Geschichte des Komiker-Handwerks (39)

betr.: Good Humor Comedy

Fortsetzung vom 18.8.2020

Steve Martin legte Wert darauf, dass auch am Alltäglichen orientierter Humor zur Gesellschaftssatire tauge: „Wenn ich im Restaurant gefragt werde: Stört es Sie, wenn ich rauche?, pflege ich zu antworten: Stört es Sie, wenn ich furze?“
Martins Humor verletzte niemanden persönlich – ähnlich wie der physische Slapstick eines Jerry Lewis oder die Scherze im Vaudeville.
Aber muss etwas wirklich Komisches nicht auch zumindest bereit sein, zu verletzen?
Diese Frage soll an anderer Stelle weiter erörtert werden. Vorgreifend stellen wir immerhin fest: nicht alles Verletzende ist automatisch lustig.

Die Pointe für alle

Eines der Alltagsthemen, die Publikum und Künstler verbanden, war das Fernsehen. Es bestimmte beider Leben in erheblichem Maße. Die Mechanismen und Rituale, die Formate und das Personal dieses Mediums wurden zum regelmäßigen Thema komischer Texte. Mancher Komiker hatte außerdem persönliche Innenansichten zu bieten, mit denen er sein Material würzen konnte. Die reine Sozialsatire der 50er und 60er Jahre verschwand, und die Stile, in die man die Comedy bisher hatte gliedern können, begannen sich aufzulösen. Alles, was es in die Schlagzeilen schaffte, konnte (musste) hier kommentiert werden. Und die Tageszeitung, die die betreffende Schlagzeile trug, war ein herrliches Requisit, das man in die Hand nehmen konnte.

Steve Allen dachte über diese Entwicklung am Beispiel seiner Kollegen Bob Hope und Johnny Carson nach: „Sie spielen nicht in der selben Liga wie Will Rogers und Mort Sahl, die wirkliche Humoristen sind. Bob und Johnny reden über alles, was in der Zeitung steht, aber eigentlich tun das ihre Autoren für sie. Sie selbst haben keine Philosophie, keinen persönlichen Standpunkt.“
Das war nicht abfällig gemeint, doch ein bedauernder Unterton ist überdeutlich – hier der Humorist im Twain’schen Sinne, der Mann mit Haltung, dort der routinierte Unterhalter, dem es um möglichst viele Pointen geht.
Das verweist auf unsere Situation in jenen Tagen, von der noch die Rede sein wird.

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