Geschichte des Komiker-Handwerks (19)

Comedy im Fernsehen

Fortsetzung vom 12. Mai 2020

Ungeachtet seiner Beliebtheit war und blieb das Fernsehen noch für lange Zeit ein niederes Medium. Während es den Kunstwerken des Kinos und des Broadway recht gut gelang, ihre naturgemäß kommerzielle Ausrichtung wenigstens für die Dauer eines Abends vergessen zu machen, erinnerten im Fernsehen die regelmäßigen Auftritte der Sponsoren daran, dass Unterhaltung viel Geld kostet, das wieder eingespielt werden muss.
Besonders für Schauspieler bedeutete die „Small Screen“ ein geringeres Renommee. Wer es im Film erst einmal zu etwas gebracht hatte, der trat allenfalls zu Eigen-Werbezwecken als prominenter Gast in einer Show auf. Einige Stars – etwa John Wayne – lehnten es auch am Abend ihrer Kinokarriere konsequent ab, in Serien mitzuwirken.

Bei Komikern war das etwas anders, denn Filmrollen sind nicht mit TV-Auftritten zu vergleichen, die den Künstler gemeinsam mit seinem Publikum und dessen Reaktionen und unter seinem eigenen Namen zeigten. Der unvorstellbare Erfolg des jungen Duos Jerry Lewis und Dean Martin hat sich viel besser in ihren TV-Gastspielen erhalten als in ihren Filmkomödien. Im Spielfilm wandelt bzw. weitet sich der Komiker zum Komödianten – ein Spagat, der nicht allen gelingen wollte.*

Die erhaltenen Aufzeichnungen aus der beginnenden TV-Ära liegen nur in erbärmlicher Qualität vor, da sie noch nicht per MAZ-Technik konserviert werden konnten, sondern vom Live-Bildschirm abgefilmt werden mussten. Doch sie haben unzählige frühe Auftritte späterer Komiker-Legenden in ewige Sicherheit gebracht, die sonst heute verloren wären.

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* Jerry Lewis, dem dies besonders gut gelang, denkt in einer Altersrolle über das Problem nach, siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2020/05/20/der-funny-bones-comedian/

Auszug aus dem Essay „Humor Omnia Vincit“

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