Die Marvels wie sie wirklich waren: Captain Marvel (1)

betr.: „Captain Marvel“, geplanter US-Kinostart: 8. März / „Marvel Super-Heroes 12″ (1967) in der „Captain Marvel Anthologie“ von Panini*

Die aktuellen Marvel-Comic-Verfilmungen sind die größte jemals geplante kommerzielle Kinofilmserie aller Zeiten – und das auch noch erfolgreich. Sie beruhen auf den Ideen des kürzlich hochbetagt verstorbenen Stan Lee, der im Silver Age der Comics ein wirkliches Universum aus fiktiven Charakteren angeregt und geschaffen hat. Dabei war er selbst nicht nur kreativer als vergleichbar graue Eminenzen wie etwa Walt Disney oder George Lucas, er war auch weitaus transparenter, was das Abfeiern seiner Mitarbeiter anging (auch wenn einige es naturgemäß gern noch transparenter gehabt hätten). Diese hier beginnende Serie möchte allen Filmfreunden und „Neustartern“* gern die Ursprünge ihrer Lieblinge präsentieren, so wie sie im Fanzine „Das sagte Nuff“ ab 2005 gut fünf Jahre lang nacherzählt wurden.
Liebe Blockbusterer und Blockbusterinnen, lasst euch erzählen, wie es wirklich war damals im „Haus der Ideen“ und als die Marvels nach Deutschland kamen! Heute geht es um eine aktuelle Marvel-Heroine, die ursprünglich ein Mann gewesen ist – erst ein etwas gravitätischer Vierziger, dann ein flotter Dreißiger.
Ich bedanke mich herzlich beim Verfasser Daniel Wamsler alias Jakub Kurtzberg für die Erlaubnis der Wiedergabe.

Captain Marvel – Ein Beginn ohne Anfang
von Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/

Capt. Marvel_#1.01Captain Marvels in Deutschland unveröffentlichter Start* in „Marvel Super-Heroes“ # 12. Ohne diesen Einstieg sind die Abenteuer des Kree nur schwer nachvollziehbar. Die Abbildung zeigt die von Gene Colan und Frank Giacioa in Szene gesetzte Eröffnungsseite vom Dezember 1967. Das Saturn-ähnliche Brustemblem wurde für das erste Abenteuer
nachträglich in die bereits druckfertigen Vorlagen eingefügt.

Natürlich braucht ein US-Verlag, der sich Marvel nennt auch einen „Captain Marvel“. Zwar gab es in den 40er und 50er Jahren bereits einen Helden dieses Namens in den „Whiz Comics“ des Fawcett Verlags, doch dieser wurde erst 1973 für DCs „Shazam!“-Serie wiederbelebt. Eigentlich wollte Stan Lee auch keinen „Captain Marvel“ „machen“, doch sein Herausgeber und Onkel, Martin Goodman, erteilte ihm den Auftrag. Dies hatte seine Gründe im Copyright. Im Zuge der “Batman“ TV-Serie versuchten sich diverse Verleger an Superhelden-Comics, so auch Myron Fass. Fass brachte im Jahr 1966 eine Figur namens „Captain Marvel“ an die Kioske, die auf einer Idee von Carl Burgos basierte, dem Erfinder der ersten aus „Marvel Comics # 1“. Wie diese frühe Fackel, war auch der zweite „Captain Marvel“ ein Android. Durch Ausrufen der Worte „Split“ und „Xam“ konnte er einzelne seiner Extremitäten vom Körper trennen und als herumfliegende Waffen einsetzen, was wiederum an das Zauberwort „Shazam!“ und damit ebenfalls an den Fawcett-Charakter erinnert. Offenbar hatte man sich als Zielgruppe die früheren Leser auserkoren. Was genau hinter den verlegerischen Kulissen ablief, lässt sich heute kaum sagen. Sicher ist nur, dass Fass‘ Charakter nach 1966 nicht mehr auftauchte und Marvel im Jahr
darauf seinen „Captain Marvel“ startete. Beide, Goodman und Fass, hatte ihre Anwälte eingeschaltet und sich letzten Endes vermutlich gütlich geeinigt.

Während Marvels „Captain Marvel“ in Deutschland zweimal mit der US-Erstausgabe startete (bsv: Hit Comics Nr. 121 und Williams: Die Rächer Nr. 1-3), gab es in den USA zwei Vorgeschichten, die hierzulande nie veröffentlicht wurden. Als Fan muss man schon über gute internationale Kontakte und einen etwas dickeren Geldbeutel verfügen um an diese Ausgaben zu kommen (inzwischen sind diese auch für etwas weniger innerhalb der Hardcover-Reihe „Marvel Masterworks“ erhältlich). Erschien doch die erste Story des Captains in der Nummer 12 der mit dieser Ausgabe von „Fantasy Masterpieces“ (# 1-11) in „Marvel Super Heroes“ umbenannten Reihe. Und damit einer doppelten Erstausgabe, da dort mit wenigen Ausnahmen fast nur Nachdrucke alter Marvel-Heldengeschichten erschienen. Die Comicsammler, die in den Vereinigten Staaten verstärkt Originstorys oder Schlüsselhefte sammeln, kurbelten den Sammlerpreis auf stolze 110 $. Eine Menge Holz für 15 Comicseiten (der Gesamtumfang des Hefts inklusive Reprints und Werbung beträgt allerdings 68 Seiten). Etwas besser sieht es da schon bei „Marvel Super-Heroes“ # 13 aus, zwanzig neue Seiten für 50 $. Aber selbst wenn man bereit ist, diese Beträge zu bezahlen, heißt das noch lange nicht, dass man die Hefte auch bekommt. So stammen z.B. die Exemplare, die für die Abbildungen herhalten mussten, nicht aus den USA, sondern aus Kanada und England. Wie auch immer, schade jedenfalls, dass sich kein deutscher Verlag die Mühe machte, die beiden von Stan Lee, Roy Thomas, Gene Colan, Frank Giacoia und Paul Reinman in Szene gesetzten Abenteuer herauszugeben. Für alle, die nun neugierig geworden sind, folgt eine Zusammenfassung der Vorgeschichte, die die Leser der deutschen Hefte nie zu sehen bekamen.

