Die schönsten Filme, die ich kenne (83): „Half A Man“

Das greise Fischerpaar McSweeney macht harte Zeiten durch. Ihr Sohn Winchell ist ein Spätentwickler, der sich jeder Entjungferung hartnäckig verweigert. Schließlich heuert er auf einem Schiff an, um als Matrose die harte Männerwelt prägend auf sich wirken zu lassen. Auf See muss er feststellen, dass die gesamte Besatzung weiblich ist. Die Damen bemuttern ihn nach Herzenslust und zu seinem Leidwesen. Eine Seekrankheit bewahrt ihn davor, seinen Teller leeressen zu müssen – vor solchen Bevormundungen ist er doch eigentlich geflohen.
Als er bei dem Versuch, ein Gruppenfoto zu schießen, zuviel Blitzlichtpulver benutzt, versenkt er das Schiff.
Er wird er an einer Küste angespült, doch sie gehört zu jener Insel, auf die sich auch die Damen mit ihrem Rettungsboot geflüchtet haben. Winchell ist nun der einzige Mann auf der Insel, und diesmal muss er sich zu den Nachstellungen der Frauen irgendwie verhalten …

Die Fachwelt, die sich dem Soloschaffen Stan Laurels gewidmet hat, ordnet „Half A Man“ weiter unten ein. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass unmittelbar zuvor Laurels berühmte „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“-Parodie herausgekommen ist und dass er da bereits Hauptdarsteller einer ganzen Reihe von trefflichen Film- und Genreparodien gewesen war. Als jemand, der das Glück hatte, sowohl dieses Stummfilm-Repertoire als auch Laurels spätere klassische Teamarbeiten in der Synchronfassung von Heinz Caloué und Hanns Dieter Hüsch kennenzulernen, erscheint mir diese Bewertung ein wenig kopfgesteuert. Ich weiß nicht, wann ich je bei einem stummen Slapstickfilm mehr gelacht habe als bei „Half A Man“. Der Titel deutet es bereits an: in dieser Verhöhnung der christlichen Seefahrt treibt Stan Laurel seinen liebsten Modus Operandi der frühen Jahre – tuntiger Held in einer Situation, die eigentlich den ganzen Mann erfordert – auf die Spitze. Das ZDF zeigte diesen zutiefst anarchischen, unkorrekten Spaß in einer Serie, deren Frechheit ähnlich waghalsig war wie die halsbrecherischen Stunts der darin agierenden Stummfilmstars: „Männer ohne Nerven“. Bereits der Vorspann (zur irren Musik von Fred Strittmatter) ist ein Kabinettstück, das heute keine redaktionelle Kontrolle mehr passieren würde. (Der Slogan lautet „Drama – Liebe – Wahnsinn“, und das wird konsequent bebildert.) „Half A Man“ lief hier unter dem Titel „Schiff mit Damenbedienung“ und wurde auch (in einer noch witzigeren Bearbeitung) in „Dick & Doof“ als Vorfilmchen gereicht, aufgeteilt auf die Folgen „Der hungrige Matrose“ und „Bitteres Seemannlos“.
„Half A Man“ ist Stan Laurels letzte Arbeit für den Produzenten Joe Rock. Danach ließ er sich von Hal Roach unter Vertrag nehmen, für den er schon zuvor verschiedentlich als Darsteller gearbeitet hatte. Was ihn anlockte, war die Möglichkeit, auch zu schreiben und Regie zu führen – bisher hatte er für seine derartigen Bemühungen zumindest keinen Credit bekommen. Zwei Jahre später bildete Stan Laurel als Darsteller ein Team mit Oliver Hardy – der Rest ist Geschichte.

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