Die schönsten Filme, die ich kenne (35): „Der Agentenschreck“

In der versunkenen ZDF-ReiheDes Broadways liebstes Kind“ – in jenen 70er Jahren also, da man unter dem Begriff „Musical“ noch einen (alten) Film (im Fernsehen) verstand und nicht etwa ein (aktuelles) Bühnen-Ereignis – kam dieser Film nicht vor. „Der Agentenschreck“ wurde eher unter „Klamotte“ abgelegt. Er war eines der letzten gemeinsamen Projekte von Jerry Lewis und Dean Martin. In der seinerzeitigen Kinoauswertung hieß er „Maler und Mädchen“, im Original „Artists And Models“– nicht zu verwechseln mit dem (unverfilmten) Bühnen-Musical von 1925.

Ich liebe den „Agentenschreck“ aus vielen Gründen, ich kann sie gar nicht alle aufzählen – die Späße von Jerry Lewis, die Songs von Harry Warren, die Technicolor-Fotografie, die Künstlerviertel-Idylle, die pointierten Dialoge, die popkulturellen Anspielungen, den Soundtrack von Walter Scharf oder die souveräne Regie von Frank Tashlin
Aber eine „Production Number“ will ich heute stellvertretend hochleben lassen: „Innamorata“, das große Liebesthema von „Artists And Models“. Weiterlesen

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Die schönsten Filme, die ich kenne (34): „Anruf für einen Toten“

Sidney Lumet begann mit dem klassischen Kammerspiel „Die zwölf Geschworenen“ und endete 50 Jahre später mit dem makellosen Thriller und Familiendrama „Tödliche Entscheidung“. Zwischen diesen beiden Produktionen drehte er noch gut 35 weitere Filme von zumeist ähnlicher Qualität. Er wurde nie zu Hollywoods Kultregisseuren gezählt und galt eher als „Routinier“, als Handwerker. Er war dennoch einer der Besten!
Der Film „Anruf für einen Toten“ ist ein Beitrag zu einem Genre, das sonst hauptsächlich von Serienhelden und deren Epigonen bestritten wurde: dem britischen Spionagefilm. Alle wichtigen Zutaten des Kalten Krieges sind versammelt: die internationale Besetzung, die Technicolor-Farben, der schmissige Soundtrack nebst stylischem Vorspann, eine literarische Vorlage von John le Carré persönlich.

Charles Dobbs (James Mason) vom britischen Außenministerium wird beauftragt, seinen Kollegen Fennan zu konfrontieren, der in einem anonymen Brief der früheren Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei beschuldigt wird. Dieses Gespräch ist eher eine Formsache und verläuft bei einem entspannten Spaziergang im Park. Überraschenderweise nimmt sich der Mann noch am selben Abend das Leben. Weiterlesen

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Aus berufenem Munde

betr.: 112. Geburtstag von Max Colpet / 34. Todestag von Erik Ode

Ohne Übersetzungen geht es nicht, wo kämen wir denn hin?
Übersetzer ist also ein sehr wichtiger Beruf, aber er ist sehr schlecht bezahlt und führt selten zu Ruhm oder auch nur zu Anerkennung.
Im Falle der Synchronisation gehen die Meinungen weit auseinander, ob sie wirklich notwendig ist, aber währenddessen wird so viel synchronisiert, dass sich die Antwort eigentlich längst erledigt hat.
Der Schauspieler Erik Ode war nicht nur der erste Serien-Kommissar des Deutschen Fernsehens, er war auch die deutsche Stimme des Musical-Stars Gene Kelly, von dem er schriftlich für seine Arbeit gelobt wurde.
Die Übersetzung der Songs ist in Musicals mitunter wirklich störend. Das musste sogar Erik Ode erfahren. Weiterlesen

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Tierhaargespräche

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Die schönsten Filme, die ich kenne (33): „Im Himmel ist die Hölle los“

Als vor einigen Jahren der frühe Tod von Dirk Bach die Herzen rührte, gab es im WDR eine Nacht mit Sondersendungen, in denen die Vielseitigkeit des Komödianten noch einmal aufschien. Das frühe Kabarett- und Theaterschaffen wurde gewürdigt, auch die Arbeit für das Privatfernsehen. Nur eines fehlte: Dirk Bachs Hautrolle in einem Kinofilm, einer ZDF-Koproduktion von 1983.
„Im Himmel ist die Hölle los“ entzieht sich allzu flüchtiger kritischer Annäherung: eine Schlagerfilm-Verhöhnung, die so intelligent und ätzend ist, dass sie die Bezeichnung Satire verdient, die aber auch in ihrer grellbunten Dämlichkeit derart stilecht gerät, dass man Minuten braucht, um die Parodie überhaupt zu bemerken. Weiterlesen

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Schädeldecke hoch!

betr.: 1. Band der Deluxe-Gesamtausgabe von „Locke & Key“ (Panini) – erscheint am 25.7.2017

