Die schönsten Hörspiele, die ich kenne (13): „Der Zimmerspringbrunnen“

betr.: 65. Geburtstag von Jens Sparschuh

„Der Zimmerspringbrunnen“ – nach dem gleichnamigen „Heimatroman“ von Jens Sparschuh (1995) – Produktion: BR 1997, 60 min., Credits unter http://hoerspiele.dra.de/vollinfo.php?dukey=1393990&SID

„Ich hoffe, Sie haben das jetzt nicht nur zufällig richtig gemacht!“

In seinem „Heimatroman“ „Der Zimmerspringbrunnen“ brachte Jens Sparschuh Mitte der 90er ein Kunststück fertig, das ich auch nach knapp 30 Jahren Wendeliteratur, Wendecomedy, Wendefilm, – theater und -kabarett eigentlich nicht für möglich halte: er behandelt Ost und West schlicht wie zwei deutsche Himmelsrichtungen, wie zwei Landstriche mit ihren Macken und Mentalitäten und  schenkt sich jeden ideologischen Hintersinn. Der Erdenschwere von 40 Jahren deutscher Teilung und des anschließenden Ossi-vs.-Wessi-Knatsches endlich enthoben, kann man sich über die Dinge amüsieren, die wir alle schon immer gemeinsam hatten – und dabei sind das nicht einmal besonders erfreuliche.

Das Hörspiel erzählt die Geschichte von Hinrich Lobek, einem abgewickelten DDR-Wohnungsverwalter, der sich im Westen auf einen Vertreterposten bewirbt. Mit Anfang 50 und nach drei Jahren Arbeitslosigkeit verspricht er sich nichts davon, eigentlich möchte er nur der etwas bedrückenden Zweisamkeit entrinnen. Doch er bekommt den Job und erweist sich zu seiner eigenen Überraschung als Verkaufsgenie. Seine verinnerlichte „sozialistische Ordnung“ ist die perfekte psychologische Strategie, um Kleinbürgern Zimmerspringbrunnen anzudrehen …

Sketche, die jeder Nonsens-Sendung Ehre gemacht hätten („Mir fällt die Decke auf den Kopf“, „Mein Hund und ich“, „Das Vertreterseminar“ …), fügen sich zu einer blitzgescheiten Komödie zusammen.

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