Die Marvels wie sie wirklich waren: Der unglaubliche Hulk (2/2)

Unglaublich aber … Hulk! (Fortsetzung vom 8. Februar 2019)
von Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/

Vermächtnis der Raumfahrer_S.1
Eröffnungsseite aus Hit Comics Nr. 143 (Hulk # 110). Nach Marie Severin war Herb Trimpe lange Zeit “federführend”. Während Williams die niedrigeren Hulk-Nummern aus „Tales To Astonish“ chronologisch veröffentlichte, erschienen die späteren, sowie die Abenteuer nach der Serien-Aufsplittung (Incredible Hulk ab # 102 / Sub-Mariner ab # 1) fast ausschließlich beim bsv und in den Taschenbüchern bzw. Alben von Condor.

„Hulk essen!“ – Platzsparender Satzbau

Der Condor Verlag ließ den Hulk 1979 mit eigener Album-Reihe gefolgt vom Taschenbuch auferstehen. Zwar hatte er noch zu Williams-Schlusszeiten Auftritte bei den FV, Spinne und den Rächern, doch die waren jeweils nur von kurzer Dauer. Obwohl man bei Condor keinesfalls von einer vorbildlichen Edition sprechen konnte, schaffte es der Verlag die Figur zu etablieren und vorhandene Lücken zu schließen (z.B. „Hulk“ # 3, 5, 6 und Annual # 1). Interessant dabei ist die Sprache des Hulk, der perfekt in die heutige Zeit von Kurzmitteilungen (SMS) und Neudeutsch, um nicht den Ausdruck „Kanakendeutsch“ zu verwenden, gepasst hätte. War der grüne Koloss seiner Zeit so weit voraus? Womöglich gar ein Vorreiter der PISA-Studie? Aufklärung bringt ein Blick ins Original. Biehlers Übersetzer hatten die Anweisung, möglichst knapp und damit preisgünstig einzudeutschen, um Druck- und Satzkosten zu sparen.* Gerade beim Hulk wurde die Not zur Tugend, und wann immer Bruce Banner sich verwandelte, reichte der Platz in den taschenbuchformatig verkleinerten Sprechblasen vollkommen aus. Im Original redet der Hulk zwar auch in einer sehr einfachen und kindlichen Sprache, doch niemals so wie bei Condor. Hier ein Vergleichsbeispiel aus TTA # 87, Seite 6 und 7 mit der Condor-Fassung aus Hulk-Taschenbuch Nr. 1:

(Seite 6, 4. Panel)
Can’t beat him in air! Must beat him on ground – – somehow! Nobody can defeat Hulk- -!
Kann nicht schlagen in Luft! Auf Boden besser!

(Seite 7, 1. Panel)
He’s coming at me – – again! Can’t stop him with punches – – Can’t stop him in air – – must be some way- -! I need Banner’s brain! He’d know what to do! But – – where is he?
Kann nicht stoppen ihn … Hulk braucht Banners Wissen!

Kurioserweise war aber genau diese Art der Übersetzung ein Element, das den Hulk hierzulande so erfolgreich machte. Aus femininer Sicht war er „einfach süß“ und zum Knuddeln. Erst als der Condor Verlag 1996 sämtliche Marvel-Titel einstellte, war das auch das vorübergehende Aus für den grünen Riesen, der eine zeitlang sogar als Zweitstory-Held in Condors „Spinne“-Heften zu sehen gewesen war.