Die drei Kinder der Familie Locke, die durch einen Überfall zweier jugendlicher Irrer ihren Vater verloren haben, versuchen einen Neuanfang. Keyhouse, das einsam gelegene Anwesen ihres Onkels Duncan im Küstenort Lovecraft, wird ihr neues Heim. Während sie versuchen, die Tragödie zu verarbeiten, entdeckt der kleine Bode einen Schlüssel, der verführerische Kräfte besitzt: er erlaubt, einzelne Kenntnisse und Erinnerungen aus dem Hirn zu entfernen. Das klingt wie geschaffen für eine solche Lebenslage, aber den drei Geschwistern würde es übel ergehen, wenn Dodge, der Erzfeind der Familie, dieses Wunderding in die Finger bekäme. Auch sonst erweist sich die neue Behausung als schlechte Wahl: rachsüchtige Geister und das ultimative Böse lauern im Gebälk …

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Man sollte sich vom Cover der Neuausgabe nicht täuschen lassen: die Zeichnungen von Gabriel Rodriguez sehen viel besser aus als dieses im Nazarener-Stil gehaltene Titelbild.

Man braucht ein paar Anläufe, bis man die verzwirbelten Rückblenden entknotet und den Plot bis hierhin verstanden hat, aber es lohnt sich. „Locke & Key“, eine Comic-Buchreihe, die nun als Deluxe-Gesamtausgabe aufgelegt wird, ist ein solider Grusel-Thriller und hat sogar Humor. Band 1 enthält die früheren Volumes 1 und 2, „Willkommen in Lovecraft“ und „Psychospiele“.
Autor Joe Hill begeht die Kühnheit, seinem berühmten Vater Stephen King auf dessen ureigenstem Gebiet nachzueifern. Das gelingt nicht völlig: Weiterlesen

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Die Outtakes von Ralf König (78): Die blaue Mappe (xv)

Der Inhalt dieser Mappe (2001-02) besteht aus Vorstudien zu „Sie dürfen sich jetzt küssen“ (2003) und „Dschinn Dschinn“ (2005 und 2006), welcher zunächst als „Konrad und Paul“-Band geplant war.

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Zeitachse des Bösen

betr.: „Patience“ von Daniel Clowes (Reprodukt)

Daniel Clowes ist für sein neues Werk „Patience“ bereits gelobt worden – zu recht. Wie üblich arbeitet sich der amerikanische Comic-Künstler an Verlierertypen aus der Mittelklasse ab, doch diesmal ist sein ätzender Witz weniger befreiend. Allein sein Blick auf die Schwierigkeit, in unserer Gesellschaft eine Frau zu sein, ist so illusionslos und unmissverständlich, dass manch trockener Witz aus dem Munde der Figuren geradezu planmäßig verpufft – und es gibt ein paar brillante.

Jack hat die Frau fürs Leben gefunden (Titelheldin Patience) und wird auch von ihr geliebt. Das ist gleichzeitig Jacks größtes Problem, denn er belügt sie hinsichtlich seines Berufes – er verteilt Porno-Flyer in der Innenstadt – und seiner beruflichen Perspektive. Als sich Nachwuchs ankündigt, vergrößert sich beides: die Innigkeit der Beziehung und die Unhaltbarkeit der Lüge. Das Schicksal löst diesen Konflikt auf grausame Weise.

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Ixen für Anfänger

So wird’s gemacht: Lesen Sie zuerst im Stillen, dann laut, was die Dame rechts sagt, ohne zu wissen, was der Herr links zuvor gesagt hat.

Ixen 1.1

Stellen Sie sich nun die selbstkritische Frage, ob die Melodie, die Sie dem Satz gegeben haben, einen Sinn ergibt. (Anders gesagt: hatten Sie eine Idee, worum es in dieser Situation gehen könnte?) – Noch besser ist, wenn ein lieber Mensch, der Ihnen zugehört hat, Ihnen ehrlich sagt, ob Ihre Betonung sinnvoll war.

Es gibt drei richtige Möglichkeiten, den Satz zu betonen. Sie klingen unterschiedlich, je nachdem, wie das Stichwort gelautet hat. Weiterlesen

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Lob erfreut, Tadel nützt

betr.: 122. Geburtstag von Oscar Hammerstein II

Oscar Hammerstein war nicht nur (vereinfacht gesagt) der „Erfinder des Book-Musicals„, er förderte auch ein junges Talent, das später selbst zu den großen Namen des Broadway gehören würde. Schon als Zehnjähriger hatte Stephen Sondheim in ihm einen Mentor gefunden. Hammerstein war ein Nachbar von Sondheims Familie in Bucks County.
„Er war ein Ersatzvater für mich“, erzählt Sondheim. „Als er starb, war es, als wäre mein eigener Vater gestorben. Als ich ein Teenager war und meine Eltern sich scheiden ließen, halfen Oscar und seine Frau mir darüber hinweg. Weiterlesen

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