Die schönsten Filme, die ich kenne (45): „Ferngespräch für Miss Keene“

Der Science-Fiction-Autor Richard Matheson gehört zu den meistadaptierten Künstlern seines Genres in Film und Fernsehen und hatte im Gegensatz zu seinem ähnlich gefragten Kollegen Philip K. Dick das Glück, diesen Erfolg viele Jahre lang miterleben und mitgestalten zu dürfen. Matheson war Stamm-Autor der einflussreichen TV-Serie „The Twilight Zone“ (1959-64) und verpflichtet die Fans der „Simpsons“-Halloween-Specials zu großer Wertschätzung.
Die 139. Episode in der letzten Staffel der „Twilight Zone“ hieß „Night Call“.

Die invalide, auf dem Land lebende Elva Keene erhält seit einer Gewitternacht immer wieder gruselige Telefonanrufe: eine sieche, klagende Männerstimme, die sich – abgesehen von einer Begrüßung – nur schwer artikulieren kann und die sie bittet: „Sprich mit mir“. Die Pflegerin der alten Lady, so ziemlich ihre letzte Bezugsperson, glaubt an einen technischen Defekt und mahnt zur Gelassenheit. Doch die Anrufe hören nicht auf.
Tatsächlich löst die Störungsstelle den technischen Teil des Rätsels; bei einem Besuch des Friedhofs lüftet Mrs. Keene den übernatürlichen: die Nachrichten kommen von ihrem verblichenen Verlobten. Glücklich, dass ihr der junge Mann nach so vielen Jahren vergeben hat, dass sie ihn mit ihrem Fahrstil ins Grab (und sich selbst in den Rollstuhl) beförderte, kehrt Miss Keene nach Hause zurück, um den nächsten Anruf zu erwarten.
Doch sie hat sich verrechnet …

Richard Matheson verfasste das Drehbuch auf der Basis einer Geschichte, die er unter dem Titel „Long Distance Call“ in der November-Ausgabe 1953 des Magazins „Beyond Fantasy Fiction“ platzieren konnte. Auch die Buchung des Regisseurs Jacques Tourneur für diese Episode war seine Idee. Die Sorge der Produzenten, der angesehene Filmemacher könnte mit der strammen Disposition des Fernsehbetriebs überfordert sein, erwies sich als unbegründet: er brauchte nur rekordverdächtige 28 Stunden für das 25minütige Ergebnis. Trotz alledem verströmt „Night Call“ die Atmosphäre eines gediegenen Kino-Thrillers der alten Schule.

Beneidet und gepriesen sei, wer sich bei der tragischen Pointe dieser Geschichte nicht gramvoll an die eigene Nase fassen muss.

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