Irrungen und Wirrungen

Mit der Nummer 474 stellte Marvel USA „The Incredible Hulk“ (Vol. 1) im März 1999 ein, um einen Monat später die Serie „Hulk“ (Vol. 1) neu zu starten. Mit einem Trick, den der Verlag bereits bei „Punisher“ angewendet hatte, konnte die Reihe nach elf erschienenen Heften bei fortlaufender Nummerierung wieder in „Incredible Hulk“ (Vol. 1) umbenannt werden. Man hatte einfach das „the“ weggelassen. Die letztgenannte Serie lief in Deutschland mit insgesamt neun Heften von Juni 2003 bis Februar 2004 bei Marvel Deutschland und wurde anschließend im Panini Monster-Format in dicken Paperbacks fortgeführt. Als Magazin mit dem vielsagenden Titel „Rampaging Hulk“ brachte Marvel USA zudem neun Ausgaben des grünen Riesen in den Jahren 1977-1978 und sechs weitere zwischen 1998 und 1999. Erwähnenswert sind außerdem noch die in Deutschland erschienene Hulk Nullnummer (2000, US-Wizard 1/2), die zweiteilige Miniserie „Banner“ (2002, US # 1-4) und der Oneshot „Hulk kämpft“ (2002, Hulk Smash! # 1-2). Einen Beitrag mit Unterhaltungswert bietet der 2005 erschienene Band „100% Marvel“ 15 mit der Deutschen Version von „Hulk/Thing: Hard Knocks“ (US # 1-4).
Mehr Infos zum Hulk gibt es in dem Coffeetable-Book „Hulk – Die Welt des grünen Goliath“ (Dino Verlag, 2003) von Tom DeFalco.
Ein Geheimnis wird auch dort nicht gelüftet: …

Wie viele Zehen hat der Hulk?

Immer, wenn sich Ben Grimm in Das Ding verwandelt, verschwindet je eines seiner Glieder pro Extremität. Nicht ganz so klar ist das bei Bruce Banner. Nach seiner Verwandlung in den Hulk konnte er, hauptsächlich in den frühen Sechziger Jahren, alles zwischen drei und fünf Gliedern an seinen Beinen haben. Die Comic-Produktion war in vollem Gange und die Zeichner mussten ranklotzen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Damals wurde rein nach abgelieferten bzw. gedruckten Seiten gezahlt, Tantiemen waren für die Verlage ein Fremdwort.

Wieviele Zehen
Immerhin die Hände sind in Ordnung … Anatomisch Uneinheitliches aus „Die ruhmreichen Rächer“ Nr. 1 und 2 (Williams 1974)

Vor allem in den ersten Ausgaben der „Rächer“ schienen sich Jack Kirby, Dick Ayers und Paul Reinman nicht ganz im Klaren darüber zu sein, wie viele Zehen der Hulk denn nun wirklich haben sollte. Ein Blick in „Avengers“ # 1 und 2 bzw. „Rächer“ Williams Nr. 1-2 oder „Marvel Klassik“ Bd. 5 offenbart Faszinierendes. Vier Zehen auf dem Cover der Erstausgabe, jedoch nur drei pro Bein im Folgemonat. Noch krasser ist es im Inhalt, „Rächer“ Nr. 2 wechselt von drei Zehen auf der ersten zu fünf Zehen auf der sechsten Seite. Nach dem Umblättern sind es wieder drei Zehen und schließlich über mehrere Seiten vier an jedem Fuß. Auch kommt es vor, dass sich links eine andere Anzahl befindet als rechts (z.B. S. 16 mit vier Zehen auf der linken und fünf Zehen auf der rechten Seite). Mindestens ein Wechsel befindet sich auch in „Rächer“ Nr. 1 zwischen Seite 13 und 14. Sicherlich gibt es noch mehr Beispiele, und bestimmt musste Stan Lee dafür den einen oder anderen „No-Prize“** rausrücken.

Sammelbild Nr. 2
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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2017/03/08/ich-las-genug-uebersetzungen-aus-der-negativ-zone/
** Leser, die einen Fehler entdeckten, bekamen von Stan Lee zu Belohnung einen „No-Prize“. Die Umschläge waren eigens gestaltet, doch ihr Inhalt bestand nur aus einem leeren Blatt Papier. Was sollten die Fans auch sonst von einem „Nicht-Preis“ erwarten?

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