Ixen für Anfänger: Kindliches Textverständnis

Mutter wissen es auch nicht besser

Als Kind ist man es gewohnt, vieles nicht zu verstehen, was so geredet wird. Man improvisiert unentwegt, um diesen Zustand zu verbessern und zu kaschieren. Das ist vollkommen in Ordnung, ziemlich spannend und mindestens so wichtig wie Jahre zuvor das Greifen-, Sprechen oder Laufenlernen. Es gibt viele erfolgreiche Bücher über dieses Phänomen und seine lustigen Nebenprodukte, das bekannteste dürfte jenes mit dem Titel „Der weiße Neger Wumbaba“ sein.

Ein Satz, an den ich mich besonders gern erinnere, wenn ich an meine frühen Erlebnisse mit unserer Sprache zurückdenke, ist die Redensart „Vater sein dagegen sehr“. Ich merkte sofort, dass hier satzbaulich etwas anders ist als sonst. Aber was? Ich erinnerte mich an ähnliche Stilblüten wie „Es hat nicht sollen sein“ oder „Kein schöner Land“. Irgendwann kam ich auf die Idee, es müsse sich um etwas Unvollständiges handeln, so wie (pardon!) „Mutter sein, das ist nicht schwer. Vater sein, dagegen sehr“. Aber das habe ich wieder verworfen, als meine Mutter anlässlich des Heinz-Rühmann-Filmtitels „Vater sein dagegen sehr“ durchblicken ließ, das sei einfach schlechtes Deutsch, so wie es von Gastarbeitern gesprochen wird. Also mit Absicht falsch und somit auch wieder richtig.

Inzwischen bin ich zu meiner ursprünglichen Idee zurückgekehrt, wenn ich auch den fehlenden Satzteil anders rekonstruieren würde.
Aber ich bleibe auf der Hut.

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