„Opus balnearium“ – ein Chanson

betr.: 20. Todestag von Effi Effinghausen

Sein Kollege Joe Luga, der ein Dreivierteljahrhundert Kabarett, Chanson und Alleinunterhaltung mit angesehen (und mitgestaltet) hatte, verglich Effi Effinghausen mit dem jungen Wilhelm Bendow und bescheinigte ihm eine einzigartige Bühnenpräsenz. Effi übersetzte und sang die Chansons, die sein amerikanischer Pianist Eric Gabriel geschrieben hatte, wurde aber dann doch lieber Gastronom.

Effi + Eric
Effi Effinghausen (r.) und Eric Gabriel

Er gehörte in den 80er Jahren zu den Betreibern des Szene-Lokals „Café Tuc Tuc“ in der Hamburger Oelkersallee, das in den Jahren der Schwulenbewegung eine bundesweit bekannte Adresse und eine beachtete politische Kleinkunstbühne gewesen ist. Doch die Ära dieser Kneipenkultur ging dem Ende entgegen.
Die musische und gastronomisch ambitionierte Effi-Fraktion verzankte sich mit dem Grüppchen um die alte Bewegungsschwester „Gerda Grauslig“ (selbstgewählter Kampfname von Gerd Hamann) und zog 1987 aus Altona weiter nach St. Georg. Dieser Stadtteil sollte mit dem Neubeginn des 1947 gegründeten Café Gnosa unter schwuler Führung in eine neue Phase als Boomviertel starten. Effi & Co. blieben offen homosexuelle Gastwirte, stellten aber einen professionell geführten Kaffeehausbetrieb (mit guter Konditorei) in den Vordergrund und hörten auf, Gesellschaftspolitik zu machen.
Gerda und ihre Getreuen – die das als Verrat betrechteten – blieben im „Tuc Tuc“ zurück, das nach einer Weile lautlos unterging.

Effi Effinghausen wollte zu Beginn auch das Gnosa zu einer kleinen Live-Spielstätte machen – es gab dort zunächst noch ein Klavier – und veranstaltete Video-Abende mit monatlichem Themenschwerpunkt. Aber das war ein Überbleibsel der mittlerweile (gar nicht mal so) „guten alten Zeit“.
Irgendwann wurde ihm das Tingeln zu viel – zumal er es ja nur nebenbei betrieb. Effi beendete seine Chanson-Laufbahn. Er trat nur noch zu Gnosa-Geburtstagen und ähnlichen Anlässen mit klassischen Chansons wie „Montevideo“, „Zwei alte Tanten tanzen Tango“ oder „L’heure bleu“ auf – und auch mit diesem Repertoire konnte er unfaßbar komisch sein und ans Herz rühren.

Effi Effinghausen, ein feiner, gescheiter und skurriler Mensch, starb mit 45 an einem Gehirntumor.
Diese Aufnahme seines Chansons „Opus balnearium“ entstand am 16.6.1989.

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4 Antworten auf „Opus balnearium“ – ein Chanson

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  2. Eric Gabriel Lehman sagt:

    Hallo Monty,
    was fuer ein Ueberraschung, etwas ueber Effi (und ich) in deinem Blog zu finden.
    Danke sehr, das Du Effi so verschaezt. Nach all den Jahren trag ich ihn tief in meinem Herzen and vermisse ich ihn. Er war in der Tat ein wunderbarer Saenger.
    Woher hast Du die Aufnahmen uebrigens?
    Alles Gute,
    Eric

    • montyarnold sagt:

      Lieber Eric,
      wie schön, von Dir zu lesen. Ich habe mir die Aufnahmen damals, als ich von Effi erfuhr, dass ihr sie angefertigt habt, gleich kopiert – auf 38er Tonband, was damals aufwendig, aber die einzige quasi verlustfreie Archiviermöglichkeit war. Wie geht es dir? Wenn du mal Lust auf ein Interview oder eine Effi-Anekdote hast, sag unbedingt bescheid!
      Schöne Grüße aus St. Georg!
      Monty

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