Ein Mathelehrer gegen den Rest der Welt

Ich erinnere mich an einen Wandertag meiner Realschule. Unser Klassenlehrer war ziemlich unbeliebt – seine Fächer Physik und Mathe mochte niemand von uns, und auch seine soziale Kompetenz, an der er unablässig arbeitete, überzeugte uns nicht. Nun schlug ihm aus der Klasse der Wunsch entgegen, den Wandertag für einen Kinobesuch zu nutzen. Er stimmte widerwillig zu und erklärte, im Ort liefe der berühmte Hitler-Film von Joachim Fest – ein aus heutiger Sicht restlos veraltetes Werk, das in meiner Erinnerung (ich sah ihn später im Fernsehen) hauptsächlich aus Aufmärschen mit der Originalmusikspur besteht, vermutlich aufgrund der damaligen Quellensituation.

Jedenfalls hatte die ganze Klasse keine Lust auf Drittes Reich und schlug vor, stattdessen „Theo gegen den Rest der Welt“ anzuschauen, in dem sich der junge Musiker Marius Müller-Westernhagen als Filmschauspieler präsentierte. Herr Kessler fühlte sich abermals schwer geprüft. Als er sah, dass kein Frieden sein würde, ließ er pro forma abstimmen und willigte schließlich ein, in den Westernhagen-Film zu gehen.
„Das ist doch so e Klamaukfilm!“ meinte er abschließend. „Das Ään saan isch eusch: isch lache nischt!“

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