Marvel Super-Heroes # 12

Nach den Ereignissen aus FF # 64/65 (Williams FV Nr. 60-61) entsendet das Volk der Kree eine Raumschiffcrew in Richtung Erde, um die Lage zu klären. Leiter der Mission ist Colonel Yon-Rogg, der ein Auge auf die hübsche Medic Una geworfen hat. Doch Una ist mit einem anderen Besatzungsmitglied, Captain Mar-Vell, zusammen. Um seinen Widersacher loszuwerden, schickt der Colonel – entgegen allen Richtlinien – Mar-Vell auf eine Einzelmission. Geschützt durch Helm und Uniform, kann er sich dank der schwächeren Erd-Gravitation, mit Superkraft fortbewegen (Anleihen bei einem hüpfenden Alien vom Planeten Krypton aus den späten 30er und frühen 40er Jahren dürften „rein zufällig“ sein). Der Kree erreicht eine Militärbasis, wo er die Erdenbewohner für die Zerstörung des intergalaktischen Wächters „Sentry # 459“ bestrafen soll. Zwar hatten die Kree bereits ihren Ankläger Ronan auf eine solche Mission geschickt, doch Ronan wurde besiegt (FF # 65 / FV Nr. 61). Mar-Vells Anwesenheit indessen, hat negative Einflüsse auf einen Raketentest, was ihn umgehend zum Gejagten macht. Um Zeit zu gewinnen, da er auf eine medizinische Lösung angewiesen ist, deren Einnahme es ihm ermöglicht, für eine Erdenstunde Luft zu atmen, quartiert er sich in das einzig nahegelegene Hotel ein. Mit Hilfe seines Raumhelms kann er dort ungehindert atmen. Währenddessen platziert Yon-Rogg einen Beobachtungsmonitor per Beamstrahl am Handgelenk des Captains, so dass dieser keinen unbeobachteten Schritt mehr tun kann. Fast gleichzeitig erreicht Mar-Vell eine Nachricht seines Heimatplaneten. Er muss seinen Auftrag erfolgreich ausführen, oder  … sterben.

Marvel Super-Heroes # 13

Während Captain Mar-Vell auf die vereinbarte Ankunft des Sternenschiffes wartet, beginnt er seine Ausrüstung zu modifizieren. Dabei geht es vor allem darum, diese unter seiner Zivilkleidung verstecken zu können. Als er zu vorgerückter Stunde mit einem zylinderförmigen Koffer das Hotel verlässt, schöpft der Nachtportier Verdacht. Auf einsamem Gelände testet der Kree die umgebaute Ausrüstung – und sie funktioniert. Am Treffpunkt angekommen, sieht Yon-Rogg seine Chance und beschießt seinen „Feind“ mit zerstörerischen Laserstrahlen. Una ahnt, was er vorhat, doch ihr bleibt keine Gelegenheit, den hinterhältigen Angriff zu verhindern. Glück oder Unglück, jedenfalls erscheint just in dem Moment, als Yon-Rogg den Laser zündet, ein einmotoriges Flugzeug am Himmel. Der Pilot war in eine Wolke geraten und deshalb auf dem Schirm des Raumschiffs nicht zu sehen. Mar-Vell überlebt und nimmt die Identität des toten Fliegers an. Inzwischen gelingt es Una, weitere Einheiten der Medizin herzustellen, die es dem Captain ermöglicht, auf der Erde zu atmen. Sie betäubt die Mannschaft und beamt einen weiteren Zylinder an Mar-Vells Standort. Als „Walt Lawson“ gewährt man dem Kree Einlass in die Raketenbasis. Nach einer Woche verbissener Arbeit zeigt man ihm einen Hangar mit dem aufgebahrten intergalaktischen Wächter # 459. Dort lernt Mar-Vell die Sicherheitschefin Carol Danvers und den Kommandanten der Basis, General Bridges (genannt „der Alte“), kennen. Nachdem alle zusammen den Hangar verlassen haben und Mar-Vell zurück in sein Hotel gekehrt ist, greift Yon-Rogg erneut ein und aktiviert den Wächter. Der General ruft im Hotel an und verlangt nach Walt Lawson. Doch der Kree hat sich als „C. Marvel“ eingetragen, was den Portier nur noch neugieriger macht. Er begibt sich in das Zimmer seines Gastes, während dieser sich dem Sentry stellt …

Forts. folgt
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* Leider fehlt in der neuen Panini-Anthologie die Fortsetzung aus Marvel Super-Heroes # 13, nach der Williams und der bsv mit der US #1 einsetzten. Da hätte eine etwas feinfühligere Edition wohlgetan.

 

 

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