Just one Kiss from a mysterious Miss

betr.: 109. Geburtstag von Miklós Rózsa

Zu den edelsten Lebensleistungen eines Musikers gehört die Erschaffung eines Sounds, der mit einer bestimmten Zeit, einem Lebensgefühl oder einem Genre untrennbar verbunden bleibt. Dem ungarischen Hollywood-Komponisten Miklós Rózsa ist dies gleich mehrmals gelungen. Er definierte das Klangbild des klassischen Sandalenfilms (der oscarprämierte „Ben Hur“ wird hier gern zuerst genannt), war außerdem Spezialist für märchenhafte, exotische Stoffe (wie „Das Dschungelbuch“ und „Der Dieb von Bagdad“) und einer der Meister der Film-Noir-Musik. Hier wiederum gelang ihm die Komposition einer Tonfolge, die man später als Jingle und heute möglicherweise als Klingelton bezeichnen würde. Sie ging geradezu in den Sprachgebrauch über. Für die Hemingway-Verfilmung „The Killers“ komponierte Miklós Rózsa jene vier Töne, die später als Intro der berühmten „Stahlnetz“-Melodie Karriere machten (in den USA: „Dragnet“). Diese Miniatur steht ebenso für „Krimi“ wie Bernard Herrmanns schreiende Geigen aus der „Psycho“-Duschenszene für Horror stehen – auch unmusikalische Menschen singen sie gern kurz an, um eine Situation trefflich zu beschreiben.

Stahlnetz-Jingle
Und jetzt alleee! – „Das Stahlnetz“-Jingle aus Miklós Rózsas „The Killers“

Rózsa gelang es sogar, sich selbst zu parodieren, was nicht so einfach ist, wie man meinen sollte (– sein Kollege Ennio Morricone ist ebenso daran gescheitert wie die Diva Zarah Leander, der „Schimanski“-Darsteller Götz George oder der Fußballer Diego Maradona.*).
1981 verabschiedete sich Miklós Rózsa mit der Musik zu „Tote tragen keine Karos“. Diese Hommage an und Veraschung der düsteren Kriminalmelodramen der 40er und 50er Jahre** war für einige Jahre ein Kultfilm und ermöglichte es dem Hauptdarsteller Steve Martin, von der Stand-Up-Comedy zum Film zu wechseln.
Regisseur Carl Reiner entwickelte zusammen mit seinem Star eine reichlich verwirrende Detektivgeschichte, wie sie alle Bogart-Fans kennen. Sie ist in kontrastreichem Schwarzweiß gefilmt, so dass es möglich ist, historische Hollywoodstars in Ausschnitten aus Thriller-Klassikern in die Handlung einzubauen. Bogart ist mehrfach zu sehen, gefolgt von Bette Davis, Vincent Price, Charles Laughton und anderen. Reiner hatte die Idee, die Filmmusik dazu gleich von jemandem schreiben zu lassen, der schon einige der Originalfilme betreut hatte. Rózsa erledigte das mir Bravour: er nahm die krude Geschichte um den Mord an einem Philantropen und Käseforscher vollkommen ernst und schrieb einen orchestralen Score mit signifikantem Liebesthema. Wie so oft achtete er darauf, dass sich der Titel des Films „Dead Men Don’t Wear Plaid“ auf diese Melodie singen ließ.
Steve Martin machte das tatsächlich. Davon ist leider nur eine leicht übersteuerte Piraten-Kopie erhalten geblieben.

Steve Martin singt „Dead Men Don’t Wear Plaid“ – leider nicht im Film.

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* siehe dazu auch den Blog vom 30. Januar 2016
** siehe dazu auch den Blog vom 31. März 2016

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