Trümmerfilm gefällig

betr.: 73. Jahrestag der Uraufführung des ersten deutschen Nachkriegsfilms „Die Mörder sind unter uns“ 

Das Wort „Trümmerfilm“ meint streng genommen nur das schmale Genre der Filme, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den verwüsteten Städten Europas entstanden sind – fast immer in Berlin, im Falle der berühmtesten Ausnahme „Der dritte Mann“ in Wien. Ein Werk wie „Deutschland im Jahre Null“ sieht diesem Genre zum Verwechseln ähnlich, aber hier haben wir es bereits mit einem Beitrag zum italienischen Neorealismus zu tun.
Die wahrhaftigen Ruinen und Schuttberge geraten im Trümmerfilm zu einer wirklich eindrucksvollen Kulisse, und darin kann sogar eine Komödie funktionieren – wie Billy Wilders „A Foreign Affair“. (Ähnlich festgelegt ist auch das Wort „Nachkriegszeit“, das ebenso selbstverständlich auf das Ende des Zweiten Weltkriegs Bezug nimmt – was uns zu denken geben sollte…)

Gegenwärtig ist die Welt wieder besonders reich an Städten, die in Schutt und Asche liegen, doch ein Comeback dieser Filmsparte ist nicht abzusehen. Die Gründe sind einleuchtend: ein Trümmerfilm impliziert, dass der kriegerische Konflikt beendet, die Zertrümmerung des jeweiligen Ortes also abgeschlossen ist, denn sonst haben wir es schlicht mit einem Kriegsfilm zu tun – etwa bei „The Hurt Locker“, der uns vor nicht so langer Zeit sehr beklemmende Bilder eines ehemaligen Lebensraumes gezeigt hat.
Insofern ist es kein Sarkasmus, wenn ich mir wünsche, es möge bald zu einer Renaissance des Trümmerfilms kommen. In ihm spürt man immer auch den Willen zu Neubeginn und Wiederaufbau.

Einer der schönsten klassischen Beiträge* endet mit den Worten: „… denn im letzten Augenblick kam etwas hinzu, womit niemand mehr gerechnet hatte: die menschliche Vernunft!“ Dann folgt eine Vordatierung ins nächste Jahr.
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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2017/06/19/die-schoensten-filme-die-ich-kenne-30-berliner-ballade/

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