Die schönsten Filme, die ich kenne (82): „Ja Zuster! Nee Zuster!“

Schwester Klivia führt in einer holländischen Kleinstadt ein Pflegeheim für Menschen, die an Skurrilität „leiden“, das Lebensgefühl ist das einer alternativen WG. Dem Vermieter und Wand-an-Wand-Nachbarn Boordevol sind Klivia und ihre schrillen Vögel ein Dorn im Auge. Er versucht, sie rauszumobben und zu –klagen, um in diesen Räumen ein Altenheim zu eröffnen – was ruhigere Mieter bedeuten würde. Er scheitert damit regelmäßig, was seinen Hass ins Unermessliche steigert.
Das Heim bekommt Zuwachs in Gestalt des jungen Charmeurs Gerrit, in den sich die hübsche Jet verliebt. Sie will Gerrit von seiner Kleptomanie kurieren. Als nebenan eingebrochen und eine Uhr gestohlen wird, scheint der Täter augenblicklich festzustehen.
Um Boordevol auszubremsen, probiert einer der Heimbewohner eine selbstentwickelte Wunderpille an ihm aus, die alles Böse gut werden lässt. Es klappt: der alte Piesepampel wird lieb und umgänglich. Sogar zu seinem Ex-Geliebten Wouter, der schräg gegenüber einen Frisiersalon betreibt, nimmt er wieder Kontakt auf. Alles könnte so schön sein, doch das Medikament wirkt nicht unbegrenzt. Während eines nostalgischen Dia-Abends erleidet Boordevol einen Rückfall in seinen Urzustand – und tobt.
Nachdem sich Gerrit als unschuldig erwiesen hat, schafft es Boordevol, Schwester Klivia zur Hauptverdächtigen zu machen. Das Ende der Wohngemeinschaft ist besiegelt, die Lage scheint aussichtslos. Doch dann geschieht ein Wunder …

Ja Zuster, Ne Zuster

„Ja Zuster! Nee Zuster!“ („Ja Schwester! Nein, Schwester“) ist ein schwules Musical, das auf einer niederländischen Kultserie der 60er Jahre basiert. Die Serie ist nicht mehr erhalten*, immerhin ließen sich sowohl die Story als auch die Songs von Raymund van Santen und Ferdinand Boland rekonstruieren. 1999 gab es ein Bühnen-Remake der Krankenhaus-Serie, dessen Erfolg drei Jahre später zu der Verfilmung führte, Regie führte in beiden Fällen der Bühnenautor Pieter Kramer. Eine deutsche Synchronfassung existiert nicht, aber auf einem Festival konnte ich den Film mit Untertiteln sehen.
„Ja Zuster! Nee Zuster!“ ist zugleich bissige Satire und Feelgood-Movie, außerdem einer der raren Fälle, in denen planmäßiger Camp tatsächlich funktioniert. Die Knalligkeit seines schrägen Personals ist unwiderstehlich, und die Songs sind allesamt Ohrwürmer. Ich kann mir dieses geradezu überirdische Vergnügen nur damit erklären, dass an dem Gerücht etwas dran ist, wonach die Niederländer geborene Entertainer sind.

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* Zum Thema Kassation siehe auch https://blog.montyarnold.de/2015/01/29/ignoranz-und-hoehere-gewalt-oder-der-mythos-vom-archivbrand/

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