Mitleid ist Scheiße

betr.: „Trumbo“

Im Frühjahr 1989 schafften die Herren der Oscarverleihung den klassischen und wohlverdienten Halbsatz „And the Winner is …“ ab und ersetzten ihn durch das heute übliche „And the Oscar goes to …“. Das war wirklich allerhöchste Zeit! Sechzig Jahre lang waren die Gefühle der Nicht-Gewinner unnötig verletzt worden, denn wo einer der Gewinner ist, müssen die anderen ja alle Verlierer sein. Nun war endlich Schluß damit, und prompt gingen die Mundwinkel der vergebens Nominierten in die Höhe! Seither ist es ein wahres Vergnügen, den Oscar nicht zu bekommen.

Zugegeben: diese Sternstunde der Political Correctness war ein eher harmloses Beispiel. Ärgerlich finde ich aber, wenn in Filmen, die um die saubere Rekonstruktion von Sitten- und Filmgeschichte mit großem Aufwand bemüht sind, bei diesem Unsinn rückwirkend mitgemacht wird. Schon bei „Beyond The Sea“ war das so, Kevin Spaceys schwerfälliger Hommage auf den 1973 verstorbenen Sänger Bobby Darin. Gestern abend war es bei „Trumbo“ wieder soweit, der Schilderung des heroischen Kampfes des Drehbuchschreibers Dalton Trumbo gegen die „Schwarze Liste“. Zumindest in der deutschen Synchronfassung – nur die sah ich – mußte ich mir in einer in der Nachkriegszeit spielenden Filmszene wieder anhören, der Oscar ginge an …
Es war der berühmte lächerliche Klecks, der das ganze Bild ruiniert.
Ein einigermaßen sehenswertes Bild, zumindest in der zweiten Hälfte.

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