Bildergeschichten

betr.: 126. Geburtstag von Fritz Maurischat 

Walt Disney war weitaus eher ein technischer Innovator und weitsichtiger Medienphilosoph als ein guter Zeichner.*  So wird ihm das Verdienst zugeschrieben, bei der Herstellung seiner siebenminütigen Cartoons als erster mit Storyboards gearbeitet zu haben. Hitchcock – der gelernte Grafiker und ehemalige Zeichner von Stummfilm-Zwischentiteln – hat, wie die Legende weiter erzählt, als erster Realfilmer das Storyboard zum festen Bestandteil seiner notorisch gut vorbereiteten Dreharbeiten gemacht. Bald arbeitete jeder Hersteller eines Films (und sei er nur so lang wie ein Werbespot) mit diesem Hilfsmittel.

Geht man dieser Geschichte ein wenig auf den Grund, stolpert man über zwei Details, die zumindest mich überrascht haben.
Bereits im Jahre 1919 hat Douglas Fairbanks am Set seines Films „When The Clouds Roll By“ eine Tafel aufgestellt, auf die Zeichnungen der geplanten Einstellungen gepinnt waren. In seinem Falle ersetzte diese Darstellung jedoch gleich das gesamte Drehbuch.
Zehn Jahre später – der Stummfilm war bereits am Ende, der Tonfilm jedoch noch nicht eingeführt – realisierte Maurice Tourneur in Deutschland „Das Schiff der verlorenen Menschen“ mit Marlene Dietrich und Fritz Kortner. Die erhaltene Bilderfolge des Zeichners Fritz Maurischat ist allerdings eher ein atmosphärischer Leitfaden als ein Szene-für-Szene-Storyboard im heutigen Sinne. Seine Stürme mit kenternden Schiffen und trudelnden Flugzeugen zeigen jedoch genau den expressionistischen Stilwillen, für den der deutsche Stummfilm weltweit geschätzt und von Hollywood gefürchtet wurde.

Der Betrachter der fertigen Filme ahnte von dieser Technik freilich noch nichts, und ihre Hersteller hatten kein Interesse daran, das Publikum mit solcherlei Werkstatt-Geheimnissen zu behelligen.
1966 bildete Francois Truffaut in seinem berühmten Interview-Buch mit Alfred Hitchcock mehrere Passagen aus dem Storybaord zu „The Birds“ ab, das von einigen Bewunderern als „unveröffentlichte Graphic Novel“ bezeichnet wird. Zu den unzähligen Revolutionen, die Truffaut mit diesem Buch lostrat, gehört auch das von nun an steigende Interesse des Filmfreundes für die Frage: „Wie haben Sie das gemacht?“ –nicht nur das Storyboard betreffend.

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* Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2015/03/27/unter-fremder-signatur/

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