Die schönsten Hörspiele, die ich kenne – Vorwort

Der bekannte SF-Autor Theodore Sturgeon hat – von einem Reporter darauf angesprochen, dass 95 Prozent der Science-Fiction-Literatur Schrott sei – festgestellt: „95 Prozent von allem ist Schrott.“ „Sturgeon’s Law“ war damit in der Welt. Mit „von allem“ meinte er nicht nur Comics, Fernsehserien oder Werbung, sondern auch Theater, Oper und Bildhauerei. Wenn man bedenkt, dass Sturgeon schon 1985 gestorben ist, ist sein Kulturpessimismus beachtlich – hin und wieder sprach er aber auch nur von 90%.

Bei einem Medium, das mir sehr am Herzen liegt, stellte ich kürzlich verblüfft fest, dass ich schwerlich auf 10% komme, die mich aufrichtig begeistern. Von den 20 Hörspielen, die ich im Schnitt pro Monat konsumiere, höre ich mir einige nicht mal bis zuende an. Aber das Vergnügen an dieser Kunst, die mit verhältnismäßig geringem Aufwand in der Lage ist, ein ganzheitliches Abenteuer mit allen Schikanen heraufzubeschwören, ist unwiderstehlich – besonders seit mich das Kino mit immer deutlicheren Bildern immer magererer Geschichten verstimmt.

In dieser kurzen Reihe will ich die Hörspiele preisen, die ich immer wieder hören möchte: meine Allerliebsten, meine 10% von Sturgeons 5 bis 10%. Ohne, dass ich es darauf angelegt hätte, kam eine sehr wilde Mischung zustande, was Umfang, Entstehungszeit, Genre und Ambition der Werke angeht. (Auch die Qualität der Bearbeitungen ist bei einem insgesamt guten Ergebnis durchaus unterschiedlich.)
Hin und wieder beglückte mich, einen Klassiker kennenzulernen, dessen Umfang mich lesenderweise eingeschüchtert hätte („Der Zauberberg“), manchmal war es die Entdeckung eines Juwels, an dem ich glatt vorbeigelaufen wäre, da der Kanon es nicht nennt („Dr. Knock oder Der Triumph der Medizin“) oder das Kennenlernen eines offenbar großen Erzählers, der mir bislang nur dem Namen nach etwas sagte („Der verschwiegene Garten“). Meistens und vor allem aber ist es das reine Vergnügen der großen Überraschung.
Kindliches Material vom Schlage „Benjamin Blümchen“ fehlt in meiner Liste. Das hat biografische Gründe. Ich wurde erst mit Mitte 20 zum Fan, da ich zuvor (abgesehen von ein paar Märchenplatten, die mich nicht zu fesseln vermochten) keine Berührung mit dem Hörspiel hatte.

Das Hörspiel ist im Internet wie auch in der Sekundärliteratur weniger präsent als Filme oder selbst Comics, die meisten der genannten Titel sind nicht per Download zugänglich oder auf dem Markt. Daher werde ich ausführliche Credits hinzufügen, wenn kein Link dorthin führt.

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