. Doch egal, die Serie lebte von Stan Lees Texten und John Buscemas Zeichnungen. Durch die „Zweitplatzierung“ in den „Thor“-Heften dauerte es mit einer einzigen Ausnahme je ein Vierteljahr, ehe ein Abenteuer des Surfers zu Ende war. Der Leser war also gezwungen, Geduld aufzubringen. Nach der spektakulären Eröffnungsgeschichte konnte Williams nicht umhin, eine Eröffnungsseite anders zu platzieren und die nachfolgenden (US-)Nummern um je zwei Seiten zu kürzen. Dieses Entfernen diverser Panels hatte logischerweise wieder mit dem geringeren Umfang der Hefte bei der Formatumstellung zu tun (- dazu später mehr). Weiterlesen

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Die Ballade von der Klabauter-Uschi

betr.: Sanierung der «Gorch Fock» wieder aufgenommen

Ein grauer Morgen am Adriastrand,
da wächst aus dem Nebel ein Schiffsgigant.
Steht dort an der Reling – uns wird heiß und kalt –
nicht eine Dame von schmaler Gestalt?

Die Lady wirkt wacker und siebengescheit,
doch nicht mal bedingt scheint sie abwehrbereit.
Sie rührt keine Miene, wenn froh man ihr winkt.
Vom Schiff fällt ein Schräubchen, macht „platsch“ und versinkt.

Sie war eine Hoffnung, die Merkel in spe.
Nun pflügt sie nur schweigsam die wogende See.
Der Blick wie ihr Haar, hammerhart aus Beton,
aus luftdichter Lippe entwicht ihr kein Ton.

Doch wir hätten fürchterlich gern was gesagt,
solch ein Phänomen sieht man nicht jeden Tag.
Hein ruft: „Mast- und Schotbruch“, ich sag: „Bleib‘ gesund!“
Man merkt schon, wir zwei waren niemals beim Bund.

Wir greifen zum Fernrohr, es ist nah genug:
schon kann man den Namen entziffern am Bug.
Umrandet von Rost und von Flecken aus Stock
steht da halb verwittert  zu lesen: „Gorch Fock“.

Da fordert das Meer die Verwünschte zurück,
und langsam entzieht sich der Kahn unserem Blick.
War‘s eine Chimäre, ein narrender Trug?
Es bleibt eine Ölspur – wir wissen genug.

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Die Aufrechten (1)

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Sumpf der Aufrechten (1)Fortsetzung folgt

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Die Outtakes von Ralf König (146): Studien in Farbe

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Seltene Beispiele für farbige Skizzen: ein Transenportrait zum Einrahmen und einige (teilweise vertraute) Motive, die ungenutzt zu Boden fielen. Weiterlesen

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Professionelles Sprechen – Die große Illusion

Dieser kleine Aufsatz aus der verschwiegenen Welt der Mischpulte und Mikrofone basiert auf meinem Seminar „Einführung ins Mikrofonsprechen“. Fachleuten wird er wenig Neues zu erzählen haben.

„Also, das kann ich auch!“

Die meisten von uns sprechen viel, wenn der Tag lang ist, und normalerweise geschieht das flüssig und ohne Schwierigkeiten. Ein Leben lang. Auch das Lesen bringt uns in der Regel nicht in Verlegenheit. Da kann es – sollte man meinen – doch nicht so schwer sein, einen Text professionell vom Blatt zu lesen.
Doch das eine (der Alltag) hat mit dem anderen (dem Sprechen am Mikrofon) nichts zu tun.
Wer einmal ohne Mikrofon versucht, einen Text pannenfrei vorzulesen, wird schnell bemerken, dass er stolpert, sich verhaspelt und gegen einen rasch wachsenden Unmut ankämpfen muss. Das Problem besteht darin, dass wir über Betonungen im Alltag niemals nachdenken, weil sie uns vom Inhalt vorgegeben werden (den wir ja schon kennen, wenn wir den Mund aufmachen). Das ist beim Verlesen eines fremden Textes nicht der Fall.
Selbst Schauspieler tun sich mitunter schwer, wenn sie vom Blatt lesen sollen, denn auch in ihrer Arbeit ist ihnen das, was sie zu sagen haben, ja vorher bekannt (- mehr noch: es ist geprobt!). Auch ein improvisierender Schauspieler bewegt sich durch einen Bewusstseinsstrom.
Wer vom Blatt liest, der muss sich den vorgegebenen Gedankengang blitzschnell zueigen machen, als hätte er ihn selbst gedacht. Und das ist schon deshalb schwierig, weil es einen Bruch mit unserer Gewohnheit bedeutet: im Alltag sprechen wir ohne Spickzettel. Weiterlesen

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Die wiedergefundene Textstelle: historischer Klappentext „Der Pate“

betr.: 47. Jahrestag der Premiere des Films „Der Pate“

Der Österreicher Fritz Molden war im Mai 1969 der erste Herausgeber des Romans „Der Pate“ in deutscher Sprache. Sein (herrlich) alt(modisch)er Klappentext ist selbst für die Kenner der berühmten Verfilmung eine erhellende Lektüre – und für die Nichtkenner sowieso.

Don Vito Corleone ist ein Gigant. Ein ehrenwerter Mann, gerecht, gefürchtet, ein Mann der Vernunft. Er weiß: es gibt für jeden nur ein Schicksal. Das seine begann auf Sizilien und entschied sich in New York, wo er Herr über sein eigenes Schicksal und das Schicksal vieler anderer wurde.
Wie ein genialer Wirtschaftsführer hat er sein Imperium aufgebaut. Mit illegalen Geschäften. Mit Schmiergeldern. Mit Hilfe von Männern, die seine Hilfe brauchten oder ihn baten, der Pate ihrer Kinder zu werden. Weiterlesen

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The biggest … nein, the GREATEST Loser

betr.: 69. Geburtstag von William H. Macy

Es gibt sie vereinzelt im Film, diese schauspielerischen Portraits, die einen ganzen Menschentypus einfangen und in ewige Sicherheit bringen. William H. Macy gelang dies  1996 in „Fargo“– zu einem Zeitpunkt also, da er schon stramm auf die 50 zuging. Aber die Jahre bis dahin hatte er genutzt, um das Schauspiel – das Theater mit allem Drum und Dran – zu erlernen. Er gehört seither zum Umfeld des genialen Theaterautors David Mamet und gründete sogar eine Schauspielertruppe.
Seit „Fargo“ ist er auch im Film und zuletzt besonders im Fernsehen ( was in unseren Tagen eine Beförderung bedeutet) sehr erfolgreich.

Der Gebrauchtwagenhändler Jerry, den Macy hier spielt, ist ein Archetyp: die definitive Realisation des unbefriedigten  Komplettversagers, von Sohn und Gattin ignoriert, vom Schwiegervater im darwinistischen Maßstab verachtet und im Beruf ein Würstchen. Auch die übrigen Charaktere sind kleine und allerkleinste Würstchen, zusammengeworfen auf dem für sie idealen Nährboden: Weiterlesen

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